carsten werners

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Kunst im öffentlichen Raum … ist Stadtentwicklung

In Kunst, Politik, Stadt on 29. Oktober 2014 at 19:29

Kunst im öffentlichen Raum ist eine öffentliche Angelegenheit!

Für einen kleinen Moment wurde groß und breit und laut über Kunst diskutiert in Bremen: Anlass war die mögliche Aufstellung einer privat finanzierten Stadtmusikanten-Skulptur des Künstlers Markus Lüpertz. Leider fand diese leidenschaftliche Diskussion aber erst statt, als Geldgeberin und Künstler ihre Idee verschreckt von der schrillen Aufmerksamkeit schon wieder zurückgezogen hatten: In den Online-Foren von Radio Bremen wurde heftig geschimpft und gewütet – nicht immer dem Kunstwerk und dem Künstler angemessen. Aber das muss Kunst im öffentlichen Raum aushalten.

Ärgerlich finde ich, dass die Diskussion um das Kunstwerk von Anfang an nicht offen war. Offenbar wurde nur ein einziger Standort – vor der Bremischen Bürgerschaft auf dem Marktplatz – ins Auge gefasst, begutachtet, abgebildet, in Aussicht gestellt, wie auch immer: Anfragen und Meinungen machten die Runde, der Präsident der Bürgerschaft und der Bürgermeister äußerten sich öffentlich in den Medien, ohne die Öffentlichkeit oder zuständige Gremien vorher beteiligt zu haben.

Aber die Geschichte der Stadtmusikanten, diese Geschichte von Lebenslust, Aufbruch, Mut und Kreativität, legt nahe, „neue“ Stadtmusikanten an ganz anderen Orten Bremens willkommen zu heißen und zu inszenieren. Nicht 4, sondern 20 Meter groß, könnten die Stadtmusikanten als ältestes multikulturelles Improvisations-Ensemble sichtbares Symbol Bremens sein; am Lankenauer Höft und Pier 2, im Hohentorshafen, am Autobahndreieck in Tenever, am Ohlenhof oder auf dem Utbremer Kreisel – statt als touristischer Knips- und Klick-Anlass die dezenten, schüchternen Original-Tiere von Gerhard Marcks am Rathaus dreist in den Schatten zu stellen.

Stadtmusikanten Bremen

Über Kunst darf, muss und soll man reden, verhandeln, streiten und entscheiden. Es gibt dazu Verfahren und Gremien der Beratung und Beteiligung. Warum wurden die in diesem Fall nicht genutzt? Wenn z.B. der „Landesbeirat Kunst im öffentlichen Raum“, der Empfehlungen aussprechen soll, überholt ist, brauchen wir neue, zeitgemäßere Strukturen. Auch die gibt es schon – weil überall die Mittel für Kunst im öffentlichen Raum knapp, die rechtlichen Rahmen uneindeutiger geworden sind und auch, weil Kunst im öffentlichen Raum inzwischen über ganz andere Formen und Formate in öffentlichen Räumen agiert als in den 70er und 80er Jahren: Hamburg beschäftigt für diese kreative Auseinandersetzung eine Stadtkuratorin und das Programm „Neue Auftraggeber“ versucht, Ideen „für eine Kunst der Zivilgesellschaft“ zu generieren.

Denn Kunst im öffentlichen Raum ist ein Prozess. Kunst im öffentlichen Raum ist ein dynamisches Element der integrierten Stadtentwicklung geworden. Man müsste darüber streiten!

 

 

Kunst, zumal im öffentlichen Raum, ist längst keine Angelegenheit mehr allein von Stadtoberen und Geldgebern – das war der Ansatz und der Auftrag, der in Bremen in den 70ern formuliert wurde und die Stadt zum Vorreiter in diesem Diskurs gemacht hatte. Heute scheint hier nicht mehr so klar zu sein, dass das Öffentliche untrennbar zur Kunst im öffentlichen Raum gehört. Darüber müssen wir in Bremen debattieren. Bevor die nächsten Stadtmusikanten straucheln, ohne eine Chance zur Ankunft bekommen zu haben.

 

 

Zur weiteren Lektüre empfohlen:

Unsere Kleine Anfrage „Kunst im öffentlichen Raum und Kunst am Bau sind
Stadtentwicklung“

Hamburgs Stadtkuratorin
mehr dazu: http://gruenlink.de/u76
noch mehr dazu: http://gruenlink.de/u77

„Neue Auftraggeber“
mehr dazu: http://gruenlink.de/u79

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„Komm mit nach Morgen“ – ab(er) jetzt!

In Ideenwirtschaft, Politik, Stadt on 21. September 2011 at 19:15

Statement zum Leitbild ‚Bremen 2020‘

Die Deputation für Umwelt, Bau, Verkehr, Stadtentwicklung und Energie hat am 15. September 2011 den Stand der Umsetzung des Leitbilds der Stadtentwicklung zur Kenntnis genommen. Die Grünen begrüßen die beispielhafte und umfassende Beteiligung interessierter Bürger an der Aufstellung und der Umsetzung des Leitbildes „Bremen! lebenswert – urban – vernetzt“ unter dem Motto „Komm mit nach Morgen!“, das der Senat im Sommer 2009 beschlossen hatte.

