carsten werners

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Wahl-Nachlese

In Politik on 3. Juni 2015 at 08:21

Fotomeine Wahl-Nachlese zur Bremer Bürgerschaftswahl vom 10. Mai 2015 und dem Ergebnis der Grünen:

In einer Wahlanalyse hieß es, die Grünen hätten kein Angebot gemacht für Leute „die was machen wollen“ – Industrie, Handwerk, Dienstleistung. Ich ergänze: GründerInnen, Studierende und Auszubildende, Digital Natives … junge Leute überhaupt, Kreative und Künstler, Familien, prekäre Milieus – Leute, die sich über ihr Erleben definieren. Das meint nicht bloß Spaß und Pop oder „Unterhaltung“, wie dieser Sichtweise zu gerne unterstellt wird – das betrifft ganz harte soziale Erfahrungen, positive Patchwork-Realitäten, Familienleben, kulturelle Verflüssigungen und Parallelwelten gleichermaßen!

Wir haben zum Wahlkampf Inputs von außen zu wenig gesucht und zugelassen – weder Kritik noch Inspiration, von grün-affinen Umfeldern oder der Basis bis zur eigens engagierten Agentur. Wir haben WählerInnen und NichtwählerInnen differenziert und zu oft gezielt nur potentielle WählerInnen angesprochen. Wir haben uns stattdessen zu oft zu sehr mit der SPD gestritten (und nicht mit der Linken, der CDU oder gar der FDP, haben auch „die Partei“ und die Piraten wieder nicht wahrgenommen) – und für uns selbst „Realisierbarkeit“ und unsere Regierungs-Realität zum Mantra gemacht. Veränderung, für die wir stehen wollen, gibt es aber kaum ohne Aufwand und selten mit Garantieschein. Sie kostet aber auch nicht immer viel Geld – sondern „nur“ Aufmerksamkeit, Achtsamkeit, Anerkennung. Und Durchsetzungskraft – auch und gerade gegenüber dem „eigenen“ Senat.

Der Personalwahlkampf war das am stärksten nach außen vermittelte Moment, das diese wichtige Aufmerksamkeit für Andere zugelassen hat (und ausweislich des Verhältnisses von Personal- zu Listenstimmen auch produktiv gemacht hat): Communities, Herkünfte und emotionale Tags bestimmen jedenfalls in allen Parteien die Personalstimmen-Ergebnisse. Und da, wo es für uns Grüne schwierig war – in den Hochschulen, bei jungen Menschen, in der Kultur, gerade in Grünen-Hochburgen -, da ist das auch aus Betroffenheiten herzuleiten, die wir (mit) verantworten: von Wissenschaftsplan über Bürgerbeteiligung und Baustellen bis zu Zwischennutzungen, von Elternsorgen und -ängsten bis zum ortlosen „Zuckerwerk“. Von der Wahlbeteiligung in nicht-grünen Milieus (von der wiederum viele kluge und empathische, grün-affine Leute um uns herum wissen und erzählen) zu schweigen.

Als Partei haben wir Fragen, Kritik, Korrektur-Ideen, auch Diskurs-Bedarf oft weggestimmt – die Prüfung fahrscheinlosen ÖPNVs, eine klare Haltung zur Individualität von freien Schulen, eine kritische Fragestellung zum OTB: weggestimmt.

Und jetzt? Trauen wir uns an eine kleine Revolution des extrem männerdominierten Sportwesens? Geben wir Kultur die Aufmerksamkeit, die wir ihr in fast allen Politikbereichen zuschreiben? Natürlich muss und kann sowas nicht alles morgen, heute, jetzt gleich Realität sein. Aber dass es kaum gedacht, gefragt, utopisiert werden soll, schmerzt – mehr, als dass es nicht durchsetzbar oder leistbar sein könnte.

Gleichzeitig wurde in Schleswig-Holstein ein Kämpfer fürs bedingungslose Grundeinkommen zum Parteichef der grünen Regierungspartei gewählt: Arfst Wagner:

– und ein Philosoph und Künstler zum möglichen Bundes-Spitzenkandidaten: Robert Habeck: http://sh-gruene-partei.de/landesparteitag/egal-wie-es-ausgeht-robert-habeck-auf-dem-landesparteitag-2015. Cool und staatstragend. Geht doch!

Was wir Bremer Grüne im – vorbildlich diskursiven, interaktiven – Programmprozess diskutiert haben: Hätten wir das nicht auch nach außen tragen sollen und müssen, uns als viel offener fragend, suchend, aufgeschlossen, streitbar zeigen sollen?

Mich besorgt in Bremen die allgegenwärtige Besorgnis, dass Energien frei werden könnten – das gilt für meinen Bereich der Kulturpolitik, das gilt für die Stadtentwicklung insgesamt, das gilt für die Unterstützung neuer Träger und neuer Ideen. Das gilt für die ununterbrochene SPD-Regierung in Bremen – und das gilt nach acht Jahren Regierungsbeteiligung auch für uns Grüne. Das ist unser Regierungsstil geworden. Hat diese staatstragende Politik eigentlich noch Gegenbilder, Weiterungen – oder wollen wir SPD-CDU-Handelskammer und dem Milieu der Institutionen und Systemrelevanzen möglichst gleichmäßig gefallen, nicht auffallen (und uns aufs real existierende Wähler-Milieu begrenzen)?

Wir haben nicht nur durch „zu viel Arbeit“ gleichsam „vergessen“, Erfolge auch zu feiern (oder damit Signale zu setzen, auch provokative), wie es jetzt vielfach heißt – wir haben das manchmal schlicht auch nicht gewollt oder gekonnt: Wir haben zu den Lebenswelten der Hochschulen nur Strukturdebatten geführt – und vermissen jetzt auch dieses „Milieu“. Zu den Quartieren und zum Grün, zum Fluss auch nicht viel – das ist aber die von uns sehr erfolgreich gepflegte Umwelt „da draußen“! Wir haben in Kultur nicht wirklich viel Grundsätzliches bewirkt oder gar Neues ermöglich – und wo, wenn nicht da, wäre das so nötig wie machbar? Wirtschaft kommt kaum vor als grünes Politikfeld – dabei gäbe es da in Richtung einer gemeinwohlorientiert(er)en Ökonomie, Sharing, gäbe es in der Gründerszene, im Mittelstand und bei den KMU viel zu tun und viele Partner. Zu digitalen Themen haben wir uns immer wieder vom Senat bremsen lassen; von einer eigenen Agenda zum digitalen Alltag sind wir weit entfernt.

Und viele Migranten und alle Flüchtlinge können uns per Stimmzettel gar nicht erreichen, weil sie nicht wählen dürfen – auch das wird ein Thema der nächsten Jahre sein. Sind wir dabei wenigstens richtig klar, wohin wir unsere gute Politik in diesem Feld überhaupt kommunizieren?

Joachim Lohse und Anja Stahmann hatten irre viel Arbeit, die bundesweit hoch geschätzt wird (gerade auch in Communities, Fachöffentlichkeiten, Initiativen und Projekten, politisierten Gruppen!) – aber in Bremen geben wir damit nicht an, fühlen die Lebensqualitäts-Gewinne nicht vor Ort nach.

Wir vermissen „Nachwuchs“ – aber suchen wir ihn überhaupt, halten wir ihn aus und die Risiken, die die Jugend mitbrächte (oder das was Älteren dann unverständlich erscheint)? Jedenfalls hegen wir ihn nicht: Wie sollen wir junge Leute erreichen, wenn unsere eigenen jungen Leute nicht einmal aussichtsreiche Listenplätze erreichen – und in der Kampagne eigentlich nicht vorkommen? Sie wurden auch nicht ausreichend gefördert und beraten.

Wenn jetzt von Kritikkultur und Streitkultur (wieder, endlich) die Rede sein soll, müssen wir zunächst identifizieren, mit wem wir uns streiten wollen – und worüber. Auch innerhalb der Grünen. Dazu müssen wir Positionen entwickeln, über die sich zu streiten lohnt: nicht über Stilfragen, sondern über weitergehende Inhalte, Anliegen, gesellschaftliche Zuständigkeiten und Positionen. Und Streit und Kritik müssen sich entwickeln können; in einer guten Mischung (und Reihenfolge) von geschützten Runden, klaren Regeln – und dann Transparenz.

Durch eine irrsinnig frühe Koalitionsaussage schon Ende 2013 – mehr noch: unbedingte Verbindung mit der SPD, mehrstimmig erklärte Alternativlosigkeit! – haben wir Grünen a) uns unnötig zum Teil und Spielball der großen Bremer SPD-forever-Erzählung und -Kampagne gemacht, und b) allen, mit denen wir über Alternativen zu 70, 75, 80 Jahren SPD in Bremen auch nur hätten nachdenken, reden, hinhören oder -fühlen können, gesellschaftliches Desinteresse daran signalisiert, sie desillusioniert. Der Journalist Jan-Philipp Hein hat am Tag nach der Wahl getwittert: „Das Ergebnis der Bremen-Wahl: Diese Stadt ist nicht mehr Eigentum der SPD“

– ist das nicht auch unser Verdienst? Oder gehören wir schon mit zu den Bremen-Besitzern?

Die beiden Chefredakteure Andrea Schafarczyk (Radio Bremen) und Moritz Döbler (Weser-Kurier) haben für Bremer Verhältnisse fast brutal einen politischen Neuanfang angemahnt – die SPD hat umgehend postuliert: „Die SPD hat verstanden!“ und dazu fix das Beste und Größte aus den Programmen von CDU, Linken und Grünen zusammengekehrt: Von allem mehr – in alten, fantasie- wie richtungslosen Bahnen und Strukturen. Wollen wir das mitmachen?

Was ist das grüne „Wir haben verstanden“?

