carsten werners

kulturpolitische Bilanz 2007-11

In Politik on 23. Oktober 2010 at 22:01

Mein Beitrag für den Weser-Kurier v.23.10.2010
zu einer Sammlung von Bilanzen der Kulturpolitik von Jens Böhrnsen und Carmen Emigholz 2007-2011

(Die gefetteten Passagen wurden für die Zeitung redaktionell gekürzt.)

Die Sammlung aller Beiträge online:
http://www.weser-kurier.de/Artikel/Bremen/Kultur/251874/Bestandsaufnahme+fuer+Jens+Boehrnsen.html

Kultursenator Jens Böhrnsen tritt jenseits repräsentativer Auftritte (erstaunlich treu etwa zu Seebühnenevents und Stadtmusikantenpreisen) so selten selbst in Erscheinung, dass der Anteil seiner Staatsrätin Carmen Emigholz an der kulturellen Entwicklung in Bremen weit größer scheint. Die hat die brachen Baustellen des vorhergehenden Kultursenators Jörg Kastendiek (CDU) immerhin wieder belebt: Filmbüro, Gerhard Marcks Haus, Shakespeare Company, Schwankhalle, Bremer Theater, Kammerphilharmonie, Breminale und wohl auch die Weserburg konnten so Vorstellungen für ihre Zukunft und Selbstbewusstsein entwickeln – das ist von unschätzbarem Wert!

Das ewig durch die Stadt unkende Drama der Theaterintendanz Frey wurde vom Bürgermeister aber viel zu zögerlich angegangen, lähmte das kulturpolitische Geschehen auf Jahre und schmälerte Image und finanziellen Spielräume für Kultur dramatisch.

Im Schatten des Bürgermeisteramts wurden Schließungen verhindert – aber kaum Neuerungen realisiert. Das Kino 46 dümpelt weiter in Walle, Waldautheater und Schnürschuh und Theaterlabor werden irgendwie geduldet und wohl auch ein bisschen alimentiert. Aber die Bibliotheken bleiben absurderweise am Wochenende geschlossen, für die Überseestadt gibt es kein schlüssiges Kulturkonzept, die Arbeit der viel gelobten und erfolgreichen ressorteigenen Jugend-Kunst-Nachwuchs-Stiftung START endete laut eigener Homepage sang- und klanglos wohl irgendwann 2008, viele Potentiale haben quasi Wachstumsverbot. Die Förderung der Kreativwirtschaft beschränkt sich oft auf deren – offenbar mühsame – Selbstkenntlichmachung, und die übernehmen private Initiativen, die WFB oder das Medienreferat der Senatskanzlei. Kultur als Imagefaktor verschwimmt und versandet zusehends in den Händen der fusionierten WFB und der Bremer Touristik-Zentrale.

Eine Abstimmung und Vernetzung der verschiedenen Kulturförderungen (durch Wirtschaftsressort und WFB, über Bildung und Stadtentwicklung, für Film und Medien oder WIN-Projekte) findet jenseits undurchsichtiger technischer Finanzverteilungen von Seiten der Stadt inhaltlich kaum statt. Nichtstaatliche und nicht geförderte Bildungs- und Kultureinrichtungen werden am Diskurs kaum beteiligt. Relevante Neuerungen oder gar Gründungen macht das schwierig. Der „Klub Dialog“ und die „Zwischen Zeit Zentrale“ als vielleicht wichtigste Innovationen für die Kulturlandschaft sind dann auch in Obhaut des Wirtschafts- bzw. Stadtentwicklungsressorts entstanden.

Also: Es ist viel los in Bremen und viel im Gespräch, manches in Frage zu stellen und viel Neues zu wagen. Der Diskurs über echte Kulturentwicklung findet eher im Weser-Kurier als in der Kulturverwaltung oder zwischen den Kultureinrichtungen statt. Es wäre schön, wenn Carmen Emigholz’ neuer Umgang mit Künstlern (!) und Kulturakteuren in den nächsten Jahren frische Früchte trüge – dann vielleicht auch wieder verbunden mit einem starken gestaltenden Ressort wie Stadtentwicklung, Bildung oder Wirtschaft?!

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: