carsten werners

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Für zukunftsfähige Medien auf allen Plattformen und ohne Depublikation

In Medien, Politik, wörtlich! on 12. Dezember 2013 at 18:48

Seit Anfang 2013 wird für alle Haushalte die Rundfunk- und Fernsehgebühr erhoben, die Allgemeinheit zahlt also für das Angebot der öffentlich-rechtlichen Sendeanstalten, auch für die Verbreitung ihrer Inhalte im Internet. Vor vier Jahren wurde auf Druck von Privatsendern, Verlagen und Medienkonzernen eine sogenannte „Depublikationspflicht“ eingeführt – Online-Angebote der Öffentlich-rechtlichen sollten so nur für begrenzte Zeit verfügbar sein. SPD und Grüne haben in Bremen – mit Unterstützung der CDU – einen Antrag „Für zukunftsfähigke öffentlich-rechtliche Medien“ beschlossen: Der grundgesetzliche Auftrag der Rundfunkanstalten, die Bevölkerung mit Informationen, Bildung, Kultur und Unterhaltung zu versorgen, darf nicht durch private Interessen eingeschränkt werden.

Meine Rede dazu:
Sehr geehrter Herr Präsident, meine Damen und Herren,

Auf Drängen der Verlage und der Privatsender wurde 2009 die sogenannte „Depublikationspflicht“ – für mich ein kultur- und medienpolitisches Unwort! – für die öffentlich-rechtlichen Anstalten eingeführt, die damit auf Abstand gehalten werden sollten von privaten kommerziellen Anbietern im Internet. Deshalb müssen ARD, ZDF und die Deutschlandradios  ihre online in den Mediatheken abrufbaren Inhalte nach ein paar Tagen oder, je nach Inhalt, maximal einigen Monaten aus den Mediatheken wieder löschen –  und dann verschwinden diese wertvollen, gebührenfinanzierten Inhalte in Archiven, aus denen man sie nur mit Mühe und Aufwand und Kosten auf schriftliche Anfrage beim jeweiligen Sender wieder herausbekommt – etwa wenn man sie für den Unterricht oder die wissenschaftliche oder künstlerische Arbeit damit nutzen will. – Ich habe des mal versucht: Da dort auch fast nur noch digital gearbeitet wird, ist es noch schwieriger als früher inzwischen, sich einfach mal einen Mitschnitt zu bestellen: Es ist ein Aufwand, der technisch völlig unnötig ist und der spätestens für den privaten Zuschauer oder Zuhörer  völlig unangemessen ist!

Wir Grünen finden das – und fanden das vor vier Jahren auch schon – eine problematische, eine kulturell und wirtschaftlich geradezu widersinnige Konstruktion: Da werden Inhalte, gerade weil sie qualitativ gut sind und gerade die, die besonders zeitlos und über den Tag hinaus brauchbar und aussagekräftig sind – die werden bestraft, die dürfen der Öffentlichkeit nicht zur Verfügung stehen. Das ist absurd!

Ich freue mich sehr, dass die Bremer CDU-Fraktion sich diesem Antrag jetzt anschließen möchte – das ist glaube ich bundesweit für die CDU überhaupt nicht selbstverständlich, meine Damen und Herren! Und ich bin sehr gespannt, wie sich die uns nun bevorstehende Bundesregierung und wie sich die Länder mit großen Medienkonzernen wie Hamburg zum Beispiel, Bayern oder Nordrhein-Westfalen, zu dem Thema verhalten werden. Da gibt es noch keine so einheitliche Lage. Liebe Kollegen von der CDU: Wir stimmen also Ihrem Änderungsantrag auch zu. Dass das Kerngeschäft und der Schwerpunkt der öffentlich-Rechtlichen Medien audiovisuelle Medienproduktionen sind und bleiben sollen, steht ja für uns außer Frage.

Wenn wir hier von zukunftsfähigen Medienangeboten  sprechen, dann gibt es da durchaus, in der Bedienbarkeit und im Nutzungskomfort , in der Sortierbarkeit von Filmen und Audiodateien auch für ARD und ZDF noch Einiges zu tun! Vor allem will ich auch ganz klar sagen, dass für uns Grüne die so genannte „Jugend-Mediathek“ der ARD noch lange nicht der Weisheit letzter Schluss ist: Einfach viele Medienangebote mit dem Label „Jugend“ zu verschlagworten und das dann „eins-LIKE“ zu nennen, das  ist glaube ich noch nicht wirklich auf der Höhe der Zeit und nicht so fancy und hip, wie das mancher in der ARD vielleicht wahrnimmt oder glaubt (Stefan Niggemeier: „Ein Jugendfilter für die ARD“). – Dem Medienverhalten von Jugendlichen wird inhaltlich  und technisch so eine Datenbank mit einem vermeintlich jugendlichen Namen nicht gerecht. Und sie ersetzt auch ein jugendspezifisches redaktionelles Angebot nicht – diese redaktionellen Angebot werden immer weniger. Wir fordern ja deshalb einen eigenen Jugendkanal über alle Ausspielwege – auch on demand. Der Musikmanager Tim Renner, einer der Ko-Autoren des SPD-„Kreativpaktes“, hat im Tagesspiegel kürzlich eine Art „öffentlich-rechtliches Youtube“ gefordert als Jugendkanal. Ich finde, an dieser Grundidee ist sehr viel Bedenkenswertes dran!

Gleichwohl ist glaube ich klar, liebe CDU-Kollegen, dass Internetangebote ohne Texte nicht oder nur sehr schlecht funktionieren – das ist ja eine generelle Erfahrung und Entwicklung, dass im Internet doich sehr viel gelesen und schriftlich publiziert wird: Schrift ist die Kulturtechnik, mit der wir am schnellsten  Ankündigungen, kurze Zusammenfassungen, kommentierende Einordnungen und vertiefende Informationen wahrnehmen können. – Deshalb darf die Begleitung von journalistischen und künstlerischen Angeboten durch Text kein Kriterium sein, um sie wiederum aus dem Internet fernzuhalten! Das schulden wir nicht zuletzt auch der Barrierefreiheit der Angebote.

Dass all dies plattformübergreifend möglich sein muss – also unbeschränkt auf PCs, in digitalen TV-Angeboten, auf Smartphones und Tablets – , das kann und muss man glaube ich heute eigentlich gar nicht mehr diskutieren: Es gibt überhaupt keinen vernünftigen Grund, bestimmte Inhalte an bestimmte Hardware zu koppeln – was ein stolzer Flatscreen-Besitzer sehen kann und an Informationen bekommt, das muss jemand anderes auch auf seinem Smartphone sehen und erfahren können.

Gerade mit dem neuen für alle Bürger verpflichtenden GEZ-Beitrag haben wir das auf der Kostenseite so definiert – jeder Bürger ist ein Nutzer – und dann muss es selbstverständlich auch auf der Leistungsebene für alle die gleiche Gegenleistung geben!
Seit 2009 hat die Technik sich schon wieder rasant weiter enztwickelt – sowohl die Produktionstechniken als auch die digitalen Vertriebs- und Publikationswege. Dem müssen wir politisch vielfältig und zügig Rechnung tragen – und da müssen die öffentlich-rechtlichen Anstalten selbstverständlich mit dabei sein können, die dürfen da nicht hinterherhinken. – Übrigens – auch wenn das über unseren Antrag hier hinaus geht: Ich finde, es ist auch dringend an der Zeit, dass auch die Quoten-Ermittlung für Fernsehen und Rundfunk deren Internet-Angebote mit einbeziehen muss: Die Quoten werden ja immer noch bei Menschen erhoben, die ein Festnetztelefon haben, da zu bestimmten Uhrzeiten rangehen und zu Hause sind, deutsch sprechen … wenn man das nicht ändert und auch den heutigen technischen und kulturellen Gewohnheiten anpasst, dann geben die ermittelten Quoten irgendwann sehr bald nicht mehr die TV-Nutzung gerade der so genannten „werberelevanten“ jüngeren Zielgruppe wieder.

2009 gab es großen Druck von Seiten der Verlage für diese Depublikationspflicht – und einer der Protagonisten, der Springer-Verlag, hat sich inzwischen  entschieden weiter entwickelt: Wie wir  wissen, wird der ehemalige Verlag gerade zu einem „Digitalkonzern“ umgebaut. Auch daran sieht man die  Entwi cklungen: Und ein Digitalkonzern mit integriertem TV-Sender kann ja nun auch nur noch schwer  mit dem Alleinstellungsmerkmal des gedruckten Wortes dagegen argumentieren, dass alle Medien digital arbeiten und Bürger digital konsumieren dürfen.

Neues Landesmediengesetz: Mehr Staatsferne, mehr Medienkompetenz

In Medien, Politik, wörtlich! on 13. Juli 2012 at 13:03

Am 12. Juli hat die Bremische Bürgerschaft einstimmig ein neues Landesmediengesetz beschlossen. Das Bremer Landesmediengesetz wird reformiert und an aktuelle gesellschaftliche, rechtliche und technische Entwicklungen angepasst. So wird zum Beispiel die Zusammensetzung des Landesrundfunkausschusses geändert, jetzt „Medienrat“ genannt. Das Transparenzgebot wird durch verschiedene neue Bestimmungen erfüllt. Das Gesetz enthält außerdem Bestimmungen zur Verbesserung der Rechte von Menschen mit Behinderungen, des Jugendschutzes, der Stärkung der Rechte von Migrantinnen und Migranten, der Pflege der niederdeutschen Sprache und der Medienkompetenz.

Der Gesetzentwurf und unser Änderungsantrag zum Gesetz ist hier zu finden:
http://www.gruene-fraktion-bremen.de/cms/default/dok/414/414049.antrag_bremisches_landesmediengesetz.html

Auch unser Zusatzantrag zur Weiterentwicklung der Filmförderung in Bremen – siehe http://www.gruene-fraktion-bremen.de/cms/default/dok/414/414067.antrag_filmfoerderung_im_land_bremen_wei.html – wurde einstimmig beschlossen.

Meine Rede in der Bürgerschaft zum neuen Landesmediengesetz und zur Filmförderung:

Zu einer Aktualisierung von Mediengesetzen gehört für uns Grüne – wie auch zu einer zeitgemäßen Bildungs- und Kulturpolitik – ganz wesentlich auch die Stärkung der Medienkompetenzvermittlung. Das ist ein langes kompliziertes Wort, ich benutze es trotzdem und will die Herausforderung nicht auf die Stärkung der Medienkompetenz verkürzen. Nein, wir müssen gerade auch die VERMITTLUNG der Medienkompetenz stärken und verbessern. Deshalb ist es uns Grünen ein ganz wichtiges Anliegen, dass diese wichtige Arbeit vernünftige Voraussetzungen bekommt: Konzeptionell – das ist eine politische Aufgabe und eine der Verwaltungen, und dann natürlich der Schulen und Kitas, der Medien selbst und der Kulturträger. Und strukturell – da wollen wir die Koordination von Medienkompetenz-Projekten und -Programmen nun bei der Bremischen Landesmedienanstalt bündeln. Denn nicht zuletzt ist sie auch für den Bürgerrundfunk zuständig – und damit für eine ganz wertvolle Infrastruktur , die noch viel, viel intensiver und besser für die Medienkompetenz-Entwicklung und -Vermittlung genutzt werden kann und weiter entwickelt werden muss.Ein weiteres Anliegen ist uns die Staatsferne der Medien. Das Bremische Parlament verzichtet heute darauf, per Ausschuss- und Parlamentsbeschluss Mitglieder in den Medienrat (bisher Landesrundfunkausschuss) zu entsenden. Wir wollen das gesellschaftlich relevanten Gruppen überlassen. Und das das eine anspruchsvolle demokratische, aber auch eine kreative Herausforderung ist, haben die öffentlichen Diskussionen und Stellungnahmen der vergangenen Wochen deutlich gezeigt: Denn wer und was gesellschaftlich relevant ist, darüber kann man lange streiten – und das wird man nach meiner Überzeugung auch immer wieder neu bestimmen müssen.

Deshalb ist mir ganz wichtig, auch hier heute noch einmal deutlich zu machen, dass die 26 Institutionen, Verbänden und Organisationen (plus die hier in der BBÜ vertretenen Parteien), die nun Mitglieder in den Medienrat entsenden, dies bitte tun mögen NICHT nur, um ihre jeweils EIGENEN Interessen dort zu verfolgen und IHRE eigenen Leute dort unterzubringen – sondern dass sie vom Parlament auch die Aufgabe und die demokratische Verantwortung übernehmen, dass dort ein fachkompetenter und aktionsfähiger, impulsgebender Medienrat entsteht, der gesellschaftlich und medienpolitisch relevante Themen identifiziert und befördert. Wir wollen, dass die bremische Gesellschaft sich dort auch nach Alter, Geschlecht, Religionszugehörigkeit , nach ihrer Tätigkeit und ihrer Herkunft der Mitglieder des Medienrats widerspiegeln – und diese Mitglieder sind nicht die entsendenden Einrichtungen, sondern die Menschen, die sie entsenden. Ich bin – gespannt – auf den Findungsprozess, der dazu jetzt einsetzen muss – und ich glaube und hoffe, dass die politische und öffentliche Diskussion darüber hier heute nicht zu Ende ist, sondern in und mit den Verbänden und Organisationen jetzt richtig losgeht.

Uns war und ist wichtig, dass auch mehr junge Leute, mehr Menschen mit Migrationshintergrund, Kultur- und Medienschaffende und auch Vertreter sozialer und ökologischer Themen über die Zukunft unserer Medien mit beraten und entscheiden. Deshalb haben wir die Liste der entsendenden Einrichtungen gegenüber dem Gesetzentwurf des Senats noch einmal deutlich erweitert. Wir verbinden damit die Hoffnung, dass die Diskussionen im Medienrat von breit gestreuter Kompetenz und Relevanz geprägt sind. Und wir bitten, das bei der Bestimmung der Mitglieder zu bedenken.

Meine Damen und Herren, die Digitalisierung der Gesellschaft, die Vera?nderungen der Medienlandschaft und der Kulturtechniken betreffen nicht nur die Rundfunkmedien selbst und deren Konsum – sie betreffen ganz besonders auch die kulturelle Film- und Medienarbeit. Heute kann jeder Künstler sein, meinen manche. – Jedenfalls ist es technisch einfacher geworden, Werke aller Art in die Welt zu bringen. Damit entwickeln sich auch Kunstformen weiter und deshalb muss sich auch die Film- und Medienfo?rderung weiter entwickeln. Neben großen Film- und Fernsehproduktionen verdienen auch Kurzfilme, Dokumentationen, Internetkunst , Hörspiele und Medienkunst, auch die Pflege und der Erhalt schon älterer Kulturtechniken, aber auch die Vernetzung der Filmschaffenden in, aus und um Bremen politische Beachtung und staatliche Förderung. Deshalb verbinden wir mit der Neufassung des Mediengesetzes einen Antrag zur Überprüfung und Weiterentwicklung der Medien- und Filmfo?rderung im Land Bremen. Das betrifft in Bremen neben der Nordmedia vor allem auch das Filmbüro. Die sind uns wichtig und wir bitten den Senat, deren wichtige Funktion in der Medienlandschaft, vor allem aber auch im Kontext unserer Strategien zur Stärkung der Kreativwirtschaft und des Kulturstandortes, zu beachten, zu entwickeln und zu sichern. Deshalb bitte ich Sie um Zustimmung auch zu unserem Antrag zur kulturellen Filmförderung.

Schluss mit der legendären GEZ-Schnüffelei

In Medien, Politik, wörtlich! on 9. November 2011 at 17:30

Vizepräsident Ravens: Als nächster Redner hat das Wort der Abgeordnete Werner.
Abg. Werner (Bündnis 90/Die Grünen): Herr Präsident, sehr geehrte Damen und Herren, liebe Kolleginnen und Kollegen! Wir wollen uns von einem
Feindbild verabschieden. Unter der GEZ habe ich auch als braver Gebührenzahler lange so ein bisschen obskur wirkende Männer verstanden, die plötzlich ungelegen im Hausflur standen und denen man dann erklären musste, warum man zwei Namen an der Klingel stehen hat, wer da welches Zimmer bewohnt, wem die Satellitenschüsseln oben rechts vom Balkon gehören und dass man auf dem Buchhaltungscomputer wirklich nicht fernsehen kann. Peinliche Situationen, oft die Intimsphäre und auch die Unantastbarkeit der Wohnung jedenfalls tangierend, und übrigens oft genug auch ohne großen Erkenntniswert für die Diskussionspartner! Dafür wurde dann Lug und Trug Tür und Tor geöffnet, und man kam immer auf richtig gute Ideen, wie man doch darum herumkommen kann, diese Gebühr zu bezahlen.

Das soll jetzt vorbei sein, ein Feindbild soll verschwinden, ein Imagekiller für die öffentlich-rechtlichen Radio- und Fernsehangebote. Schluss mit der legendären Schnüffelei der GEZ, das finden wir Grüne gut, denn die GEZ tut etwas Gutes: Sie finanziert die hochwertigen journalistischen Angebote der ARD, des ZDF, des Deutschlandradios und auch die Bürgermedien.
(Beifall beim Bündnis 90/Die Grünen und bei der SPD – Abg. Dr . K u h n [Bündnis 90/ Die Grünen]: Bisweilen hochwertig! Nur
nicht übertreiben!)

Wir Grüne haben so einen Systemwechsel lange gefordert: Weg von der bisherigen Rundfunkgebühr, die nach Empfangsgeräten und ihren Inhabern erhoben und eingetrieben wurde, hin zu einem einheitlichen Beitrag, der für jeden Privathaushalt und jeden Betrieb anfällt! Egal, wie viele Geräte in der Wohnung stehen, wie viele Menschen darin wohnen, wie sie dort wohnen, und egal, ob die Kaffeemaschine oder das Bügeleisen nur blubbern oder ob da wie bei Frau Grotheer auch Musik läuft, denn was ist heute nicht schon alles ein Empfangsgerät oder mit einem solchen vernetzt! Das ist kaum noch zu prüfen, und in Zukunft ist es auch egal, ob ich mit meinem Telefon nur telefoniere oder damit Nachrichten höre. Für Betriebe wird der Beitrag klar und durchsichtig nach der Zahl der Mitarbeiter und der Betriebsstätten bemessen, und für 90 Prozent der Betriebsstätten fällt nur ein Drittel oder maximal ein einziger ganzer Beitrag an, das sind dann alle diejenigen mit weniger als 20 Mitarbeitern.
Für diese Systemumstellung müssen die Rundfunkanstalten ihre Datenbanken komplett neu aufstellen. Dazu dürfen sie einmalig für einen bundesweit einheitlichen Stichtag Namen, Geburtstag, Familienstand, Anschriften und Einzugsdatum mit den Meldeämtern abgleichen, und dafür sind ja Meldeämter eigentlich auch da. Da wird auch, glaube ich und hoffen und glauben wir auch alle, keine Datenkrake geboren.

Der 15. Rundfunkänderungsstaatsvertrag – den Begriff muss ich auch immer ablesen – sorgt übrigens auch dafür, dass wir uns bald daran gewöhnen dürfen,
den Tatort ruhig einmal ohne Bier zu genießen. Sponsoring und Werbung – das hat hier heute noch gar keiner erwähnt – wird es im Abendprogramm der öffentlich-rechtlichen Sender nach 20.00 Uhr in Zukunft nicht mehr geben
(Beifall beim Bündnis 90/Die Grünen und bei der SPD)
mit einigen Ausnahmen beim Sport, die wir in den nächsten Jahren noch einmal genau ansehen sollten. Überhaupt müssen wir in den nächsten Jahren
– das haben meine Vorrednerinnen schon gesagt – den Rundfunkänderungsstaatsvertrag immer weiter genau beobachten. Unter anderem gilt es zu überprüfen, wie sich die Gesamteinnahmen für die Sender entwickeln. Es wäre doch auch schön, wenn für Radio Bremen am Ende etwas übrig bleibt oder sogar überhaupt. In den Jahren 2014/2015 wird der Vertrag evaluiert, dann sollten wir auch noch einmal ein waches Auge auf den Datenschutz haben. Wir sind aber froh, dass wir als Bremer Grüne – meine Vorgängerin als medienpolitische Sprecherin Anja Stahmann allen voran – in den Verhandlungen über den neuen Beitrag viel mehr Datenschutz durchsetzen
konnten, als dort ursprünglich vorgesehen war.

(Beifall beim Bündnis 90/Die Grünen und bei der SPD)

Bis zu dieser Evaluation des Vertrags im Jahr 2015 ist ein Adressankauf – das haben die Kolleginnen auch schon gesagt – nicht mehr erlaubt. Bisher ist er das, wir werden sehen, ob man diesen denn überhaupt noch braucht. Wir Grüne hoffen und wollen, dass das nicht der Fall ist. Nun beantragt DIE LINKE, das jetzt schon auszuschließen. Ja, dann könnten Sie dem Vertrag auch zustimmen,
und lassen Sie uns doch im Jahr 2015 dann gern noch einmal über Ihren Antrag hier beraten! Sie sind da so ein bisschen hellseherisch unterwegs, andererseits beantragen Sie heute etwas, das es ganz einfach schon überwiegend gibt. Seit dem Jahr 2005 hat Bremen mit den Leistungsbehörden, Radio Bremen und den Datenschutzbeauftragten an einem runden Tisch als Vorreiter für die anderen Bundesländer und die anderen ARD-Anstalten die Ausstellung von Drittbescheinigungen zur Gebührenbefreiung erarbeitet. Wo das noch nicht
funktioniert, sollten wir es einfordern, da sind wir ganz bei Ihnen. Das ist aber keine Aufgabe der GEZ und der Radiosender, sondern der Sozialbehörden.

Lassen Sie mich zum Schluss noch ein paar Worte zu dem bunten Strauß an Unterstellungen und inszenierten Missverständnissen sagen, zum Beispiel
zu der Frage der „begründenden Lebensumstände“ für eine Abmeldung von der Beitragspflicht! Die muss man mit Wohnungsauflösung, Tod oder Auswanderung begründen. Wenn Journalistenkollegen behaupten, da würde nach Eheproblemen oder Einrichtungsgeschmack oder Tapetenmustern gefragt,
dann vermischen sie da Interessen ihrer Sender und Verleger mit Berichterstattung über eine neue Abgabe. Gehen wir aber bitte nicht denen auf den Leim, die unter einem überraschenden Engagement für Datenschutz und einem erstaunlichen Misstrauen gegen pragmatische Verfahren ihr Interesse an
nur nicht zu starken öffentlich-rechtlichen Sendern und Konkurrenten verstecken und letztlich an einer Schwächung unseres dualen Rundfunksystems! Der innenpolitische Sprecher der Bremer FDP, Herr Scheidtweiler – er kann das heute hier nicht erläutern, deswegen wiederhole ich es gern noch einmal –, hat ganz direkt gesagt, er halte die Praxis, für Rundfunk und Fernsehen Geld zu verlangen, für alt und überholt. Wir Grüne sehen das nicht so. Wir wollen das duale System stärken und schärfen, und dazu gehört auch eine duale Finanzierung auf ausdrücklich verschiedenen Finanzierungswegen.

16 Bundesländer haben sich gemeinsam auf ein Regelwerk geeinigt. Wir begrüßen, dass das gelungen ist, und stimmen dem Gesetz zum 15. Rundfunkänderungsstaatsvertrag zu. Er schützt die Privatsphäre besser als bisher, er ist technologie- und zukunftsoffen, er sichert eine gerechte und praktikable Handhabe der Finanzierung der öffentlich-rechtlichen Sender, und wir glauben nicht, dass da eine schlimme und böse Datenkrake entsteht. – Vielen Dank!

(Beifall beim Bündnis 90/Die Grünen)

Vizepräsident Ravens: Als nächster Redner hat das Wort Herr Bürgermeister Böhrnsen.

Bürgermeister Böhrnsen: Herr Präsident, meine Damen und Herren! Ich hätte es nie für möglich gehalten, dass ich mich in der Frage des Datenschutzes
so unzweideutig und ohne Vorbehalte einem Redner der Grünen anschließen kann. Das mache ich an dieser Stelle!

(Beifall beim Bündnis 90/Die Grünen)

Meine Damen und Herren, von der Rundfunkgebühr zum Rundfunkbeitrag, das hört sich so einfach an. Es war ein ganz langer, mühsamer Weg, der mit einer Unzahl von rechtlichen Stellungnahmen, Gutachten und Gegenstellungnahmen gepflastert war, und dahinter steht ja etwas anderes als nur eine Namensänderung. (…)

die alten mit den „neuen“ Medien

In Medien on 12. Februar 2011 at 18:13

„Donnerstagabend in der ARD: Tom Buhrow befragte eine Mitarbeiterin in Köln, die dort „das Internet beobachtet“. Warum sie das von Köln aus machen muss, wurde nicht erklärt. Die Internetbeobachterin beobachtete jedenfalls Dinge im Internet, die man zuvor auch im Fernsehen sah. Und Tom Buhrow bat sie, damit unbedingt weiterzumachen.“

(Matthias Kalle im Tagesspiegel)

ARD-Journalismus am Dienstag 21.7.2009

In Medien on 21. Juli 2009 at 23:19

ARD-Journalismus am Dienstag 21.7.2009:

1.
Sonnenbaden, Schorletrinken, Entenfüttern am Weserstrand. Vorfahrt eines Radio-Bremen-Kamerateam-Busses im Naherholungsgebiet, 3 Leute filmen matschigen Sand. Dann stört der Redakteur kurz beim Entenfüttern, verjagt die Küken:
– „Sie haben sicher gehört, dass der niedersächsische SPD-Chef das Bundesland Bremen abschaffen will.“
– „Ja.“
– „Könnten Sie uns bitte in die Kamera sagen: ‚Der Herr Duin soll sich mal darum kümmern, dass das Watt bei Cuxhaven nicht so verschlickt!‘ “
– „Nein.“
– „Warum denn nicht?“

2.
Abends die Zusammenhänge verstehen:
– das Bremer Lokalfernsehen hat einen anderen kostenlosen Sprecher gefunden – in irgendeiner Einkaufszonen sagt er: “ ‚Der Herr Duin soll sich mal darum kümmern, dass das Watt bei Cuxhaven nicht so verschlickt!‘ “
– Im www gesucht und gefunden: das Watt ist gerade Weltkulturerbe der Unesco geworden und Cushavener Hoteliers erregen sich drüber, dass man jetzt nichts mehr gegen die zeitweise Verschlickung tun kann.
– auf www.tagesschau.de bloggt Chefredakteur Gniffke: „Wenn wir ehrlich sind, hätte man jedes, ja wirklich jedes unserer heutigen Themen auch lassen können.“
– auf der Homepage des niedersächsischen SPD-Chefs Garrelt Duin steht: „Einen Sitz im NDR-Rundfunkrat habe ich seit Mai 2007 inne.“
Aha. Naja. Na dann.

Sommerloch schluckt Sommerloch.

per:form intermedia – 10 Sätze zum Fernsehen

In Medien on 13. Juli 2006 at 16:37
1. Rudi Carrell ist tot.

2. Fernsehen macht müde,

3. Fernsehen ist out,

4. Fernsehen ist langweilig und uninteressant.

5. Irgendwie wollen wir trotzdem alle (ins, ans) Fernsehen und KÖNNTEN ES BESSER:

6. Humor als Ton, Authentizität als Form und Würde würde gut sein.

7. Entinstitutionalisierung bringt Quote. (Aber wohin mit den Institutionen?)

8. Kleine Einheiten (Pop-Splits), immer mit der Ruhe (slow-TV) und der Kraft des Performativen, elitär, banal, jedenfalls individuell: Kiosk-TV wäre dann also mein Vorschlag, wenn wir sollten und dürften, was wir wollen und können – Menschen Geschichte(n) sprechen lassen und ihnen in die Augen schauen dabei,Waren und Wahrheiten zusammenbringen, hässliche Brötchen verknusen und Feinkunst, Unterhaltung aus dem Stand eben. Das könnte gehen.

9. Jung sein heißt: Lernen von alten Säcken – natürlich.

10. Kampf den Programmzeitschriften, die der Tod des Fernsehens sind!

Bei arte ist Bremen Tanzhaupstadt

In Kunst, Medien on 12. Dezember 2001 at 19:30

Die „Bewegten Spuren“ von Marcus Behrens

Bremens Mann bei arte ist Marcus Behrens: Der 33jährige Bremer Filmemacher arbeitet seit 1987 als Journalist, Hörfunk-Moderator und Nachrichtenchef bei Radio Bremen. Er hat für arte das Musikmagazin „Tracks“ erfunden – und ist jetzt so etwas wie der Tanz-Beauftragte des Kulturkanals. arte nämlich hat für den Tanz sonntags um 20.15 Uhr einen prominenten Sendeplatz eingerichtet, für den Behrens innerhalb der ARD „die“ Anlaufstelle ist. Für ihn, der schon mit zwölf Jahren fasziniert von Reinhild Hoffmanns Bremer Tanztheater war, schließt sich damit ein Kreis.

Heute (20 Uhr) wird im Maler-saal des Bremer Theaters sein Film „Bewegte Spuren“ uraufgeführt. Behrens verbindet darin die Beobachtung der Arbeit von Urs Dietrichs international besetzter Tanzcompagnie an der Produktion „Appetit mit einer Spurensuche in der Geschichte des Tanz-Theaters. Die Spielarten und Protagonisten des jungen Genres waren (außer Pina Bausch) allesamt eng mit Bremen verbunden. Mitte der 60er Jahre erfand Johann Kresnik sein Choreographisches Theater, „eine Geschichte erzählen“ sollte es, und politisch Stellung beziehen. Das war bis dahin im klassischen Ballett undenkbar. Ihm folgten Gerhard Bohner und Reinhild Hoffmann, die den Begriff Tanztheater prägten, sein Publikum entwickelten – und Bremen endgültig zum Mittelpunkt der Tanzwelt machten. Daran knüpften Heidrun Vielhauer und Rotraud de Neve, in den 90ern ein zweites Mal Hans Kresnik, und schließlich Susanne Linke und Urs Dietrich an.

Behrens zeigt zuweilen bizarr anmutende Bilder aus 30 Jahren Tanzgeschichte, während ihre Erfinder aufeinander bezugnehmend von ihrer Arbeit erzählen. Mitglieder des heutigen Ensembles berichten aus ihrem Bremer Alltag – und vom bremischen Tanztheater-Mythos, der sie aus Korea oder Brasilien an die Weser lockte … Ein Zentrum der Entwicklung zur Tanzmetropole war immer das Concordia als lange Zeit einmalige Raumbühne, in der Produktionen entwickelt, probiert und gespielt werden können – „bei der Übertragung von einer Probebühne auf die große Bühne verliert eine Inszenierung immer“, sagt Reinhild Hoffmann. „Hübner hat mit Kresnik hier etwas möglich gemacht, was es bis dahin nicht gab.“

Die Sparte Tanztheater wie die Spielstätte Concordia waren immer wieder Ziel von Angriffen der Kultursparkommissare. Klaus Pierwoß weist in Behrens Film darauf hin, wie wichtig es sei, für die Tanzkünstler gelegentlich das Wort zu erheben und sie gegen Sparkommissare und andere Banausen zu verteidigen. Schließlich sind die Tänzer und Choreographen nicht immer (wie Hans Kresnik) Leute der großen und lauten Worte, sondern drücken sich eben in erster Linie körperlich aus. Marcus Behrens Film kaschiert das nicht.

Im Herbst hat Behrens mit dem Choreographen Rui Horta in Portugal einen Tanz-Kurzfilm gedreht: „Im Freien, nur Bewegung, ohne Worte – ein Dance-and-Motion-Picture. Weitere internationale Tanz-Film-Produktionen für arte sind im Entstehen. Sein Traum wäre ein abendfüllender Spielfilm, getanzt und gedreht in den Straßen Brasiliens.

In Bremen hat er die Eigenart der Bremer entdeckt, „das kaputtzumachen, was erfolgreich ist – und dafür das erfolgreich haben zu wollen, was überall anders schon erfolgreich ist. Diese Stadt ist wie ein kleines Kind: Statt zu fördern, was neu ist und Erfolg hat, springt man immer auf schon abgefahrene Züge. So will er auch nicht der Bremer Regionalreporter für arte sein, sondern sich weiter auf Spurensuche auf der ganzen Welt begeben. Gelegentlich kommt man dabei auch an der Metropole Bremen nicht vorbei.

Carsten Werner

13.12.2001 taz Bremen Nr. 6625 Kultur 51 Zeilen, Carsten Werner S. 27
Rezension

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