Ich meine: Wir brauchen jetzt das genaue Gegenteil von Wagenburg und Selbstbestätigung! – Wir müssen uns aufmachen: Die Köpfe, die Partei, die Diskurse! Für mehr Köpfe und ihre Inhalte: Es gibt viele Ideen und Initiativen, Wissen und Anliegen ganz real in diesem „da Draußen“, von es immer heißt, dass es „uns nicht mehr versteht“ – wir müssen uns da nur committen und connecten.

Aber immer mehr „da draußen“ haben gerade keine Lust mehr, von uns „hier drinnen“ erzählt zu kriegen, was alles nicht geht. Sie haben einfach Lebensweisen und -sorgen, Ideen, Sprachen, deren Realität wir anerkennen und „verstehen“ müssen. [Wenn es einen „Fukushima-Effekt“ gegeben hat, dann bestand der ja auch nicht in plötzlich kollektiv ausgebrochener umwelt-, klima-, wirtschafts- und energiepolitischer Einsicht und Überzeugung eines großen Teils der Bevölkerung – sondern ganz wesentlich darin, dass vorhandene grüne Kompetenz und (in diesem Fall: geschocktes, elektrisiertes, beängstigtes) Lebensgefühl für ein aktuelles, zufälliges Moment zusammen passten.]

Für viele, und immer mehr, Menschen in Bremen gibt es eine Welt, ein Leben, und auch ein Bremen, das nicht mehr so viel mit dem SPD-AWO-Gewerkschafts-Personalrats-Komplex zu tun hat – viele in Sorgen und Ängsten, viele auch in Zufriedenheit und Entspanntheit. Das sind nicht alles Sanierungsgegner und Realitätsverweigerer!

– Das haben Linke, FDP, auch Satire-„Partei“ und Piraten, selbst die CDU antizipiert. Um 5% für „Die Partei“ plus Piraten und hohe Gewinne der Linken und der FDP in Grünen-Hochburgen: Sind da viele WählerInnen plötzlich zu spaßbesessenen Deppen geworden? Nee! Wogegen protestieren, was wollen die uns sagen, die uns vorher öfter mal gewählt hatten und jetzt (immerhin!) „schade“ sagen? Die Leute formulieren Ansprüche an Politik(erInnen), auch an Politikvermittlung, auch an politische Teilhabe und Betroffenheit – sie fordern: Anerkennung. Respekt, Gehör, Unterstützung. Das haben die Linke und die FDP erkannt – und genutzt. Und das hat „die Partei“ ironisiert – und deutlich gemacht. Und das lässt sich auch aus grünen Personal-Ergebnissen lesen. Da passiert Mobilisierung.

Unser staatstragender Wahlkampf jetzt ist nicht aufgegangen – weder die schweigende SPD-Variante, noch die Grüne Konsens-Dialektik-Version. Funktioniert haben Kampagnen, die bunt, „frech“, ideenreich, auch lustig waren (oder wenigstens so getan haben). Und die waren deswegen eben noch lange nicht weniger inhaltsreich als unsere. Niemand wählt ein Plakat. Aber wäre es gerade darum nicht auch legitim gewesen, Regierungsarbeit einerseits und Wahlziele, Wahlkampf andererseits zu differenzieren? Sich (natürlich) mehr zu wünschen, als man „machen“ kann? Grüne (neue, alte) Utopien? Die SPD zeigt (schon jetzt wieder …), wie das geht: Forderungen, Vorstellungen benennen. Auch wenn sie in der Realität scheitern sollten, im Kompromiss anders aussehen.

Für neues grünes Selbstbewusstsein wird’s nicht ausreichen, sich der (kleinen) grünen Mitgliederbasis und wackerer EinzelkämpferInnen zu versichern und an Landesarbeitsgemeinschaften in neonbeleuchteten Besprechungsräumen zu appellieren. Zurück zu Wurzeln könnte auch heißen: ran an die, rein in die Bewegungen – aber dazu müssen wir sie auch wahrnehmen und ernstnehmen. Unsere Veranstaltungen im Herbst und Winter waren knallvoll. Erst, als sie „Wahlkampf“ hießen und waren, wurde der Zuspruch dünner.

Mich nervt deshalb die Desavouierung von „Köpfen“ und Personalisierung. Sie ist nämlich unehrlich. Weil auch bei uns Grünen Eitelkeit, Hormone, Bekanntheitsgrade und Sendungsbewusstsein eine Rolle spielen; warum denn auch nicht, wie denn auch nicht? Lassen wir sie doch spielen! Wo sollten denn Inhalte, Erlebnisse, Wissen, Ideen herkommen, wenn nicht bitteschön aus individuell sozialisierten, denkenden und arbeitenden Köpfen? Natürlich müssen wir über Köpfe reden – und streiten! Mehr! … und was die verkörpern! Auch vor und bei künftigen Listenaufstellungen. Inhalte werden wir nicht ohne Körper „mobilisieren“.

Wenn die SPD eine Erneuerung, frischen Wind, Neustart, „Verstehen“ ernsthaft will, sind wir Grünen dafür der natürliche, kompetenteste Partner. Aber es kann ja nicht bedeuten, „die SPD hat verstanden“ – dass ihre Stammklientel weiter/wieder Wohltaten kriegen muss – und die Grünen wieder/weiter die (bl)öden Bremser sind. Erneuerung muss dann auch passieren, – real für alle, die sie sehen, brauchen oder ersehnen.

FotoWir müssen Politik – und unsere Partei – nach Lebenswelten ausrichten; nicht nach Verwaltungseinheiten. Nach heutigen Lebenswelten, nicht nur denen aus der goldenen grünen Gründerzeit: Ich möchte eine LAG Familie und eine LAG Transition gründen. Eine AG „Ideengrün“ darf kein Hinterzimmertreffen von verrückten Nischen-„Kreativen“ bleiben, sondern gehört ins Zentrum eines kreativen Landesverbandes und Wahlkampfes. Festivals und Symposien zu unseren Lebenswelten setzen Energien frei, statt sie einzufangen. Denkräume, die halbwegs frei sind von der Zuständigkeit für Alternativlosigkeit und Systemrelevanz.

Ich wünsche mir eine/n FamiliensenatorIn, die sich um Familien und ihre Kinder von der Geburt über die Kita und die Schulen bis zur Pflege kümmern kann. Carsten Sieling hat diese urgrüne Forderung inzwischen  zu seiner gemacht. Ich wünsche mir ein Stadtentwicklungs-Ressort, das das Bauen und die Stadtentwicklung in Bremen auch wirklich steuern kann – und nicht ständig von WFB, IB, Wirtschafts- und Finanzressort in aufgesplitterter Zuständigkeitspraxis immer wieder konterkariert wird und unendlich Zeit in „ressortübergreifender“ Abstimmung verbringt. Ich wünsche mir, dass ein Ressort Arbeit (und das heißt immer öfter auch das Gegenteil von Erwerbsarbeit) und individuelle Zeit als zentrale Elemente gesunden Lebens und sozialer Entwicklung sehen darf und muss. Ich wünsche mir eine Politik für kulturelle Angelegenheiten, die sich nicht auf die Kunstsparten des vergangenen Jahrhunderts begrenzt, sondern an der Schnittstelle der sozialen und ökologischen Stadtentwicklung stattfindet, Digitalisierung realisiert, kulturelle und künstlerische Bildung gemeinsam mit dem Bildungsressort bewegt – und nicht in einer Nische der Senatskanzlei verschattet abgestellt bleibt und von dort Nichtzuständigkeit für Nichtfinanziertes verkündet.

Ich wünsche mir eine kritische Analyse von Bürgerbeteiligung als Wunschkonzertenttäuschungsmaschine statt der fortgesetzten undifferenzierten Verkultung eines Begriffes, mit dem wir permanent Erwartungen schaffen, die wir schneller enttäuschen als wir sie erfüllen können.

Dasselbe gilt für unseren Umweltbegriff: Stadt ist nicht unberührte Natur – wer das glaubt oder dem auch nur nicht widerspricht, schafft auch zukünftige Enttäuschungen statt Lust auf Lösungen – und vernebelt und frustriert den Blick für Realität: Wir leben in Bremen ja nicht in einer zugebauten Betonwüste und das droht auch nicht – Bremen ist eine grüne Stadt.

Ich finde, wir müssen uns auch aus Bremen heraus auch Bremerhaven widmen – gesellschaftlich, gesellschaftspolitisch, vielleicht aus einer Landes(!)Arbeitsgemeinschaft Bremerhaven?

Ich wünsche mir eine Anerkennungskultur den BürgerInnen und ihren Interessen und Initiativen gegenüber – ihrer demografischen, migrantischen, kulturellen und digitalen Realität. Der Zustand des Unisees, Möglichkeiten für Urban Gardening, die Folgen von Zwischennutzungen, die Verkehrs-, Lärm- und Müllsituation im Viertel, die kulturelle Situation im Bremer Westen, Norden und Süden, geeignete Räume für Flamingo Gym, Zuckerwerk und Klapstul, Hundespielplätze und eine vernünftige Projektberatung, eine Anerkennung und Unterstützung des Mietersyndikats, die Förderung von Freifunk oder Bundesratsinitiativen gegen Störerhaftung und für Netzneutralität gehören sicher nicht en detail in einen Koalitionsvertrag – aber wir müssen klar machen, dass uns solche lebensweltlichen „Details“ erreichen, interessieren und angehen!

Ich glaube dagegen nicht, dass das Wähler und Wählerinnen und schon gar nicht Nicht-WählerInnen interessiert, ob wir 2 Ressorts bekommen oder 3 oder 2 1/2 … und ich glaube, deren Interesse gilt auch nur bedingt der „Performance“ der SenatorInnen. Das ist nur „Politik-Politik“, das ist noch keine Stadt-Politik!

Die Frage muss sein: Mit welchen Inhalten, mit welchen Ideen und Werkzeugen, mit welchen Leuten und Kompetenzen machen wir unsere Politik und unsere Ideen für die Zukunft konkret erlebbar, vorzeigbar und produktiv? Grüne und SPD, miteinander und auch füreinander – nicht gegeneinander und wir als Grüne nicht bloß als „kleine bessere SPD“.

Wir haben in der ersten rot-grünen Legislaturperiode mit dem neuen Leitbild der Stadtentwicklung und einer neuen Finanzpolitik gute strukturelle Grundlagen geschaffen – und in der zweiten Legislatur haben wir daraus richtig gute Pläne und Masterpläne und Gesetze entwickelt. Aber wie das so schön heißt: Der Pudding erweist sich beim Essen. Dass Bremen erneuerbar ist, wie Hermann Kuhn das vor vier Jahren so schön geclaimt hat, das muss sich jetzt zeigen!

Das alles schreibe ich hier nicht auf, weil das alles unbedingt nächste Woche Realität werden muss. Aber weil ich sagen und zeigen will, was man machen KÖNNTE, was Grüne verlangen, einfordern, sehen und sagen könnten, was „die Menschen da draußen“ (und hier drinnen) auch interessieren könnte: genauso sehr, mindestens, wie 111 oder 222 LehrerInnenstellen und 55 PolizistInnen, eine technokratische „Ausbildungsgarantie“, 1.234 Wohneinheiten und 5 oder 7 Geschosshöhen auf dem heiligen Konsolidierungspfad.

(c) Mirja Thiel

(c) Mirja Thiel

Ich wünsche mir eine politische Führung, die solche Veränderungen und Erneuerungen sucht und annimmt und ermöglicht und managed – auf der Parteiebene, in der Fraktion und natürlich vor allem auch im Senat! – Und ich wünsche mir, dass wir ausscheidenden Abgeordneten und Beiräte nicht in dreieinhalb Jahren per Weserkurier verkünden, dass wir wieder kandidieren und alles irgendwie besser machen wollen – sondern ich hoffe, dass, möglichst viele von uns dabei jetzt schon dabei, im Gespräch bleiben und mithelfen.

Ich bewerbe mich.

In Ideenwirtschaft, Politik on 2. Mai 2015 at 10:21

Am 10. Mai 2015 sind in Bremen Bürgerschaftswahlen. Ich bewerbe mich für die Grünen erneut um ein Mandat. Um die Entscheidung zu erleichtern, ob 5 (oder 4,3,2,1) Stimme(n) bei mir gut aufgehoben wären – oder doch lieber bei den Grünen insgesamt oder bei jemand anderem, habe ich hier ein paar wesentliche Aspekte meiner politischen Haltung und Arbeit, ein paar Puzzleteile des Riesenpuzzles Bremen zusammengetragen.

Mehr dazu findet sich in meinem Blog hier – oder beantworte ich gerne, wenn ich gefragt werde.

Wählbar bin ich als Kandidat Nr. 10 der Liste 2. Ganz klar Grün.

Stadt ist Entwicklung. Stadt ist KonfliktNutzungskonflikt, Interessenkollision, Clash der Kulturen. Bremen ist grün – und laut, wie jede Stadt. Bremen ist lebendig und vielfältig – und dreckig und eng, wie jede Stadt. Das Bremer Stadtleben hat viele Vorzüge: Kultur, eine tolle Nahversorgung, soziale und gesundheitliche Versorgung, lebendige Quartiere und gute Nachbarschaften und öffentliche Räume für alle BürgerInnen. Diese Vorzüge muss jede/r gegen die Vorzüge eines Lebens in reinen Wohnquartieren oder ländlichen Gemeinden abwägen. Ich setze mich mit den Grünen dafür ein, dass der Maßsstab des Stadtlebens der Mensch als wichtigste Einheit fürs Bauen, für den Verkehr, für die Wirtschaft und für alle sozialen und kulturellen Belange bleibt. Qualitäten lassen sich nicht allein mit Kennzahlen, Rankings und Strichlisten schaffen und beurteilen. Ein bisschen Streit kann dabei nicht schaden – wenn wir uns im Ziel einig sind: Bremen als sozialer, fairer, toleranter, lebenswerter Lebensraum. Offen für alle und offen für Neues.

Kulturkoepfe

Digitalisierung ist. Globalisierung und Digitalisierung prägen Mobilität und Migration, Kultur und Handel, Wissen, Medien und Politik. Das müssen wir wissen, bedenken und politisch steuern: die digitale Revolution. Nicht, um virtuell zu leben – sondern um wach ihre Chancen zu ergreifen.

Kultur ist Respekt. Kunst ist Freiheit und die Kunst muss frei sein. Kulturpolitik muss sich neben der Förderung der Kunst auch der Entwicklung des Kultur- und Stadtlebens, kultureller Bildung, Medien und kultureller Wirtschaft widmen. Bremen braucht eine verlässliche Projektförderung – damit auch Experimente und Neues eine Chance haben. Kulturpolitik trägt Verantwortung für die Räume und das Bild der Stadt, künstlerische Visionen und neue Kulturtechniken.  Kulturentwicklung ist Stadtentwicklung.

Die Wirtschaft sind wir. Die Handelskammer ist nicht der natürliche und automatische dritte Koalitionspartner jeder Bremer Landesregierung – und sie vertritt längst nicht alle, die in Bremen Wirtschaft sind. Ich bin gegen Zwangsmitgliedschaften. Ich setze mich für kleine und kleinste Unternehmen ein, für GründerInnen und Selbstständige, für Freiberufler, für Genossenschaften, für Kultur, Gastronomie und Einzelhandel – für Menschen mit neuen Ideen, mit Mut zum Experiment, mit Lust zur Konkurrenz und auch zum Streit, mit Hinweisen für Staat und Politik, was anders laufen kann. Ich möchte innovative Träger sozialer, kultureller und ökologischer Aufgaben unterstützen. Eine gemeinwohlorientierte Wirtschaft ist für den Wohnungsbau, für lebendige Quartiere, für gute Nachbarschaften Gold wert – und Geld wert: Besondere Leistungen brauchen besondere Wertschätzung. Die Gemeinwohlökonomie verdient besondere Aufmerksamkeit und passende Regeln. So können Projekte und Unternehmen Vorreiter für Politik und etablierte Wirtschaft werden, wenn sie sich gesellschaftlichen Veränderungen stellen. Bremen ist erneuerbar.
Auch wenn sich Behörden und Institutionen – und  SPD, CDU und Linkspartei – damit oft schwer tun.

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Zeit zum Teilen. Familie ist zusammen Leben. Egal, welchen Geschlechts und egal in welcher Konstellation und Zahl: Familie ist Verantwortung füreinander. Deshalb bin ich für Kinder- und Familienförderung statt Ehe-Subventionen. Menschen müssen entscheiden können, in welchen Lebensphasen sie Zeit für die Familie brauchen – und wann neben dem Erwerbsleben auch Zeit für Ruhe und Muße, zur eigenen Orientierung ist. Lebenslanges Lernen ist wichtig für Medien- und Konsum-Kompetenz. Digitalisierung und Automatisierung bieten die Chance, dass Menschen arbeiten, um ihr Leben selbst zu gestalten – nicht bloß leben, um zu arbeiten. Darum bin ich für die individuelle Gestaltung individueller Arbeitszeiten und Lebensphasen.

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Gern geschehen!
Nach über 20 Jahren Kultur- und Medienarbeit in Bremen und Berlin sitze ich seit 2011 für die Grünen im Bremer Parlament, zuständig für Bau und Stadtentwicklung, Kultur- und Medienpolitik. Das Riesenpuzzle Bremen erschließt sich mir als ein komplexes Geflecht aus Interessen, Anliegen, Bedürfnissen und Ideen. Ich möchte weiter helfen, die zusammenzubringen – aus allen Stadtteilen und Quartieren. Politik ist ja kein „Wünsch Dir was“: Wir arbeiten auch für alle, die nicht laut ihr Anliegen einfordern. Dabei muss auch Neues Platz und Stimme finden.

Ich bin‘s:
Ich bin im Viertel und in der Neustadt zuhause und lebe hier mit meiner Frau und meiner kleinen Tochter. Nach dem Abschied aus dem kulturellen Schaffen steht demnächst vielleicht die Gründung einer kleinen Ideen- Agentur mit Buchladen, Kaffee und Kuchen an.

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Darf‘s ein bisschen mehr sein?
Nicht für alle Ideen gibt‘s schon Mehrheiten. Aber: Lasst uns weiter über ein bedingungsloses Grundeinkommen nachdenken und über fahrscheinlosen, abgabefinanzierten öffentlichen Nahverkehr diskutieren! Lasst uns Logistik und Lieferverkehre der Stadt neu denken, autofreie Quartiere erproben! Ich bin neugierig auf die Innovationskraft privater Schulen, der Kulturwirtschaft und neuer, internationaler MitbürgerInnen in Bremen. Ein freies Internet kann keins der Wirtschaft sein. Die Welt verändert sich rasant. Es wäre dumm, nicht mit nachzudenken, wie das gehen soll. Ganz klar grün.

Fragen? Fragen!
An Ihrer Haustür klingele ich nicht. Wenn Sie mehr von mir wissen wollen – hier freue mich auf Ihre Fragen und Ideen:
www.abgeordnetenwatch.de/profile/carsten-werner
www.facebook.de/cwerg
www.twitter.de/cwergHB
carsten.werner@gruene-bremen.de
www.carstenwerner.de

Das gesamte grüne Wahlprogramm finden Sie hier.

#bremenlernt … von Jan Gehl

In Ideenwirtschaft, Stadt, Welt on 5. März 2015 at 19:07

Wie die Cappucinokultur die Stadtentwicklung prägt.

Wie Menschen ab dem 5. Stock aufwärts den Blick, den Zugang und die Lust auf Straßen- und Stadtleben verlieren.

Warum eine gute Verkehrsplanung wie ein Babyboom aussieht.

Warum ein guter Kultursenator sich für Städtebau, öffentliche Räume  und Verkehr interessieren muss.

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Warum wir alle mehr Italien spielen sollten.

Warum eine sensible, genaue Stadt-Wahrnehmung und Daten, Gutachten, Untersuchungen die Grundlage für Stadt-Planung und gutes Stadt-Leben sind.

Warum wir dafür radikalen Willen und spürbare Maßnahmen brauchen.

Warum Tunnel so 80er, Brücken unpraktisch sind – und wie man mit Rücksicht und Umsicht trotzdem über die Straße und durch geteilte Verkehrsräume kommt.

Das alles und noch viel mehr haben wir von Jan Gehl gelernt, der uns für einen Tag in Bremen besucht und uns seine Ideen für eine menschengerechte Stadtentwicklung nahegebracht hat – für die der Mensch der Maßstab ist und nicht das Auto.

 

Habt Ihr verpasst? – Das lässt sich reparieren. Dafür gibt es ja gute Lokalpresse,   gute Magazine,   gute Buchhandlungen und  gute Netzwerke!

 

Danach ist klar:

Dass die besten Ideen und Inspirationen und die besten Claims von Einzelnen kommen – von Kindern und alten Menschen, von Studierenden und Künstlern, von irgendwie Betroffenen oder Interessierten, aus den Initiativen und den NGOs, in Familien, Unis, Teams und Communities.

Dass Verkehr durch die Stadträume wie Wasser fließt – wo kein Platz dafür ist, zieht er sich zurück.

Dass die Menschen trotzdem und gerade in die Citys kommen.

Dass man gegen städtebauliche Sünden der Vergangenheit nicht auf Erdbeben oder Gewalt warten darf – sondern Ideen und Geld zusammenlegen muss.

Dass Bremens Carsharing „world famous“ ist.

 

Es war uns eine Ehre und ein Vergnügen, Jan Gehl!

 

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Digitalpolitik ist kein Orchideenfach – was lernen wir von den Piraten?

In Ideenwirtschaft, Politik, Welt on 26. September 2014 at 19:20

Ich meine, dass angesichts der Austritte und Auseinandersetzungen in der Piratenpartei Schadenfreude oder Erleichterung über die Selbsterledigung einer politischen Konkurrenz völlig fehl am Platz sind.

Da zerlegt sich eine Bewegung, die versuchen wollte, die digitalisierte und entsprechend globalisierte Gesellschaft sozial und fair zu zivilisieren, in strukturellem und machtpolitischem Kleinklein. Das ist traurig für die Akteure – schade und ärgerlich vor allem aber für die politische und parlamentarische Arbeit zu Themen der digitalen Revolution und die gesellschaftliche Entwicklung mit digitalen Instrumenten.

Denn die Themen fallen nicht weg und die Herausforderungen lösen sich nicht auf, weil die Piraten sich in Posten- und Richtungsstreits und analogen Regularien aufreiben und verzetteln. Es wäre fatal, wenn unsere Auseinandersetzung mit digitalen Themen – und welches Thema hat heute keine digitalen Aspekte mehr? – jetzt nur noch von den Handreichungen, Leitfäden, Einladungen und Reklameschriften befeuert würde, die Tag für Tag von Google, Facebook, Wikimedia und den Verbänden der privaten Medien und der Internetwirtschaft auf uns Abgeordnete einprasseln. Denn das Internet ist mehr als ein Geschäft. Und Werbung ist ein schlechter Ratgeber.

Was aber bedeutet die Digitalisierung für den Arbeitsmarkt, für den Energieverbrauch, für die Entwicklung unserer Städte, wie prägt Digitalisierung die Kulturen und die Mobilität der Menschen weltweit? Das sind Fragen, die uns nicht die großen globalen Technologie- und Medienkonzerne stellen oder beantworten wollen und müssen. Wie künftig Teilhabe als Voraussetzung von Demokratie funktioniert, wie Menschen sich künftig begegnen und austauschen – das sind politische, gesellschaftliche Fragen.

Sie stellen sich uns in der Zeit einer #GroKo-Bundesregierung, für die das höchste der Gefühle ein funktionierendes W-LAN in ausgewählten Eisenbahnen und ein Leistungsschutzrecht sind, das nicht einmal dessen Auftraggebern – den großen Verlagen, die es allesamt nicht in Anspruch nehmen – taugt. Die juristische Konstruktion der Störerhaftung, die technisch längst mögliches und außerhalb Deutschlands übliches freies W-LAN in der Öffentlichkeit verhindert, will das Bundeswirtschaftsministerium jetzt ausschließlich für kommerzielle Anbieter abschwächen. Eine Reform der Urheberrechte zur rechtssicheren zeitgemäßen Anwendung lässt seit Jahren auf sich warten. Privatmenschen bleiben bei all diesen halbgaren, uneindeutigen Teil- und Scheinlösungen weiter billiges Anwaltsfutter. Die #GroKo blockiert weiter eine neue europäische Datenschutzrichtlinie. Sie wagt weder eine Definition noch eine gesetzliche Sicherung der Netzneutralität und leistet damit Drossel-Tarifen und vor allem der technischen Bevorzugung bestimmter Inhalte immer weiter Vorschub.

Und das sind „nur“ die technischen Aspekte der Digitalisierung. Individualisierten und zugleich global vernetzen Wirtschaftsformen des Sharings – vom Couchsurfing und Carsharing über airbnb bis zum Autofahrtenanbieter Uber – wird man mittelfristig nicht mit Verboten und dem Arbeitsrecht des vergangenen Jahrhunderts begegnen können. Dass neue Wirtschaftsmodelle und -angebote alte Produkte und Produktionsformen ablösen, ist logische Wirtschaftsentwicklung. Dass dabei Kriminalisierung kein erfolgversprechender Weg ist, haben die Musik- und die Filmindustrie leidvoll erfahren. Dass rein kommerzielle Lösungen nicht der einzig sinnvoll Weg sein müssen, muss man doch zumindest in Erwägung ziehen!

CDU und SPD betreiben Digitalthemen als Klientelpolitik. Die digitalenMöglichkeiten bieten aber – immer noch – riesige gesamtgesellschaftliche Chancen für Teilhabe und freie Meinungsäußerung und kulturelles Schaffen. Sie stellen nicht nur die Wirtschaft vor Herausforderungen, sondern auch etablierte Angebote des Gemeinwohls und der Daseinsvorsorge: von der Informationsfreiheit über den Gesundheitsbereich bis zu den Bibliotheken und Bürgerhäusern. Die Digitalisierung verändert unsere Gesellschaft rasant – bis tief ins Privatleben und in die sozialen Gefüge unserer Gesellschaft. Die Bundesregierung verweigert diese Erkenntnis. Analoge Politik reicht im digitalen Zeitalter nicht mehr aus.

Dass Digitalpolitik kein Nebenaspekt oder Orchideenfach ist, sondern in allen Politik- und Lebensbereichen nötig ist, das haben die Piraten gewusst und gelebt. Ich bin deshalb für einen offenen Dialog mit ehemaligen Piraten, ihren Communities und Szenen: Wir könnten viel von ihnen lernen und einiges mit ihnen erreichen!

„Wirtschaftswachstum ist nicht das Maß der Dinge – neue Indikatoren für Wohlstand und Lebensqualität“

In Politik, wörtlich!, Welt on 5. Juni 2013 at 18:42

(M)ein(e) paar Argumente für das Grüne Wahlprogramm-Schlüsselprojekt Nr. 5:

„Mein Projekt“: Nr. 05 – „Wirtschaftswachstum ist nicht das Maß der Dinge – neue Indikatoren für Wohlstand und Lebensqualität“

Wirtschaftswachstum ist nicht das Maß aller Dinge und das Maß von Wohlstand – wir wollen neue Indikatoren und Maßstäbe für Wohlstand und für Lebensqualität in die Politik und ins staatliche Tun bringen. Bisher ist der Maßstab dafür das Bruttoinlandsprodukt – das steigt aber auch durch Umweltverschmutzung, Unfälle, Krankheiten und Umweltkatastrophen und deren Beseitigung.

Ich finde, dass Politik noch viel mehr auch immaterielle Werte zum Maßstab von staatlichem Handeln machen muss. Dabei und dazu muss man gesellschaftliche Realitäten anerkennen. Die zu sehen und wertzuschätzen, wären schon ein wichtiger Schritt in Richtung neuer Kriterien für Lebensqualität. Das gilt von der Mehrstaatigkeit bis zur Homoehe, in der Familienpolitik und auch für die Arbeitswelt:

Die Welt ist viel bunter und vielfältiger, als das viele Gesetze und Vorschriften und auch die Besetzung vieler Gremien vorsehen. Individuelle Lebensformen und individuelle Arten, zu arbeiten oder zu wohnen, Aus- und Freizeiten zu nutzen  – Vieles  hat sich in den letzten Jahren und Jahrzehnten verändert im Zusammenleben und in der Zusammensetzung unserer Gesellschaft. Deutschland ist eine Einwanderungsgesellschaft, eine moderne und bunte, vielfältige, kreative Gesellschaft.

Wir müssen raus aus den vielen Parallelwelten , müssen Nachbarschaft und Stadt gemeinsam leben und entwickeln. Freiheit muss nicht immer die Freiheit VON sein – Freiheit ist vor allem auch die Freiheit ZU … – gestaltetem Leben, zu Selbstvertrauen und Selbstbewusstsein, Freiheit zur Gestaltung und Wahrnehmung.

Deshalb ist uns Grünen eine Beteiligungskultur nicht nur im politischen Bereich wichtig, sondern im ganzen Stadtleben, in der sozialen Verantwortung, in der Entwicklung unseres Gemeinwesens, in der wirtschaftlichen Teilhabe. Was und wer „gesellschaftlich relevant“ ist, wie das immer etwas technokratisch heißt, müssen wir neu verhandeln und ständig aktualisieren.

Wenn wir Vielfalt und Indiviualität als Wert verstehen und zur Grundlage von Politik machen, dann ergibt sich daraus ein Mehrwert an Möglichkeiten, an Erfahrungen und Kompetenz für alle Lebensbereiche – und auch andere, weitere Maßstäbe für Wohlstand:

–         Eine lebenswerte Umwelt  – der Stadtraum, der einlädt zum Verweilen und zum Austausch, intakte und gesunde Grünräume, saubere Luft, bezahlbares Wasser: Alles das ist Wohlstand! Und der ökologische Fußabdruck ist so messbar wie das alte Bruttoinlandsprodukt.

–         Zeit muss für die Politik eine wichtigere Rolle spielen: Zeit, die gutes Leben ausmacht: Zeit für die Familie, Zeit für Muße und Innovationen, Zeit für Kultur und Gefühle, Zeit für Nachbarn und Mitmenschen – Zeit für Wahrnehmung. Auch Zeit ist sehr einfach messbar.

–         Vielfalt und Diversität, Austausch und Interaktion sind in der Wirtschaft, im sozialen und kulturellen Bereich genau so wichtig für Entwicklungen und Innovationen, wie sie wichtig für Umwelt und Evolution sind – bunt sind nicht nur Werbung und Konsum.

–         Und Konsum muss nicht nur Shopping und Verbrauch sein – Konsum ist auch der Genuss von gutem Essen, von Musik und Filmen und Literatur: Auch den kann man messen – in Wissen, in Gesundheit, in Zeit.

–         Wissen und Kreativität sind wichtige, unbegrenzte und erweiterbare Ressourcen einer freien und freiheitlichen Gesellschaft – Geld ist dafür nur eine von vielen Maßeinheiten.

In allen diesen Bereichen ist das Wachstumspotential riesig – und der Wohlfühlfaktor, der subjektive und individuelle Wohlstand, effektive Lebensqualität sind gar nicht so schwierig zu erreichen; wenn wir sie wahrnehmen, sie auch politisch und ökonomisch anerkennen – sie möglich machen und wirken lassen.

Deshalb bin ich für eine Nachhaltigkeitsberichterstattung in Wirtschaft und Gesellschaft, für soziale und ökologische Kennzahlen, für soziale und kulturelle Parameter bei der Bemessung wirtschaftlicher und gesellschaftlicher Erfolge und Entwicklungen.

… und dazu gibt es natürlich noch ein paar mehr Projekte, die mir am Herzen liegen:


Ein vorauseilender Sommernachtstraum: Bremen 2022

In Ideenwirtschaft, Politik, Stadt, Welt on 3. Dezember 2012 at 10:00

Für die Bremer Grünen verfassen Mitglieder jeden Freitag einen Meinungsbeitrag. Im Sommer haben wir uns Gedanken gemacht, wie die Zukunft unserer Stadt aussehen könnte, für die wir arbeiten – Grüne Denkanstöße zur Diskussion und Verständigung.

 

Hier mein vorauseilender Sommernachtstraum: Bremen 2022 – kreative, soziale Stadt der Ideen!?

Auch viele grüne Kollegen haben sich sommerliche Gedanken gemacht:

Robert Bücking meint: Der Geist der Bürgerbeteiligung ist aus der Flasche. Den bekommt man da auch nicht wieder rein. BürgerInnen wollen mitreden, machen sich schlau, machen Druck, definieren ihre Ziele und Interessen, an allen Ecken und Enden der Stadt. Wie geht es damit weiter?

Hermann Kuhn fällt auf, dass Wünsche und Träume und gute Absichten ziemlich selten durch Politik machbar und beeinflussbar sind. Deshalb: eine Mahnung zur Bescheidenheit – und Ideen für 2020.

Kirsten Kappert-Gonther: Bremen ist reich, Bremen und Bremerhaven sind reich an der Vielfalt der Menschen, ihrer unterschiedlichsten Vorstellungen, Wünsche und Bedürfnisse, ihrer unterschiedlichen Herkunft, ihres unterschiedlichen Glaubens, ihrer unterschiedlichen Fähigkeiten.

Joachim Lohses grüne Visionen und Fakten für Bremen: Klimaschutz, Wohnungsangebote sowie bessere und nachhaltige Verkehrsbedingungen für alle Verkehrsteilnehmer.

Zahra Mohammadzadeh über den Anfang der Menschwerdung, an dem wir noch stehen – ein Augenblick in Millionen Jahren Evolution.

Michael „Pelle“ Pelster über Gesche und Roland im Jahr 2020 – und was bis dahin zu tun ist.

… und jeden Freitag gibt es eine neue grüne „Meinung am Freitag“.

 

Ein vorauseilender Sommernachtstraum: Bremen 2022 – kreative, soziale Stadt der Ideen!?

Bremen hat sich seiner Eigenheiten besonnen und lockt mit seinem Stadtmarketing Besucher, die sich für die Soziale Stadt, eine Stadt diversifizierter Quartiere und Communities interessieren, die im Austausch und Ideenstreit miteinander den Stadtstaat als Experimentier- und vor allem Erkenntnislabor für die überall wachsenden Städte in Deutschland entwickeln: Bremen ist als erste deutsche Großstadt „European Transition Town“ die unter dem Motto „Stadt der Ideen“ Wert auf regionale und lokale Versorgung, eigenständige und sublokale Entwicklung legt. Bremens tradiertes Image und Selbstverständnis als tolerante, soziale und kreative Stadt mit hoher Lebensqualiät und ökologischem Anspruch war dafür eine ebenso wichtige Voraussetzung wie die Erklärung aller Bundesländer und der Bundesregierung zur Eigenständigkeit und Entschuldung Bremens von 2020.

Dafür hat Bremen schon Jahre zuvor die Weichen gestellt und gute Voraussetzungen geschaffen: In der City wird wieder gewohnt und gelebt. Arbeiten und Wohnen gehören wieder zusammen. Eine kleinteilige, konkrete Stadtentwicklung zur sozialen Durchmischung des Wohnens und Arbeitens, aber auch des kulturellen und gesellschaftlichen Lebens wirkt sich auf alle sozialen Bereiche, aber auch auf die Inhalte der wissenschaftlichen, kulturellen und medialen Angebote aus. Teilhabe ist kein fernes politisches Ziel und kein weitgehend undefiniertes politisches Projektionsfeld mehr, sondern gelebte Erfahrung und Verantwortung. So gewinnen Visionäre, WissenschaftlerInnen, KünstlerInnen und kreative UnternehmerInnen zunehmend Einfluss auf Politik und die städtische Entwicklung: Sie bilden neue Träger und übernehmen gesellschaftliche Aufgaben. BürgerInnen und IdeeninvestorInnen entwickeln Quartiere, erkennen und planen Veränderungen für ihre Stadtteile, schaffen Öffentlichkeit, entwickeln ihre Räume und Gebäude, ihre sozialen Einrichtungen und ihre Natur. Brachen sind keine Problemzonen, sondern eröffnen neue Möglichkeiten.

Die Bremische Bürgerschaft hatte dazu 2015 ein umfangreiches Genossenschafts-Förderprogramm beschlossen. Im Bremer Parlament sitzt inzwischen auf jedem 5. Platz ein Mensch mit familiären oder frischen, konkreten Erfahrungen, die wir 2012 noch als „Migrationshintergrund“ bezeichnet haben – auf jedem 10. Sitz haben KünstlerInnen, PhilosophInnen und Kreative Platz und Stimme gefunden. Das Senatsressort für Stadtentwicklung ist längst auch für Kultur, für Stadtmarketing und Tourismus zuständig.

Aus dem ehemaligen Bürgerrundfunk und dem ehemaligen Stadtportal „bremen.de“ war 2015 ein öffentlich-rechtliches Stadtmedium geworden, in dem Kinder, Lehrende und Lernende, Kreative und WissenschaftlerInnen, Bürgerredaktionen und Alltagspezialisten aller Quartiere und Disziplinen Bremens sich gegenseitig informieren, beraten und gemeinsam Bremens Ideenreichtum und Bremens Entwicklungskraft darstellen und im Diskurs weiter entwickeln – 2022 bekam „Bremen Live“ dafür den Grimme-Preis und einen Echo. Die offen und jederzeit sichtbaren Ideen der BremerInnen und Bremer haben auch das lokale Tageszeitungsmonopol radikal verändert: Der Weser-Kurier erreicht weiter fast jeden Haushalt – als populäre Wochenzeitung, die sich mit relevanten Ideen beschäftigt, mit viel journalistischer Energie und Neugier tiefer Analyse, Aufklärung, Teilhabe und Zukunftsideen widmet, mit den Bremern und ihren Gästen Haltungen, Gemeinwesen, Heimat und Zugehörigkeit entwickelt. Nachrichten empfängt man per Internet und Digitalrundfunk.

Die Quartiere und die Bremer City können frei von Autos befahren werden – der Autoverkehr ist aber aufgrund der guten Nahversorgung und der hohen Anschaffungs- und Betriebskosten radikal zurückgegangen und wird immer weniger als Bedrohung für andere Verkehrsteilnehmer und das Stadtbild empfunden. Carsharing ist das Mittel der Wahl, die Bremer Straßenbahnen haben Lasten-Abstellflächen und Leih-Lastenfahrräder gibt es wie alle anderen Fahrradtypen an vielen Stellen der Stadt unkompliziert „to go“ … Rollatoren, Skater und Kinderwagen gehören als Verkehrsteilnehmer zum Stadtbild, Fußgänger und Fahrräder werden immer mehr zum Maßstab der Straßengestaltung.

Die Bebauung des Rembertiviertels hat sich aufgrund der vielfältigen Ansprüche der genossenschaftlich organisierten Baugruppen verzögert und soll jetzt im Sommer nächsten Jahres als autofreies Cityquartier eröffnet werden. Die Hochstraße wird nun doch nicht abgerissen, weil eine Bürgerinitiative sich erfolgreich für den Erhalt der seit ihrer Stilllegung entstehenden und durch Guerillagärtnerei intensivierte Vegetation eingesetzt hat: Der Bürgerparkverein hat sich im Rahmen der Bewerbung als „Transition Town“ bereit erklärt, diesen grünen Park-Streifen in der Bahnhofsvorstadt zu pflegen und ökologisch weiter zu entwickeln. Dazu hat er mit interessierten Bürgern ebenfalls eine Genossenschaft gegründet. Verantwortung entsteht in Bremen zunehmend auch aus Teilhabe – am gesellschaftlichen Wirken, aber auch an Eigentum.

Oberneuland hat sich zur angesagten Künstler- und Familienkolonie im Grünen entwickelt, die 2015 aus der „Entwicklungsagentur West“ hervorgegangene Investitionsgesellschaft für den Bremer Westen feiert unter dem Label „Reicher Westen“ den erfolgreichen Abschluss der städtebaulichen Sanierung – neben anderem mit einem „Theater der Kulturen und Religionen“ im ehemaligen Waldau-Theater, mit konfessionell und sprachlich, kreativ und sportlich spezialisierten Ganztagsschul-Profilen. Die Überseestadt ist durch einen Rückbau der Nordstraße an Walle herangerückt. Architektonisch macht Bremen seit einigen Jahren durch eine kleinteilige und flexibel nutzbare, einfache Architektur auf sich aufmerksam, in familiäre Wohneinheiten und Single-Wohnen, generationengerechtes und -übergreifendes Wohnen und Arbeiten miteinander vielfältig und variabel kombiniert werden können – der Senat hatte dazu unter international renommierten Architekten Wettbewerb zur Neuerfindung des Typus „Bremer Haus“ ausgeschrieben und zehn Modelle prämiert sowie Bauinteressenten zur Nachahmung empfohlen und freigegeben.

Die Mobilität des Reisens ist deutlich teurer geworden – insofern gilt es für touristisch geprägte Städte und Regionen, sich für längere, mehrwöchige Aufenthalte interessant und erlebenswert zu machen. Am 1. Januar hat das erste sozialwissenschaftliche Science Center mit Lern-, Spiel- und Experimentierangeboten zu Toleranz, Nachbarschaft und Streitkulturen eröffnet, ebenfalls noch in diesem Jahr soll in einem zweiten Modul ein populärwissenschaftliches Institut Programmangebote zu den Themen Angst und Sorge, Mut und Courage machen. Das Universum widmet sich in einer komplett neuen Sonderausstellung den international ausgerichteten Themenkomplexen Mobilität, Migration und Kulturen des Teilens – in einer Public Private Partnership mit dem aus Übersee- und Fockemuseum fusionierten Historischen Museum Bremen. Dessen Museen werden sukzessive um zahlreiche Außenstellen erweitert: Das Konzept „Erinnerung im Leben“ sieht den Erhalt und die Bespielung oder wirtschaftliche Nutzung von denkmalgeschützten Gebäuden und Inneneinrichtungen vor. Der Bunker Valentin entwickelt als zentrale Gedenk- und Erinnerungsstätte mit einer innovativen multimedialen Bespielung und Stipendienprogrammen für junge AutorInnen und BildkünstlerInnen Kriterien und Formate für Erinnerung und Gedenken der Generationen nach dem Ableben der letzten Zeitzeugen.

2030 soll die 222. Weltmeisterschaft in Bremen stattfinden – nach bis dahin 221 Randsportarten die 1. Weltmeisterschaft der nun boomenden Funsportarten. Ebenfalls für 2030 wird mit Botanica, Bürgerpark, der Wümmeniederung, Hollerland, Hemelinger Marsch und dem neuen Naturschutzgebiet Unisee sowie einigen kleineren, sublokalen Naturerlebnisräumen eine Bundesgartenschau als Großstadt der regionalen und städtischen Artenvielfalt von Pflanzen und Tieren geplant. Denn gesundes, regionales Essen und gesundes (Stadt)leben sind längst ein touristisch relevanter Faktor geworden.

Die Kreativwirtschaft ist zum wesentlichen Standortmerkmal des produzierenden Gewerbes, Handwerks und auch des Handels geworden: Fahrradwirtschaft, Mode, Souvenirs, Kunsthandwerk sind inzwischen Reiseanlässe für Bremen-Besucher. Die Kreativwirtschaftsförderung hat Bremen mit offenen Werkstätten für alte und neue Produktionstechniken in Kunst und Handwerk – hervorgegangen aus der Neuaufstellung von Fockemuseum, Städtischer Galerie, Designzentrum, Güterbahnhof und Schwankhalle – zu einem Hotspot auch reisender Kreativer im nationalen und internationalen Kulturaustausch gemacht, die als Gäste neben deren technischen Möglichkeiten auch temporäre Ateliers nutzen können. Die ehemalige „Hochschule für Künste“ wird gerade zur „Schule der Improvisation“, hat einen neuen Lehrstuhl für Zeitpolitik und bietet auch Aus-, Fort- und Weiterbildungen außerhalb der Hochschul-Studiengänge für verschiedene Branchen der Kreativwirtschaft an. Das Klaus-Kuhncke-Archiv, das Studienzentrum für Künstlerpublikationen und das Tanzfilminstitut sind unter dem Dach der Hochschule zum Institut für kulturelle Dokumentation fusioniert, das für acht Jahre vom Google-Konzern aus dessen Gewinnen aus der Facebook-Übernahme finanziert wird. Radio Bremen hat von der ARD den Auftrag und die Finanzierung zugesagt bekommen, als Modell- und Referenzprojekt des Senderverbundes gemeinsam mit der Stadtbibliothek sowie Partner aus der Verlags- und der Filmbranche ein öffentlich-rechtliches On-Demand-Portal für Wissen und Kultur zu entwickeln. Open Airs und Festivals bespielen schon seit einigen Jahren die Stadträume nicht nur der City alljährlich von Juli bis September durchgehend mit Kultur „umsonst und draußen“ – der Bremer Kultursommer lockt immer mehr Touristen in die Stadt, die Hotels sind in dieser Zeit oft ausgebucht und temporäres Wohnen im Grünen, auf dem Wasser und in Zwischennutzungen werden auch von Touristen immer stärker nachgefragt. Das ehemalige DDR-Fischfang-Motorschiff „Stubnitz“ pendelt immer noch einmal jährlich zwischen London und Bremen im Dienste des kreativen Ex- und Imports und als Schaufenster der kreativen Branche. Die Bremische Landesvertretung in Berlin veranstaltet schon seit 2015 jährlich im Frühling ein Kulturfestival „made in Bremen“ in der deutschen Hauptstadt.

Alle Zuwendungsempfänger Bremens sind aufgefordert, Bildungs- und Freizeitangebote für Kinder und Jugendliche in ihren Betrieb zu integrieren – jede Grünanlage, jede Kultureinrichtung, jeder Sozialträger bieten Beschäftigung und Bildung für junge Menschen. Denn die Übergänge zwischen Kindergarten, Schulen und weiterer Ausbildung werden fließender. Die demografischen Veränderungen prägen die Bildungslandschaft transkulturell und generationenübergreifend: Gruppenstärken schrumpfen, Betreuungsquoten steigen, Alte und Junge lernen und arbeiten zunehmend voneinander und gemeinsam. Berufliche Bildung wird sich im Schnitt alle 10-12 Jahre grundsätzlich erneuern müssen. Die durchschnittliche Wochenarbeitszeit sinkt deutlich unter 30 Stunden. Grüne Bundesministerinnen fordern vehement die inführung eines bedingungslosen Grundeinkommens.

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Zur Orientierung: Ein Blick zurück von vorn, 2012:

In den vergangenen 5 Jahren
– ist Radio Bremen in die City gezogen und hat sich als trimediales Funkhaus neu erfunden.
– ist Bremen nicht Kulturhauptstadt Europas geworden, sich aber seiner Kraft als Kulturstadt bewusst geworden.
– ist Bremen bei jungen Menschen eines der beliebtesten deutschen Reiseziele geworden.
– ist Osterholz-Tenever vom prekärsten Stadtteil Bremens zu einer sehr gefragten, lebenswerten Hochhaussiedlung mit einer der besten Schulen Deutschlands geworden.

In den vergangenen 10 Jahren
– ist die neue Überseestadt entstanden
– der Spacepark entstanden, gescheitert und von der „Waterfront“ beerbt worden.
– hat Radio Bremen einen Großteil seiner bis Ende der 90er zur Verfügung stehenden Mittel verloren.
– hatte Bremen das erste deutsche Science-Center
In den vergangenen 20 Jahren
– hat Bremen die Werftenpleiten erlebt.
– hat sich Bremen als „Stadt am Fluss“ entwickelt, die Schlachte etabliert und das Stadtleben wieder dem Fluss zugewandt.
– sind in Bremen ca. 20 Kultureinrichtungen und alle Kulturfestivals entstanden.
– haben Computer und Internet Einzug ins alltägliche und kulturelle Leben gehalten.
– war Radio Bremen die wichtigste deutsche Ideen- und Talentschmiede der Fernsehunterhaltung und des Lokalfernsehens.
– ist Bremen zum wichtigen Ziel des klassischen Städtetourismus v.a. für ältere Menschen geworden.

Ein bisschen was geht immer!

Was wir dazu brauchen?
– Eine gerechte Steuerverteilung und einen guten Länderfinanzausgleich.
– klare soziale Ansprüche.
– Partner ohne Angst vor Veränderungen, Ideen und auch mal Experimenten.
– Vertrauen in die nachwachsenden Generationen und ihr Innovationspotential – auch als Träger gesellschaftlicher Aufgaben.
– Vertrauen in Wissenschaft und Kunst.
– Verständnis für Veränderungsängste, Respekt, Akzeptanz und Realismus: Zeitgenossenschaft.
– Neugier.
– Glück.

Bremen ist erneuerbar.

„Stadt am Fluss“ weiter entwickeln!

In Politik, Stadt, wörtlich! on 19. Oktober 2012 at 12:10

Die Weser ist die historische Lebensader des Landes Bremen – für die Wirtschaft, für Touristinnen und Touristen, für Bremerinnen und Bremer bis heute. Die Nutzung des Flusses und seiner Ufer hat sich in den vergangenen Jahren deutlich erweitert: Dominierten lange Hafenumschlag, Industrie und Verkehr die Uferregionen, hat sich inzwischen eine Vielfalt weiterer urbaner Nutzungen entwickelt und die Weser wurde auch als Naturraum wiederbelebt. In den vergangenen 25 Jahren fand ein grundlegender Wandel an der Bremer Weser statt: Die Stadt ist näher an den Fluss „herangerückt“, wobei in Bremen neben der Weser noch weitere, die Stadtlandschaft prägenden Flüsse wie beispielsweise die Lesum und die Ochtum als Potenziale im Sinne von „Stadt am Fluss land- und wasserseitig weiterentwickeln“ einbezogen werden können. Wir haben den Senat gebeten, zu erläutern, wie diese Entwicklung gestärkt und fortgesetzt werden kann.

Der Antrag von SPD und Grünen „Stadt am Fluss land- und wasserseitig weiterentwickeln“ aus dem Januar 2012,  dazu die Antwort des Senats vom 4. September 2012 – und hier meine Rede dazu:

Sehr geehrter Herr Präsident, sehr geehrte Damen und Herren, werte Kolleginnen und Kollegen!

An der Weser wird gebaut, gelebt, die Freizeit und Natur genossen – und an der Weser entstehen Bilder von Bremen, die dem Image der Stadt zuträglich sind: Wir freuen uns über die eindrucksvolle Vielzahl der Facetten und Projekte entlang der Weser.

An den in den vergangenen fünf Jahren entstandenen Stränden und Renaturierungsmaßnahmen gehen Ökologie und Naherholung Hand in Hand perfekt zusammen: Das Wasser ist für die Menschen sichtbar und auch erreichbar und weitgehend ungestörte Natur wechselt sich am Ufer mit sportlichen und wirtschaftlichen Nutzungen ab. Dazu begrüßen wir auch, dass bei Naturschutz-Kompensationsmaßnahmen in Zukunft noch verstärkt auch auf die Zugänglichkeit und Erlebbarkeit der Natur geachtet werden soll.

Bis nächstes Jahr werden die EU und Bremen für die Entwicklung der „Lebensader Weser“ über 5 Millionen Euro investiert haben – die sich für die Natur, für die Lebensqualität, für das Image Bremens nach unserer Überzeugung mehr als lohnen. – Und wir hoffen, dass das Programm auch ab 2014 weiter fortgesetzt werden kann.

Auch am Segelhafen am Weserstadion und rund um das Weserwehr werden wir dieses Zusammenspiel von Natur und Freizeit wahrscheinlich schon im nächsten Jahr erleben können. Und wir wollen auch, dass das BWK-Gelände sich zur Weser öffnet und dass der Weserradweg zügig vervollständigt wird.

Und zur Mobilität am Wasser gehört dann natürlich auch die auf dem Wasser, übers Wasser: Die Verbindung von Stadtteilen links und rechts der Weser und entlang der Weser per Schiff sollen ausgebaut werden und dass dafür sogar Verknüpfungen mit dem ÖPNV getestet und geprüft werden, finde ich für die Bevölkerung an der Weser wie für Besucher aus dem Umland und Touristen gleichermaßen interessant.

Wenn wir, meine Damen und Herren, diese Entwicklungen alle haben und hier loben – dann finde ich allerdings, dass wir uns zum Marketing noch ein paar weitergehende Gedanken machen müssen: Es ist vieles da, ist ist viel selbst für uns Bremer noch zu entdecken – das listet die Antwort des Senats ganz eindrucksvoll auf. Es fehlt aber, finde ich, noch ein bisschen der rote, oder sagen wir hier: der wasserblaue Faden, an dem wir und vor allem Bremen-Besucher erkennen können, was an und mit der Weser alles zu erleben ist.

Ich finde deshalb, wir sollten uns überlegen, wie sich die Orte und Angebote gebündelt kommunizieren lassen, noch eindrucksvoller zu einem Image verbinden lassen,  statt sie nur einzeln und „zielgruppenorientiert“ zu vermarkten, wie es in der Antwort heißt.

Ließen sich nicht etwa das Festival Maritim und die Breminale und andere Aktivitäten am Wasser zumindest kommunikativ enger verknüpfen? Ließen sich nicht die alten und neuen Zugänge zur Weser, die Erlebnisräume, die Gastro- und Kulturschiffe und Fähren und die Bauten am Fluss gemeinsam darstellen? Schaffen wir vielleicht, mittelfristig alle Aktivitäten – die kulturellen, die ökologischen, die verkehrlichen – zu einem großen, langen, Weser-Festivalsommer zusammenzubinden?

Ich war ein bisschen erstaunt, dass der vom Stadtmarketing kreierte Begriff „Weserwelten“ in der ganzen Senatsantwort nicht einmal vorkommt. Wobei ich auch das jetzt 25 Jahre lang schon entwickelte und gehegte Label „Stadt am Fluss“ vielleicht fast noch eingängiger und sympathischer finde.

Gespannt bin ich auf das „über mehrere Jahre hinweg kontinuierlich stattfindende Kunstprojekt im öffentlichen Raum auf der Schlachte-Verlängerung in die Überseestadt“ – das ist ja jetzt schon in mehreren Vorlagen und Antworten des Senats angekündigt worden. Die Grünen würden es sehr begrüßen, wenn auch die Kulturszene, Bremens Künstler und die Kreativwirtschaft schon an dessen Entwicklung beteiligt würden!

So entstehen ja die nachhaltigsten Ideen im kreativen Bereich und auch lukrative Synergien zwischen den Guten, die wir in der Stadt schon haben und dem Guten, das dazu noch neu entstehen soll!

Und lassen Sie uns dabei bitte auch über die Schlachte hinaus gucken: Der Weser-Kurier ja gerade eine schöne Serie über das „Kulturufer Neustadt“ gemacht, über die vielen Kultureinrichtungen, die da direkt an der Weser und an der Kleinen Weser liegen. Und wir sollten auch die großartigen kreativen Ideen für die Gedenkstätte Bunker Valentin weiter verfolgen – und realisieren.

Die Insel Harriersand eignet sich hervorragend  für Sommerprojekte der Kultur und der Kreativwirtschaft. Gerade in diesem Sommer sind mit der „Golden City“-Stadtrundfahrt, der kreativen und auch sozialpolitisch interessanten Zwischennutzung des BWK-Geländes in Blumenthal durch die ZwischenZeitZentrale und dem Gastspiel des Motorschiff Stubnitz, das aus Rostock kam und dann nach London weiter gefahren ist, sind an der Überseestadt Formate entstanden, die wir Grünen gerne weiter entwickelt sehen wollen und die für Leben und Kultur am und auf dem Wasser stehen.

Und warum sollten gerade die temporären und die mobilen Projekte sich nicht auch einmal entlang der Weser bewegen und wandern?

Ich würde mich freuen, wenn es uns gelingt, die vielen Einzelaspekte der Senatsantwort – dazu gehören auch die Entwicklungen  zum Wohnen am und auf dem Wasser,  und auch alle nicht in der Antwort auftauchenden Ideen und Projekte –  zu einem Bild von der „Stadt am Fluss“ zu verdichten: Das finde ich eine lohnenswerte, zentrale Aufgabe fürs Stadtmarketing.

Und die Weser zugänglich zu machen für alle – bei frei zugänglichen Ufern, aber auch eintrittsfreien Kulturangeboten – das ist selbstverständlich eine soziale Frage, eie Aufgabe sozialer Stadtentwicklung.

Herzlichen Dank.

Ist die Bürgerparktombola noch zeitgemäß?

In Ideenwirtschaft, Stadt on 13. Februar 2012 at 12:12

Ich meine, dass der Bürgerpark durch zeitgemäße Spendenkampagnen gestärkt werden sollte – und dass dazu die Bürgerparktombola anders aufgebaut werden muss.

Aktuell macht die gerade begonnene Bürgerparktombola im Hinblick auf den von der rot-grünen Koalition geforderten Mindestlohn von sich reden. Viele Bremer und Gäste der Stadt irritiert oder stört darüber hinaus auch die Ausgestaltung der Bürgerparktombola mit zahlreichen Buden, Reklame-Schaufenstern und Dauerbeschallung durch marktschreierische Losverkäufer und laute Schlagermusik an den wichtigsten Plätzen der Stadt. Um dieses unerfreuliche Image der Tombola zu ändern würde ich gerne mit dem Bürgerparkverein darüber nachdenken, wie die Ausgestaltung der Tombola im Hinblick auf die Gestaltung und Nutzung der öffentlichen Räume in der Innenstadt verbessert werden kann. Dabei würde ich mir wünschen, dass der Bürgerpark in der Bremer City auch als das dargestellt wird, was er ist: Eine ruhige, grüne, ökologische, soziale Oase mitten in der Stadt. Diesen Anspruch muss sich auch die für ihn werbende Tombola zu eigen machen!

