carsten werners

Posts Tagged ‘Verflüssigungen’

Kulturtickets, Kulturloge

In Ideenwirtschaft, Konsumempfehlung, Politik, wörtlich! on 10. Dezember 2013 at 19:33

Am 11. Dezember 2013 haben wir in der Stadtbürgerschaft eine Große Anfrage der CDU zu den Erfahrungen mit dem „Bremer (Sozial-) Kulturticket“ debattiert:

Sehr geehrter Herr Präsident, liebe Kolleginnen und Kollegen, sehr geehrte Damen und Herren,

– ich bekenne und gestehe: Ich war immer ein bisschen skeptisch, was dieses Kulturticket als staatliches Angebot angeht. Bremen hat ja eine ganze Reihe etablierter, auch äußerst effektiver inklusiver Kulturangebote, die niedrigschwellig kulturelle Teilhabe ermöglichen: Das fängt erst einmal beim moks-Theater an, dessen Schulvorstellungen nach wir vor kostenlos für die Schülerinnen und Schüler sind – und das hört bei den fürs Publikum kostenlosen Kulturfestivals und Kulturfesten mit oft hochkarätiger Besetzung nicht auf. Auch die Eintrittsprese für Kultur und Unterhaltung in Bremen sind verhältnismäßig moderat – überregionale Veranstaltungs- und Künstleragenturen wissen davon Lieder zu singen.

Das Kulturticket kann bestimmte Veranstaltungsarten zugänglich zu machen für Menschen, die Transferleistungen erhalten. Insofern ist es eine Ergänzung zur Teilhabe und Zugänglichkeit zur Kultur. Aber – weil es ein staatliches Angebot ist, geht das nicht ohne Einschränkungen und vor allem nicht Regeln, nicht ohne Nachweise, auch nicht ohne Werbung. Der Aufwand und die Kosten sind in der Antwort des Senats ja auch offen angesprochen – ihre Grenzen auch. Und wo Regeln nötig sind, ziehen sie neue Regeln nach sich und das macht es dann kompliziert: Wo ein Hürde weggenommen werden soll, steht zack eine neue.

Aber: Dennoch war und ist es richtig, das Kulturticket einzuführen und auszuprobieren – weil das auch die Sinne geschärft und neue, weitere Ideen in Gang gebracht hat, was die kulturelle Teilhabe angeht! – Bei den Einrichtungen, bei den Veranstaltern und Künstlern.

Die Antwort zählt da ja viele Beispiele auf:  Die Hochschule für Künste oder die Kammerphilharmonie, die den bürokratischen Weg umgehen und die Menschen einfach in ihre Konzerte reinlassen. Auch das Bremer Theater und die Schwankhalle haben inzwischen alle ihre Veranstaltungen fürs Kulturticket geöffnet – auch im Vorverkauf, nicht als reines Restkartenangebot. In den Museen oder auch im Lagerhaus gibt es traditionell oft sehr günstige Tickets – und vor allem auch im Bildungsbereich sind viele Veranstaltungen ohnehin eintrittsfrei. Manche Einrichtungen reagieren in der eigenen Preisgestaltung auf die Herausforderung, möglichst unkompliziert für alle Einkommens- und Bevölkerungsgruppen offen zu sein: Das Bremer Theater bietet ganz stark verbilligte Schüler- und Studententickets an und bietet Schulklassen aus wirtschaftlich benachteiligten Stadtteilen über das Projekt „Klassen los!“ einen kostenlosen Vorstellungsbesuch an. In der Schwankhalle können Zuschauer ihren Eintrittspreis inzwischen frei wählen – das kennt man von der taz: Der Solipreis subventioniert das ermäßige Abo. – Das alles sind auch Effekte des Kulturtickets!

Ich kenne aus alten Theaterzeiten noch den Regieassistenten-Code am Einlass für den niedrigschwelligen Besuch: „Die gehören zu mir“ sagte man als Mitarbeiter – und dann war drin, wer rein sollte. Und auch heute wird vielfach und einfach der Zugang ermöglicht, das steht in der Senatsantwort etwas vorsichtiger – über Mitarbeiterkarten zum Beispiel oder ganz einfach über Freikarten. – Das hat übrigens in den Einrichtungen einen ganz einfachen Grund: Einer Veranstaltungsagentur bei der Abrechnung eine Kollegenkarte oder ein paar Freikarten mehr anzugeben ist einfacher und vermittelbarer, als Künstlern oder Agenturen aus München oder Stockholm einen Eintrittspreis von 3 Euro und das System Kulturticket zu erklären.

Eine große, die wichtigste Herausforderung bei der Zugänglichkeit von Veranstaltungen ist für uns Grüne, dass kulturelle Teilhabe auch wirklich Teilhabe am sozialen Leben ist: Und das gilt nicht nur für Transferleistungsempfänger, sondern muss auch für Niedrigverdiener ohne Transfer- und Sozialleistungs-Nachweis gelten! Für uns alle gehört zum kulturellen Leben und Erleben meistens eine Begleitung dazu – wenige gehen ja immer alleine ins Konzert oder ins Theater. Da kann es nicht nur um Restkarten für nicht ausverkaufte Lesungen gehen – Teilhabe ist, wenn jemand auch Werder Bremen mit erleben kann, große Oper, Udo Jürgens und Helene Fischer, aktuelles Kino – oder aktuelle Literatur: Warum sollten wir wirtschaftlich schlechter gestellten Menschen den Mainstream und können wir ihnen wirtschaftlich erfolgreiche Kultur versagen? Teilhabe heißt ja dabei sein, mittendrin, auch mitreden. Deshalb sind nicht zuletzt auch noch die klassischen Freikarten-Verlosungen in den Printmedien und den Radiosendern so beliebt.

Aber, wie gesagt: Ein staatlich organisiertes Kulturticket hat seine organisatorischen Grenzen und kann nicht alle Menschen erreichen und nicht jedes Kulturangebot abdecken. Die private Kultur- und Veranstaltungswirtschaft ist vom Kulturressort nur begrenzt erreichbar und steuerbar.

Wichtig wäre, alle die genannten Beispiele – und es gibt ja viel mehr – gebündelt zu kommunzieren. Das Internetportal „Bremen für lau“ hat das bis vor wenigen Wochen ganz vorbildlich – und ehrenamtlich – gemacht und Tag für Tag kostenlose Termine, Kartenverlosungen und eigens recherchierte und verhandelte Angebote gesammelt und redaktionell aufbereitet. Leider hat der Betreiber das jetzt gerade aufgegeben. Es wäre schön, wenn es sowas wieder und weiter gäbe!

In vielen deutschen Großstädten gibt es die so genannten „Kulturlogen“ – ehrenamtliche Initiativen, den Lebensmittel-Tafeln ähnlich, die kostenlose Tickets sammeln und an ihre Klienten je nach deren Interessensgebieten verteilen – oder ihnen auch mal gezielt Eintrittskarten besorgen: Und zwar immer zwei! Für Geringverdiener, für Transferleistungsempfänger – und für Partner die sie begleiten; damit sie jemanden mitnehmen, auch mal jemanden einladen können!

Eine Kulturloge gibt es in Bremen noch nicht. Vielleicht ist die Debatte hier heute ein Anlass, so etwas anzustoßen – vielleicht auch aus dem Kreis von uns Abgeordneten hier in der Bürgerschaft?  Das würde mich freuen. Damit könnten wir das Kulturticket – neben den vielen anderen Maßnahmen- gemeinsam mit der Kulturszene und Kulturwirtschaft noch weiter sinnvoll ergänzen. – Und auch für diese Idee hat es das „Kulturticket“ gebraucht!
– Vielen Dank.

Werbeanzeigen

Gegen Internet-Panik: Muttis Pillen schlucken

In Medien, wörtlich!, Welt on 20. Juni 2013 at 09:42

Der Spruch der Bundeskanzlerin vom #Neuland, das „auch Feinden und Gegnern unserer demokratischen Grundordnung (ermöglicht), mit völlig neuen Möglichkeiten und völlig neuen Herangehensweisen unsere Art zu leben in Gefahr zu bringen“, ist eine Binsenweisheit. „Das Internet ist Neuland“ wäre so richtig und so überflüssig als Aussage wie „Nachts ist es kälter als draußen“ – wenn nicht der Kontext des Gesagten (NSA, Prism, VDA) daraus eine hochpolitische Beruhigungspille á la „Die Ersparnisse der Deutschen sind sicher“ daraus machen würde: Weil das so neu ist, darf auch mal was schiefgehen? Prism und Tempora, das Planen und Agieren der Geheimdienste als Panne in einem Zukunftsexperiment? Bei dem „die „Feinde“ witzigerweise mal so ein bisschen keck im eigenen Freundes- und Kulturkreis sitzen?

Da ist nichts schiefgegangen – sondern gerade in diesem Kontext ist das Internet alles andere als Neuland: Planvoll entwickelte und angewandte Technik. Das macht den Satz zum Politikum. Mutti ist nicht technisch unbefangen, sondern sie will sagen: Kümmert Euch nicht drum, fragt nicht, zweifelt nicht, redet nicht so aufgeregt drüber – wir regeln das. Das mag Fortschritts-Ängstliche und Veränderungspaniker beruhigen. Für Skeptiker, Techniker, Intellektuelle, Fortschrittswillige muss es bedrohlich klingen.

Denn natürlich weiß Merkel ja sehr genau, dass das Internet einzusetzen, zu benutzen und zu verstehen (und das meint nicht Surfen, Mailen, Googeln!) ein wichtiger Teil ihres Jobs ist. Nicht, dass sie „keine Ideen und Zukunftsvisionen“ hätte, wie viele Akteure der Netzkultur jetzt grienen und greinen, ist das Problem damit. Sondern gerade die vorhandenen Ideen und Visionen von ihr, ihrer Partei, ihrer Regierung, deren Verbündeten (aber eben auch und vor allem weit über Partei- und Landesgrenzen hinaus) müssen einem Angst und Sorgen machen: Prism und Tempora sind kein Unfall und technisch und rechtlich gesehen eigentlich auch keine Überraschung – sondern staatliches Handeln. Totale Überwachung ist nicht mehr eine witzige oder beängstigende Idee George Orwells, keine Verschwörungstheorie oder ein durch Datensparsamkeit und Medienkompetenz irgendwie zu umgehendes Risiko: Totale Überwachung ist Realität. Damit werden wir leben müssen.

Das Internet ist für Angela Merkels Regierung kein Neuland, kein Experiment, sondern ein strategisch und vielfältig beackertes Feld. – zeit.de fasst das zusammen: „Vorratsdatenspeicherung, Netzsperren, Bestandsdatenauskunft, Staatstrojaner, Leistungsschutzrecht und die ausbleibende Reform des Urheberrechts, der stockende Breitbandausbau, eine Stiftung Datenschutz ohne Datenschützer, die Blockade der EU-Datenschutzverordnung, die Weigerung, Netzneutralität gesetzlich festzuschreiben, die gescheiterte Selbstverpflichtung für soziale Netzwerke, sich an deutsches Datenschutzrecht zu halten und nun auch noch ein geplanter Ausbau der Internetüberwachung beim BND – so sieht die netzpolitische Bilanz der schwarz-gelben Regierung nach zwei Legislaturperioden aus.“ Und das alles aus Unkenntnis, Unerfahrenheit, Unwissen, nun endlich eingestanden? Nein, dahinter stehen Haltungen zu Freiheit und Sicherheit, zu Privatheit, Individualismus und Veränderungen, dahinter stehen Klientel und Lobbyisten, dahinter steht ein Staatsverständnis und eine Haltung zu Bürgerrechten.

Kultursoli für Projektförderung?

In Politik, Stadt, wörtlich! on 13. Juni 2013 at 13:06

In der letzten Sitzung der Kulturdeputation wurden die Haushaltsentwürfe des Kultursenators vorgestellt.  Der vom Kultursenator vorgelegte Haushaltsentwurf sieht eine Halbierung der für freie Projekte verfügbaren Projektmittel vor. Wir Grünen werden uns gemeinsam mit der SPD in den weiteren Verhandlungen weiter für eine weiterhin ausreichende Projektmittelförderung und auch für eine Förderung des erfolgreichen Figurentheaters „Mensch, Puppe!“ einsetzen. Gleichzeitig gibt es „Großbaustellen“ vor allem in der Museumslandschaft. Wir stoßen also auch im Kulturhaushalt an die Frage, was sich Bremen leisten kann und muss.

Auf die – finanziell vergleichsweise preiswerten, aber umso vielfältigeren, effektiven und fantasiereichen – Innovationen, Anregungen und Möglichkeiten, die temporäre Kulturprojekte und -kooperationen der Stadt und der Gesellschaft – oft als frei zugängliche, eintrittsfreie Festivals und Angebote im Stadtraum – bieten, wollen wir dabei nicht verzichten. Sie dürfen nicht zur Verfügungsmasse werden. Wir müssen sie im Gegenteil viel selbstverständlicher machen. Deshalb haben wir uns in den vergangenen Jahren für ein neues, transparentes und fachlich vernetztes Projektmittel-Vergabeverfahren eingesetzt.

Deshalb werden wir im Haushaltsentwurf auch noch einmal genau nach alternativen Einsparmöglichkeiten suchen. Außerdem sollen mögliche Mehreinnahmen bei der CityTax für die Förderung der freien Szene genutzt werden. Und wir können uns vorstellen, dass größere, publikumsträchtige kulturelle Veranstaltungen in Bremen durch einen kleinen Anteil vom Vollzahler-Eintrittspreis, einen „Kultur-Euro“, zu einer verlässlichen Finanzierung der Projektmittel und damit zur Anerkennung der Projekte als Entwicklungsmotor beitragen. Welche Veranstaltungen oder Veranstalter dazu geeignet und bereit wären, welche juristischen Voraussetzungen dafür bestehen, wie eine freiwillige Lösung aussehen könnte – all das wird nun geprüft. Mir scheint das zumindest eine Diuskussion und Prüfung wert – denn die Alternative wäre nur, die Kürzungen hinzunehmen oder an anderer Stelle im Kulturhaushalt zu kürzen.

Projektförderung ist dabei kein Sahnehäubchen – weder für die Kulturpolitik noch für die Akteure. Und Projekte sind nicht bloß das „Salz in der Suppe“ – sondern ein wichtiger Motor von Entwicklung: Ohne die Ideen, Impulse, Versuche,  Kooperationen und Experimente von Künstlern, Kulturinitiativen und Kultureinrichtungen wären Erneuerung und Weiterentwicklung viel schwieriger und theorielastiger. Das gilt für die Künste, für kulturelle Teilhabe, neue Kulturtechniken und letztlich auch für viele weitere Politik- und Gesellschaftsbereiche wie die Stadtentwicklung, das soziale Zusammenleben, für Bildung, Wissenschaft, Wirtschaft und Medien.

Ein „Kultur-Euro“ oder „Kultur-Soli“ des zahlungsfähigen und -willigen Publikums publikumsträchtiger Veranstaltungen könnte die dem Kulturhaushalt zugutekommende CityTax sinnvoll ergänzen, das Bewusstsein für eine lebendige Projektlandschaft und Kulturszene schärfen – und zudem eine Chance bedeuten, das Kulturmarketing Bremens im gemeinsamen Interesse der geförderten und auch der privaten Veranstalter deutlich auszubauen.

„Wirtschaftswachstum ist nicht das Maß der Dinge – neue Indikatoren für Wohlstand und Lebensqualität“

In Politik, wörtlich!, Welt on 5. Juni 2013 at 18:42

(M)ein(e) paar Argumente für das Grüne Wahlprogramm-Schlüsselprojekt Nr. 5:

„Mein Projekt“: Nr. 05 – „Wirtschaftswachstum ist nicht das Maß der Dinge – neue Indikatoren für Wohlstand und Lebensqualität“

Wirtschaftswachstum ist nicht das Maß aller Dinge und das Maß von Wohlstand – wir wollen neue Indikatoren und Maßstäbe für Wohlstand und für Lebensqualität in die Politik und ins staatliche Tun bringen. Bisher ist der Maßstab dafür das Bruttoinlandsprodukt – das steigt aber auch durch Umweltverschmutzung, Unfälle, Krankheiten und Umweltkatastrophen und deren Beseitigung.

Ich finde, dass Politik noch viel mehr auch immaterielle Werte zum Maßstab von staatlichem Handeln machen muss. Dabei und dazu muss man gesellschaftliche Realitäten anerkennen. Die zu sehen und wertzuschätzen, wären schon ein wichtiger Schritt in Richtung neuer Kriterien für Lebensqualität. Das gilt von der Mehrstaatigkeit bis zur Homoehe, in der Familienpolitik und auch für die Arbeitswelt:

Die Welt ist viel bunter und vielfältiger, als das viele Gesetze und Vorschriften und auch die Besetzung vieler Gremien vorsehen. Individuelle Lebensformen und individuelle Arten, zu arbeiten oder zu wohnen, Aus- und Freizeiten zu nutzen  – Vieles  hat sich in den letzten Jahren und Jahrzehnten verändert im Zusammenleben und in der Zusammensetzung unserer Gesellschaft. Deutschland ist eine Einwanderungsgesellschaft, eine moderne und bunte, vielfältige, kreative Gesellschaft.

Wir müssen raus aus den vielen Parallelwelten , müssen Nachbarschaft und Stadt gemeinsam leben und entwickeln. Freiheit muss nicht immer die Freiheit VON sein – Freiheit ist vor allem auch die Freiheit ZU … – gestaltetem Leben, zu Selbstvertrauen und Selbstbewusstsein, Freiheit zur Gestaltung und Wahrnehmung.

Deshalb ist uns Grünen eine Beteiligungskultur nicht nur im politischen Bereich wichtig, sondern im ganzen Stadtleben, in der sozialen Verantwortung, in der Entwicklung unseres Gemeinwesens, in der wirtschaftlichen Teilhabe. Was und wer „gesellschaftlich relevant“ ist, wie das immer etwas technokratisch heißt, müssen wir neu verhandeln und ständig aktualisieren.

Wenn wir Vielfalt und Indiviualität als Wert verstehen und zur Grundlage von Politik machen, dann ergibt sich daraus ein Mehrwert an Möglichkeiten, an Erfahrungen und Kompetenz für alle Lebensbereiche – und auch andere, weitere Maßstäbe für Wohlstand:

–         Eine lebenswerte Umwelt  – der Stadtraum, der einlädt zum Verweilen und zum Austausch, intakte und gesunde Grünräume, saubere Luft, bezahlbares Wasser: Alles das ist Wohlstand! Und der ökologische Fußabdruck ist so messbar wie das alte Bruttoinlandsprodukt.

–         Zeit muss für die Politik eine wichtigere Rolle spielen: Zeit, die gutes Leben ausmacht: Zeit für die Familie, Zeit für Muße und Innovationen, Zeit für Kultur und Gefühle, Zeit für Nachbarn und Mitmenschen – Zeit für Wahrnehmung. Auch Zeit ist sehr einfach messbar.

–         Vielfalt und Diversität, Austausch und Interaktion sind in der Wirtschaft, im sozialen und kulturellen Bereich genau so wichtig für Entwicklungen und Innovationen, wie sie wichtig für Umwelt und Evolution sind – bunt sind nicht nur Werbung und Konsum.

–         Und Konsum muss nicht nur Shopping und Verbrauch sein – Konsum ist auch der Genuss von gutem Essen, von Musik und Filmen und Literatur: Auch den kann man messen – in Wissen, in Gesundheit, in Zeit.

–         Wissen und Kreativität sind wichtige, unbegrenzte und erweiterbare Ressourcen einer freien und freiheitlichen Gesellschaft – Geld ist dafür nur eine von vielen Maßeinheiten.

In allen diesen Bereichen ist das Wachstumspotential riesig – und der Wohlfühlfaktor, der subjektive und individuelle Wohlstand, effektive Lebensqualität sind gar nicht so schwierig zu erreichen; wenn wir sie wahrnehmen, sie auch politisch und ökonomisch anerkennen – sie möglich machen und wirken lassen.

Deshalb bin ich für eine Nachhaltigkeitsberichterstattung in Wirtschaft und Gesellschaft, für soziale und ökologische Kennzahlen, für soziale und kulturelle Parameter bei der Bemessung wirtschaftlicher und gesellschaftlicher Erfolge und Entwicklungen.

… und dazu gibt es natürlich noch ein paar mehr Projekte, die mir am Herzen liegen:


Nachahmung erwünscht: Bürgerbeteiligung vervielfältigen!

In Ideenwirtschaft, Politik, Stadt, wörtlich! on 21. Mai 2013 at 15:07

Die Grünen haben eine Kleine Anfrage zur Evaluation und Nutzbarmachung von Erfahrungen in Projekten der Bürgerbeteiligung an den Senat gerichtet. Denn Bremens Vorreiterrolle in differenzierter und frühzeitiger Bürgerbeteiligung sollte ausgebaut, kommuniziert und weiterentwickelt werden: Nachfolgeprojekte können von einer Dokumentation und Weitergabe der Erfahrungen sehr profitieren.

Gerade weil die Methoden und Werkzeuge für die Bremer Beteiligungs-Projekte sehr individuell sind und von den jeweiligen AkteurInnen und deren Erfahrungen geprägt werden, ist das „Festhalten“ der Verfahren, Methoden und Maßnahmen, die teilweise erst im Prozessablauf erprobt und entwickelt werden, eine große Herausforderung. Die Antwort des Senats macht deutlich, wie in Bremen Bürgerbeteiligung praktisch, pragmatisch und individuell unterstützt und immer wieder neu entwickelt wird. „So können Beteiligungsformen gefunden und praktiziert werden, die nah an der Sache und nah an den Bürgerinnen und Bürgern sind“ und direkt „am jeweiligen Projekt entwickelt werden“, schreibt der Senat. Die inzwischen auch vermehrt überregionales Interesse weckenden Bremer „Beteiligungs-Kultur“ sei vermutlich deshalb relativ breit
ausgeprägt und erfolgreich, weil sie immer wieder „graswurzelartig“ wachse und immer wieder neu variiere, um stets lebendige, passgenaue und pragmatische Beteiligungsverfahren zu gewährleisten.

Ob Schwimmbad oder Autobahn, Vergabe von Fördergeldern für die Kreativwirtschaft oder Entwicklung neuer Stadtviertel wie im Hulsberg-Quartier, ob Verkehrsentwicklungsplan oder Flächennutzungsplan, ob Jugendbeteiligung oder Business Improvement Districs (BID) – viele für die Stadtentwicklung wichtige und notwendige Projekte werden durch entsprechende Beteiligungsformate erst lebendig. Es lohnt sich, die Kompetenz von BürgerInnen, Betroffenen und Interessenvertretungen zu nutzen und in staatliches Handeln zu integrieren. Dabei sollten wir beachten, dass gut gemachte Bürgerbeteiligung nicht nur eine Form der Problemlösung oder -vermeidung ist – sondern dass es sich für Bremen auch geldwert lohnt, wenn Initiativen und Engagement, Wissen und Ideen von Bürgerinnen und Bürgern wachsen und wirken können: Das gilt für die Stadt- und Quartiersentwicklung ebenso, wie es für die Kulturlandschaft, für soziale Anliegen oder etwa für ein effektives Mund-zu-Mund-Stadtmarketing hilfreich, ideengebend und stilprägend sein kann.

Bürgerengagement, -interesse und -wissen müssen gestärkt und gefördert, genutzt und fruchtbar gemacht werden, wo sie die Gemeinschaft stärken und Erfahrungen für die Gesamtgesellschaft produktiv machen – das wirkt im besten Sinne nachhaltig und damit nicht zuletzt auch kostensparend. Das gilt nicht nur für die politische Teilhabe, sondern durchaus auch für die Beratung zu genossenschaftlichen Wirtschaftsmodellen, für Baugruppen und für viele Träger im Sozial- oder Kulturbereich. – Je individueller die Rahmen und die Regeln dafür geschaffen und angewandt werden, desto größer dürfte der Effekt sein – und desto mehr Ideen können sprudeln und sich verbinden: Wenn die Blicke über den eigenen Tellerrand, die eigene Filterbubble, die eigene Nachbarschaft hinausgehen, wächst neben Wissen und Erfahrung auch das Verstehen und Verständnis für die vielen „Parallelgesellschaften“ und -interessen in unserer Stadt und Gesellschaft – und Bremen wird erneuerbar.

Die Anfrage und die Antwort des Senats finden Sie hier: http://gruenlink.de/iul

Fähr‘ doch mal rüber !

In Politik, Stadt, wörtlich! on 14. Mai 2013 at 22:21

Meine Rede zum Antrag „Stadtteile am Fluss über den Fluss verbinden“

Im Jahr 1987 sind die Grünen in den Bürgerschaftswahlkampf gezogen mit der Parole „Mit dem Gesicht statt mit dem Arsch zur Weser“.

Nach der Wahl beschrieb der Abgeordnete Fücks damals hier im Parlament eine Vision für das Jahr 1999 mit einer Reise von Hemelingen bis Blumenthal – das liegt in Bremen-Nord ;-) – entlang der Weser, vorbei an Wohnungen, Gründerzentren, alternativer Energieerzeugung, Filmstudios, und einem innerstädtischen Schiffspendelverkehr über die Weser. Laut Herrn Fücks – so erzählt er es jedenfalls heute – soll damals der Abgeordnete Wedemeier dazwischengerufen haben: „Das ist eine Rede gegen Bremen!“ Der damalige Präsident der Bürgerschaft wollte Herrn Fücks das Wort entziehen.

Das Thema war jedoch in der Welt, und mit dem Verein Weserlust, des Bremischen Vereins Hal över und vielen kleinen Projekten auch in Gröpelingen, Walle und Bremen-Nord begann es. Das ist lange her, und es hat etwas länger gedauert, als bis zum Jahr 1999 – als es eigentlich erst richtig begann. Es wurde vorher noch mit Verve dort ein Großmarkt gebaut, der aber auch nichts mehr verhindern konnte. Heute kann man sagen, dass ziemlich viel von dem, was Herr Fücks vor 26 Jahren hier zusammengesponnen hat, so ähnlich eingetreten ist, und darüber sind wir froh, und wir sind stolz darauf: Die „Stadt am Fluss“ lebt, funktioniert und ist ein großer – der wichtigste, wie ich finde – Erfolg der Stadtentwicklung Bremens in den vergangenen Jahrzehnten!

Deshalb haben wir uns sehr über den Antrag von Herrn Pohlmann und der SPD-Fraktion gefreut. Über den Antrag im letzten Jahr zur „Stadt am Fluss“ haben wir uns ja auch schon gefreut. Aus dem Fücks’schen Filmstudio sind das Pier 2 und ein Varietétheater geworden, und manche hoffen im Moment darauf und arbeiten dafür, dass auch noch ein Museum hinzukommt. Die schöne Idee des Schiffspendelverkehrs aber wollen wir mit Herrn Fücks und allen Bremerinnen und Bremern, die davon noch träumen, gern weiterverfolgen, weil es viel mehr als eine schöne Idee ist. Herr Pohlmann hat es soeben sehr ausführlich beschrieben, das alles will ich gar nicht wiederholen. Die Weser ist wieder zum Gesicht, zum Zentrum der Stadt geworden.

Viele Akteure und Initiativen in Gröpelingen, Woltmershausen und Walle haben sich aufgrund der großartigen Entwicklung der Überseestadt und der schönen, erschlossenen Grünanlagen und Wasserlagen in Pusdorf in den letzten Jahren wieder verstärkt für Fährverkehre eingesetzt. Bei allen, die es nicht nur gefordert haben, sondern auch durch ihre oft ehrenamtliche Arbeit in den Stadtteilen, der Kultur, den Beiräten und den Nachbarschaften schon an den Aktionstagen in den vergangenen Jahren immer wieder ermöglicht haben und dieses Jahr zum ersten Mal sogar einen regelmäßigen Fährverkehr an den Sonn- und Feiertagen ermöglichten, möchte ich mich hier sehr herzlich bedanken!

Genau solche Modelle und Erprobungen braucht die Stadtentwicklung auch und immer wieder. Man muss es einfach mal machen, und dann sieht man, dass es auch anders gehen kann, als es immer schon ging! Und in diesem Fall ging es ja sogar ganz früher schon einmal. Wir wollen das Experiment deshalb politisch begleiten und schauen, was die Fähren über die und entlang der Weser neben der Freizeit und der konkreten nachbarschaftlichen Verbindung von Stadtteilen vielleicht auch für den ÖPNV und die Entwicklung der Wohnlagen und der Arbeitsstätten in der Überseestadt, in Gröpelingen und in Woltmershausen bedeuten können und was sie für die Durchmischung der Stadtteile bewirken können, über die wir häufig sprechen und an der wir arbeiten.

