carsten werners

Bewerbung als Grüner, Vollbremer, Politiker

In Politik, Stadt, Werner on 27. November 2010 at 22:03

Liebe Freunde und Kollegen,

nach fast 25 Jahren Spagat und Pendeln zwischen Kunst und Journalismus will ich die dritte Ebene der guten Argumente, der bestmöglichen Ideen und der deutlichen Vermittlung erleben und beleben – und grüne Politik machen. Die Ermutigung durch grüne Freunde und den Landesvorstand, hier quer einzusteigen, freut mich riesig. Und die Intensität und Qualität der Arbeit am grünen Wahlprogramm hat mich überzeugt und inspiriert.

Meine Erfahrungen als überzeugter Freiberufler und Arbeitgeberwechsler, als Künstler, Projekt- und Organisationsentwickler, als Journalist und Öffentlichkeitsarbeiter, als Ausbilder und Vater möchte ich in Bremer Politik übersetzen und dazu vom Teilzeit- wieder zum Voll-Bremer werden. Ob (zuletzt) als freier Politikredakteur beim Berliner „Tagesspiegel“, als Ausbilder und Projektentwickler für die Bremer Schwankhalle, als Theaterregisseur oder als wirtschaftlich handelnder Programmmacher für Breminale und Sylter Meerkabarett: Meinen Tätigkeiten und meiner Bewerbung um einen grünen Listenplatz für die Bremer Bürgerschaftswahl 2011 liegen der feste Glaube an die Kraft des guten, besten Arguments und die Begeisterung für intensives Vermitteln zugrunde – und die Überzeugung und Lust, damit etwas zu bewirken.

In meinem Berufsleben ist der Wechsel von Arbeitsplätzen branchenüblich und sinnvoll. Meine wichtigsten Chefs und Förderer waren Frauen. Als Ausbilder lege ich viel Wert auf einen individuellen Weg der Auszubildenden. Kritik ist mir zum wichtigsten Werkzeug geworden: „Blattkritik“ bei der Zeitung, Kritik als Regisseur oder Redakteur nach einer Probe, Vorstellung oder Sendung, oder die klassische Veranstaltungskritik – in diesem Sinne will ich auch Politik, Gesellschafts-Kritik: nicht dagegen, sondern dafür, im Interesse von und an Menschen, an Inhalten und ihrer Zukunft, in kreativem Streit und Dialog. Ich beherrsche dieses Handwerk ganz gut – wach, sensibel und kreativ in die Welt zu blicken, um sie im Konkreten immer ein bisschen besser zu feilen: „Das Bessere ist der Feind des Guten!“ „Lasst Ideen zu Taten schrumpfen!“ Das ist auch realistische grüne Politik.

Gesellschaftliche Veränderungen – ob im Arbeitsmarkt oder in der Stadtentwicklung – müssen und können kreativ und offen angebahnt werden. Die vielen Parallelgesellschaften, in die unsere Gesellschaft sich splittet und die wenig voneinander wissen, müssen sich öfter treffen und berühren: Solidarität und Chancengleichheit entstehen ja nur gemeinsam. Was in Nachbarschaften, in guten Schulen und in guter Arbeit klappt, funktioniert am effektivsten über Sport, Kultur und – wenn man die nicht sowieso zur Kultur zählt – über Medienangebote. Wichtige Akteure und Partner dabei sind jenseits institutionalisierter Interessenvertretungen sich stetig wandelnde Communities und auch die Freizeitwirtschaft.

Gut vermittelt und inhaltlich gefüllt, schaffen Konsum- und Medienkompetenz, Freizeitfähigkeit und Naturerleben, Stadtleben und Umweltbewusstsein Teilhabe und Bildung, schärfen Sinne und Ziele. Eine „Politisierung“ von „Freizeit“ in diesem Sinne, in Richtung einer Gesellschaft, macht mir großen Spaß. Interdisziplinär, genre- und fachübergreifend interessieren mich dabei vor allem

– Stadtentwicklung

– gesellschaftliche Teilhabe und demokratische Beteiligung

– Kulturentwicklung, Bildungs- und Medienpolitik

– Freiberufler und Mikrowirtschaft

Was trägt konkret zum sozialen Gelingen, zur Lebens- und Beschäftigungsqualität in Bremen bei? An dieser Frage müssen sich nicht nur Schulen, sondern auch die Handelskammer messen lassen. Aber auch Kultureinrichtungen, Medien und Stadtplaner. Wir brauchen eine Verbindung der über die Senatsressorts verteilten kulturellen Themen, Ansprüche und Förderungen – und mehr inhaltliche Kommunikation der Einrichtungen, wo es zu oft nur um Kosten geht.

– Die Überseestadt muss mit einer gesellschaftlichen, kulturellen Vision „gefüllt“ werden.

– Bibliotheken müssen selbstverständlich gerade am Wochenende geöffnet sein.

– Kulturelle Bildung braucht kluge Elternpolitik, klare eigene Förderformate – und bessere Zugänge.

Ich will, dass in Bremen 20-Jährige eine Geschäftsidee, ein Kulturprojekt, eine politische Initiative gründen und starten können, ohne dass Zugangsvoraussetzung in die „boomende“ Kreativwirtschaft die Möglichkeit zu jahrelanger Selbstausbeutung ist.

Die Entwicklung nachhaltiger Ideen, nachhaltiges Handeln sind wichtiger als zunehmende Institutionalisierung.

„Kultur“ also ist für mich nicht nur (aber auch) die Produktion und Präsentation von Kunst. Vor hundert Jahren waren Zeitung und Theater mal fast eins: tagesaktuelles, politisches und populäres Medium. Diese Rolle hat später das Fernsehen übernommen, heute das Internet. Aber Kultur (und Kunst) können Stadt und Gesellschaft prägen:

– Das vor 20 Jahren im Kulturzentrum Lagerhaus erfundene Car-Sharing oder die zeitgenössische private Bildungseinrichtung Universum Science Center sind florierende kommerzielle Unternehmen.

– Nicht zufällig sind der „Klub Dialog“ und die „Zwischen Zeit Zentrale“ als vielleicht wichtigste Innovationen für die Stadtkultur in Obhut der Ressorts für Wirtschaft, Finanzen und für Stadtentwicklung entstanden.

An einer herausfordernden, impulsgebenden „Unternehmenskultur“ Bremens müssen starke, gestaltende Ressorts wie Stadtentwicklung, Bildung oder Wirtschaft, müssen Bürger und Bürgerschaft Anteil nehmen!

Ich freue mich drauf, das auszuprobieren – und über jeden, der mich dabei  unterstützt: Mit Auseinandersetzung, Hinweisen und Fragen, mit Vertrauen, Euren Stimmen und Weitersagen.

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