Die Grünen erwarten vom Senat und der Wirtschaftsförderung, dass sich in Zukunft auch die Konzepte des Stadtmarketings, die Kulturpolitik und touristische Angebote am Leitbild für „Bremen 2020“ orientieren, das Bremen als „grüne Stadt am Wasser mit hohen Erholungs- und Umweltqualitäten, als sozial gerechte Stadt und als Zentrum exzellenten Wissens und innovativen Wirtschaftens positioniert, die sich mit viel Bürgersinn und Bürgerkompetenz entwickelt“, zitiert der Sprecher der grünen Bürgerschaftsfraktion für Stadtentwicklung, Kultur und Medien, Carsten Werner, wesentliche Punkte des Leitbildes.

In städtebaulichen Fragen trägt die Arbeit am Leitbild inzwischen Früchte: „Mit dem neuen Zentren- und Nahversorgungskonzept und einer Wohnungsbaukonzeption, die die wohnortnahe Versorgung aller Bürger sicherstellen und unnötigen Verkehr vermeiden sollen, gibt es für die Stadtplanung und -entwicklung jetzt differenzierte politische und rechtliche Rahmen und Instrumente“, lobt Carsten Werner. „Außerdem hat Bremen seit 2010 im Bereich der Zwischennutzungen brachliegener Gelände und Gebäude durch die ZwischenZeitZentrale wichtige und sichtbare Schritte unternommen – neben vielen temporären Projekten etwa durch die langfristige Umnutzung des alten Güterbahnhofs in der City. Jetzt gilt es, Impulse temporärer Zwischennutzungen für die Stadtentwicklung nachhaltig und auch für langfristige Nachnutzungen fruchtbar zu machen. Das gilt für die entsprechenden Verfahren ebenso wie für die konkreten Orte.“

Auch bildungspolitisch hat das Leitbild mit dem Programm „Lernen vor Ort“ mit einem beispielhaften lokalen Management für verbesserte Bildungschancen in Bremen-Gröpelingen bereits wichtige Impulse etwa zu generationenübergreifendem Lernen, kultureller Bildung und gesellschaftlichen „Übergängen“ gegeben, die jetzt systematisch in die Struktur der lokalen Bildungslandschaft zu integrieren sind. „Besonders erfreulich ist, dass Bremerhaven sich dem Modellprojekt mit dem Stadtteil Grünhöfe jetzt anschließt“, sagte Carsten Werner. Auch der Austausch mit anderen Städten in der Metropolregion und Kooperationen im Rahmen der nationalen Stadtentwicklungspolitik „nimmt jetzt richtig Fahrt auf“, freut sich der grüne Bürgerschaftsabgeordnete. An diesem Wochenende treffen sich in Nürnberg Stadtentwickler und Abgeordnete aus Leipzig, Nürnberg und Bremen zu einem Erfahrungsaustausch – „wir können gerade für die Stadtentwicklung viel von anderen Städten lernen – und die von uns“, meint Werner.

Am 16.und 17. September 2011 haben sich in Nürnberg Stadtentwickler und Abgeordnete aus Leipzig, Nürnberg und Bremen zu einem Erfahrungsaustausch im Rahmen des Kooperationsprojektes koopstadt getroffen, das ebenfalls Element der Arbeit am Bremer Leitbild 2020 ist: „Wir können gerade für die Stadtentwicklung viel von anderen Städten lernen – und die von uns“, meint Carsten Werner. In Nürnberg hat den Bremer Grünen-Abgeordneten der ganzheitliche, ressortübergreifende Ansatz der Stadtentwicklung überzeugt. „Besonders beeindruckt hat mich dort etwa Bayerns erste Jugendkirche „LUX“ in Nürnberg Nord-Ost, die gleichermaßen als Kirche, Veranstaltungsort, Café und modernes Jugendzentrum fungiert: Eine coole Location mit wichtigen sozialen, kulturellen und religiösen Funktionen.“ Insgesamt sind im Stadtteil Nürnberg Nord-Ost Projekte mit Städtebauförderungsmitteln und im Rahmen des Programms „Soziale Stadt“ vorbildliche Entwicklungen in Gang gesetzt worden: „Hier wurde eine denkmalgeschützte Arbeitersiedlung aus den Vorkriegsjahren nachhaltig ökologisch, sozial und auch kulturell modernisiert, so dass Wohnen, Bildung, Naherholung, Kultur und Umweltschutzaspekte ineinandergreifen können und für die Wohnungen im Stadtteil wieder zu begeisterter Nachfrage geführt haben – einmal mehr ein Beleg, wie wichtig und sinnvoll diese Programme und Fördermittel für die Zukunft unserer Städte sind“, so Carsten Werner, „und sie schaffen Impulse in viele weitere Bereiche der Stadtentwicklung und des Stadtlebens“. So ist im Nürnberger Süden mit dem „Südpunkt“ in Kooperation mehrerer Träger ein hochmodernes Bürgerhaus für lebenslanges Lernen, berufliche Weiterbildung, Gesundheit und kulturelle Begegnung im ökologischen Passivhausstandard entstanden.

„Den Geist all dieser Entwicklungen auch für die geplante Neuaufstellung des Flächennutzungsplans und des Landschaftsprogramms sowie in der Verkehrspolitik zu nutzen, ist eine spannende und lohnende Aufgabe für alle Senatsressorts und Politikfelder – sie muss aber auch im Erleben und in der Präsentation Bremens noch viel spürbarer werden und soll schließlich identitätsstiftend wirken“, so Carsten Werner.

 

 

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