Lassen Sie es uns konstruktiv und zukunftsgerichtet anschauen und herausfinden. Fahren Sie dazu als Erstes einmal an einem Sonntag einfach mit, und stimmen Sie bitte unserem Antrag zu!

update: Erfolg des Testbetriebs und weitere Pläne – Weser-Kurier v. 27.11.2013

Leviten und Kaffeesatz gelesen: Kultur(politik) braucht Konkurrenz, Konzepte und Kommunikation, Kritik und Kriterien

In Ideenwirtschaft, Kunst, Politik, wörtlich! on 14. Dezember 2012 at 19:00

Liebe Kulturtreibende und KunstgenießerInnen,

„Leviten und Kaffeesatz lesen“ sollten uns Sönke Busch, Jochen Bonz, Christina Vogelsang, Renate Heitmann und Arie Hartog am 5. 12. im Gerhard-Marcks-Haus, Impulse für grüne Kulturpolitik haben wir uns gewünscht und in fünf nachdenklichen, so kritischen wie inspirierenden Reden bekommen.

Nun lässt sich aus 120 Minuten Veranstaltung und individuellen nächtlichen Nachbereitungen schwerlich ein kulturpolitisches Programm ableiten. Wir wollen deshalb weiter arbeiten und die Diskussionen fortsetzen. Dazu werden wir im neuen Jahr ein Blog einrichten, auf dem das geschehen kann – und sicher „viel Kaffee trinken und besprechen“, wie es im Lauf der Debatte hieß.

Zu den drei großen Themenkomplexen Teilhabe und Inklusion, kulturelle Bildung und Kompetenz sowie der gesellschaftlichen Lage vor allem des kulturellen Nachwuchses – die unsere politische Arbeit ja auch jenseits der Kulturpolitik intensiv beschäftigen – haben sich aus meiner Sicht folgende Herausforderungen und Denkansätze aus unserem Treffen herauskristallisiert, die wir weiter diskutieren und entwickeln sollten:

–         Die Nachwuchsförderung beginnt mit der Wahrnehmung und Akzeptanz von Kulturformen und Kulturtechniken auch der nachwachsenden Generationen; das gilt für die kulturelle Bildung, das Leben in Alltags- und Freizeitkulturen sowie für die Märkte der Kulturwirtschaft (wie Kino, TV, Buchmarkt, Spiele und Internet) gleichermaßen.

–         Kultur ist in der Gesellschaft „angekommen“ und ist inzwischen selbstverständlicher Teil auch der Stadtentwicklung, der Bildung, der sozialen Inklusion und des Wirtschaftslebens. Kunst, Kreativität und Kulturpolitik dürfen sich in diesen Bereichen weder verbiegen noch ihre Eigenart verwässern; sie sind nicht die gesellschaftliche Pannenhilfe. Vielmehr müssen sie selbstbewusst um ihre Ansprüche, Identitäts- und Qualitätskriterien ringen, auch für ihren eigenen sozialen Status kämpfen.

–         Lese-, Schreib- und Medienkompetenz sind Voraussetzungen für eine funktionierende Demokratie – kulturelle Bildung ist deshalb ein wesentliches Element zeitgemäßer Bildungspolitik. Künstler und Kreative können dazu ihre Kunstfertigkeiten, ihre Maßstäbe und Ideen beitragen – sie dürfen und können aber nicht Pädagogen ersetzen.

–         Teilhabe bedeutet auch im kulturellen Bereich Anerkennung, Akzeptanz, Kommunikation und Wahrnehmung.

–         Es gilt eine Krise der Kritik, mehr vielleicht noch eine „Krise der Kriterien“ zu überwinden.

Die größte Herausforderung für eine erfolgreiche Kulturentwicklung und Kulturpolitik in diesem umfassenden Sinne scheinen mir die vielfältigen disparaten Scheuklappen- und Tunnelperspektiven, Befindlichkeiten und Interessenslagen (und auch Desinteressenslagen) der einzelnen Sparten- und Institutionen-Ebenen in Kultur und Politik zu sein. Denn Kulturpolitik, Kulturentwicklung zumal, können nicht politische Parteien betreiben: Wir sind angewiesen auf Ideen, Impulse, Forderungen all derer, die sich für Kunst und Kultur interessieren und sie konsumieren – wie und warum auch immer. Kulturverwaltung kann erst verwalten, was ist.

Deshalb brauchen wir neue Diskursfreude und Streitkultur, eine Perspektivendebatte über Kunst und Kultur. Kultur muss sprechfähig sein – wie alle anderen gesellschaftlichen Interessengruppen und –vertretungen auch. Die Frage „Was wollt Ihr denn?“ richtet sich an alle, die Kultur wollen. Zu ihrer Beantwortung braucht es Konkurrenz, Konzepte und Kommunikation, Kritik und Kriterien!