Wünschenswert wäre ein Ideenwettbewerb unter kreativen Stadtplanern, Künstlern, Landschafts- und Innenarchitekten: Im Lichte der Innenstadtentwicklung scheint mir ein Wettbewerb um die besten Ideen und die beste Ausgestaltung geboten –auch, um die Bürgerpark-Tombola zu stärken und zu verbessern. Die bürgerschaftliche, private Finanzierung des Bürgerparks muss konstruktiv und kreativ weiter entwickelt werden, denn sie ist wichtig für den Fortbestand und Zustand des Parks.
Weil bei der Bürgerparktombola auch Umsatz und Ertrag erheblich auseinander klaffen, sollte zur nachhaltigen Finanzierung des Bürgerparks auch über zeitgemäße Crowdsourcing-Konzepte und andere direktere Spendenformen nachgedacht werden. Kollektive Finanzierungen und konstruktive Netzwerke sind kein Hexenwerk, sondern mit Hilfe auch der neuen Medien vielfach erfolgreich, wo es um die Finanzierung gemeinschaftlicher und öffentlicher Initiativen und Anliegen geht (ein Surftipp für solche Beispiele ist etwa die Plattform www.VisionBakery.de ).

Lediglich ein Drittel der Einnahmen durch den Losverkauf der Bürgerparktombola kommen als Reinerlös den Grünanlagen zu Gute. Eine Spende in Höhe des Lospreises an den Bürgerpark würde dagegen zu fast 100% ihr Ziel erreichen – die Pflanzen, Tiere und ihre Pflege. Den Aufwand der Bürgerpark-Tombola für 3-4000 Euro Ertrag pro Aktionstag finde ich immens – und er steht in keinem guten Verhältnis zu den Beeinträchtigungen der Aufenthaltsqualität in der Innenstadt.  Also: Der Mindestlohn gefährdet nicht die Tombola, sondern macht die Notwendigkeit ihrer Neugestaltung noch einmal besonders deutlich. Statt Struktur und Gepflogenheiten der Bürgerparktombola als „gewachsene Tradition“ zu verkläre, mit der niedrigen Qualifikation der Mitarbeiter zu argumentieren und gleichzeitig an ein Art Zwangsspendenbereitschaft zu appellieren, wie das Vorstand und Geschäftsführung von Bürgerparkverein und Tombola öffentlich tun, sollte der Bürgerparkverein dringend über zukunftsgewandte Konzepte nachdenken: Gewachsene Strukturen muss man manchmal lichten – wer sollte das besser wissen als Bremens größte der Grünpflege verschriebene Initiative?

Den Text als PDF gibts hier.


„Künstler sollen Stadtleben stärker prägen“

In Ideenwirtschaft, Kunst, Politik, Stadt, Werner on 1. Oktober 2011 at 17:57

Wie (und dass) Stadtentwicklung, kulturelle Bildung, Kreativwirtschaft und Kunst zusammengehören, durfte ich in einem Interview im Bremer Weser-Kurier erklären:

[ An einem konkreten – und gerade dieser Tage wieder aktuell werdenden – Beispiel habe ich sowas vor einiger Zeit schon mal durchgespielt. – Und siehe gerne auch noch mal da: Bürgerbaubeteiligung. ]

„Komm mit nach Morgen“ – ab(er) jetzt!

In Ideenwirtschaft, Politik, Stadt on 21. September 2011 at 19:15

Statement zum Leitbild ‚Bremen 2020‘

Die Deputation für Umwelt, Bau, Verkehr, Stadtentwicklung und Energie hat am 15. September 2011 den Stand der Umsetzung des Leitbilds der Stadtentwicklung zur Kenntnis genommen. Die Grünen begrüßen die beispielhafte und umfassende Beteiligung interessierter Bürger an der Aufstellung und der Umsetzung des Leitbildes „Bremen! lebenswert – urban – vernetzt“ unter dem Motto „Komm mit nach Morgen!“, das der Senat im Sommer 2009 beschlossen hatte.

Die Grünen erwarten vom Senat und der Wirtschaftsförderung, dass sich in Zukunft auch die Konzepte des Stadtmarketings, die Kulturpolitik und touristische Angebote am Leitbild für „Bremen 2020“ orientieren, das Bremen als „grüne Stadt am Wasser mit hohen Erholungs- und Umweltqualitäten, als sozial gerechte Stadt und als Zentrum exzellenten Wissens und innovativen Wirtschaftens positioniert, die sich mit viel Bürgersinn und Bürgerkompetenz entwickelt“, zitiert der Sprecher der grünen Bürgerschaftsfraktion für Stadtentwicklung, Kultur und Medien, Carsten Werner, wesentliche Punkte des Leitbildes.

In städtebaulichen Fragen trägt die Arbeit am Leitbild inzwischen Früchte: „Mit dem neuen Zentren- und Nahversorgungskonzept und einer Wohnungsbaukonzeption, die die wohnortnahe Versorgung aller Bürger sicherstellen und unnötigen Verkehr vermeiden sollen, gibt es für die Stadtplanung und -entwicklung jetzt differenzierte politische und rechtliche Rahmen und Instrumente“, lobt Carsten Werner. „Außerdem hat Bremen seit 2010 im Bereich der Zwischennutzungen brachliegener Gelände und Gebäude durch die ZwischenZeitZentrale wichtige und sichtbare Schritte unternommen – neben vielen temporären Projekten etwa durch die langfristige Umnutzung des alten Güterbahnhofs in der City. Jetzt gilt es, Impulse temporärer Zwischennutzungen für die Stadtentwicklung nachhaltig und auch für langfristige Nachnutzungen fruchtbar zu machen. Das gilt für die entsprechenden Verfahren ebenso wie für die konkreten Orte.“

Auch bildungspolitisch hat das Leitbild mit dem Programm „Lernen vor Ort“ mit einem beispielhaften lokalen Management für verbesserte Bildungschancen in Bremen-Gröpelingen bereits wichtige Impulse etwa zu generationenübergreifendem Lernen, kultureller Bildung und gesellschaftlichen „Übergängen“ gegeben, die jetzt systematisch in die Struktur der lokalen Bildungslandschaft zu integrieren sind. „Besonders erfreulich ist, dass Bremerhaven sich dem Modellprojekt mit dem Stadtteil Grünhöfe jetzt anschließt“, sagte Carsten Werner. Auch der Austausch mit anderen Städten in der Metropolregion und Kooperationen im Rahmen der nationalen Stadtentwicklungspolitik „nimmt jetzt richtig Fahrt auf“, freut sich der grüne Bürgerschaftsabgeordnete. An diesem Wochenende treffen sich in Nürnberg Stadtentwickler und Abgeordnete aus Leipzig, Nürnberg und Bremen zu einem Erfahrungsaustausch – „wir können gerade für die Stadtentwicklung viel von anderen Städten lernen – und die von uns“, meint Werner.

Am 16.und 17. September 2011 haben sich in Nürnberg Stadtentwickler und Abgeordnete aus Leipzig, Nürnberg und Bremen zu einem Erfahrungsaustausch im Rahmen des Kooperationsprojektes koopstadt getroffen, das ebenfalls Element der Arbeit am Bremer Leitbild 2020 ist: „Wir können gerade für die Stadtentwicklung viel von anderen Städten lernen – und die von uns“, meint Carsten Werner. In Nürnberg hat den Bremer Grünen-Abgeordneten der ganzheitliche, ressortübergreifende Ansatz der Stadtentwicklung überzeugt. „Besonders beeindruckt hat mich dort etwa Bayerns erste Jugendkirche „LUX“ in Nürnberg Nord-Ost, die gleichermaßen als Kirche, Veranstaltungsort, Café und modernes Jugendzentrum fungiert: Eine coole Location mit wichtigen sozialen, kulturellen und religiösen Funktionen.“ Insgesamt sind im Stadtteil Nürnberg Nord-Ost Projekte mit Städtebauförderungsmitteln und im Rahmen des Programms „Soziale Stadt“ vorbildliche Entwicklungen in Gang gesetzt worden: „Hier wurde eine denkmalgeschützte Arbeitersiedlung aus den Vorkriegsjahren nachhaltig ökologisch, sozial und auch kulturell modernisiert, so dass Wohnen, Bildung, Naherholung, Kultur und Umweltschutzaspekte ineinandergreifen können und für die Wohnungen im Stadtteil wieder zu begeisterter Nachfrage geführt haben – einmal mehr ein Beleg, wie wichtig und sinnvoll diese Programme und Fördermittel für die Zukunft unserer Städte sind“, so Carsten Werner, „und sie schaffen Impulse in viele weitere Bereiche der Stadtentwicklung und des Stadtlebens“. So ist im Nürnberger Süden mit dem „Südpunkt“ in Kooperation mehrerer Träger ein hochmodernes Bürgerhaus für lebenslanges Lernen, berufliche Weiterbildung, Gesundheit und kulturelle Begegnung im ökologischen Passivhausstandard entstanden.

„Den Geist all dieser Entwicklungen auch für die geplante Neuaufstellung des Flächennutzungsplans und des Landschaftsprogramms sowie in der Verkehrspolitik zu nutzen, ist eine spannende und lohnende Aufgabe für alle Senatsressorts und Politikfelder – sie muss aber auch im Erleben und in der Präsentation Bremens noch viel spürbarer werden und soll schließlich identitätsstiftend wirken“, so Carsten Werner.

 

 

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