Warum ist aktuelle Kulturpolitik – von der konkreten Förderung künstlerischen Nachwuchses und kultureller Netzwerke über die Erhöhungen und Verbesserungen der Projektförderung oder das Einrichtungs-Contracting bis hin zur Sonntagsöffnung der Bibliotheken oder der Raumsuche für Theaterlabor, Wilde Bühne oder Zuckerwerk, um einige wichtige grüne Anliegen zu benennen – in der Szene so wenig bekannt? Warum wird in Bremens Kunstszene über Bauten und Beraterverträge gestritten – und so wenig über Konzepte? Hat denn wirklich niemand – über die direkt und persönlich Engagierten, Betroffenen und Verantwortlichen hinaus – in Bremen Interesse und Ideen für die Zukunft des Überseemuseums, der Weserburg, der GAK, der Städtischen Galerie oder der Kultur in der Überseestadt? Schon in der Diskussion, allein in einem Wettstreit der Ideen über diese öffentlichen Angelegenheiten liegen unendliche Potentiale der Teilhabe und Erkenntnis, der kreativen Betätigung und Auseinandersetzung, der Kultur- und Stadtentwicklung!

Ist die immer wiederkehrende Klage einzelner Künstler und Kulturschaffender über fehlende Aufmerksamkeit durch die Politik nicht auch eine Klage über fehlende Aufmerksamkeit der Szene selbst, des Publikums und der Medien? Müssen, sollten, können PolitikerInnen dieses Defizit kompensieren? Würde es der Szene, der Kritik, dem Diskurs, den Ideen aufhelfen, wenn sich ein paar PolitikerInnen ein paar mehr Bilder, Konzerte, Inszenierungen ansähen? Ich glaube nicht, dass sie im Kulturpublikum unterrepräsentiert sind – weder KulturpolitikerInnen noch die VertreterInnen der vielen anderen Politikbereiche aller Parteien. Wir müssen und können die Rahmen für Kreativität und Kulturvermittlung verändern – durch verbesserte, transparentere Vergabeverfahren, durch Kommunikation, durch Finanzierungen und die Bereitstellung von Räumen, durch das Erkennen und Stärken von Entwicklungen, natürlich auch durch das Hinterfragen von Etabliertem, das Provozieren von Neuigkeiten, das Stützen von Waghalsigem, Vorsichtigem und Visionärem.

Darüber lasst uns auch 2013 weiter diskutieren und streiten!

Ein vorauseilender Sommernachtstraum: Bremen 2022

In Ideenwirtschaft, Politik, Stadt, Welt on 3. Dezember 2012 at 10:00

Für die Bremer Grünen verfassen Mitglieder jeden Freitag einen Meinungsbeitrag. Im Sommer haben wir uns Gedanken gemacht, wie die Zukunft unserer Stadt aussehen könnte, für die wir arbeiten – Grüne Denkanstöße zur Diskussion und Verständigung.

 

Hier mein vorauseilender Sommernachtstraum: Bremen 2022 – kreative, soziale Stadt der Ideen!?

Auch viele grüne Kollegen haben sich sommerliche Gedanken gemacht:

Robert Bücking meint: Der Geist der Bürgerbeteiligung ist aus der Flasche. Den bekommt man da auch nicht wieder rein. BürgerInnen wollen mitreden, machen sich schlau, machen Druck, definieren ihre Ziele und Interessen, an allen Ecken und Enden der Stadt. Wie geht es damit weiter?

Hermann Kuhn fällt auf, dass Wünsche und Träume und gute Absichten ziemlich selten durch Politik machbar und beeinflussbar sind. Deshalb: eine Mahnung zur Bescheidenheit – und Ideen für 2020.

Kirsten Kappert-Gonther: Bremen ist reich, Bremen und Bremerhaven sind reich an der Vielfalt der Menschen, ihrer unterschiedlichsten Vorstellungen, Wünsche und Bedürfnisse, ihrer unterschiedlichen Herkunft, ihres unterschiedlichen Glaubens, ihrer unterschiedlichen Fähigkeiten.

Joachim Lohses grüne Visionen und Fakten für Bremen: Klimaschutz, Wohnungsangebote sowie bessere und nachhaltige Verkehrsbedingungen für alle Verkehrsteilnehmer.

Zahra Mohammadzadeh über den Anfang der Menschwerdung, an dem wir noch stehen – ein Augenblick in Millionen Jahren Evolution.

Michael „Pelle“ Pelster über Gesche und Roland im Jahr 2020 – und was bis dahin zu tun ist.

… und jeden Freitag gibt es eine neue grüne „Meinung am Freitag“.

 

Ein vorauseilender Sommernachtstraum: Bremen 2022 – kreative, soziale Stadt der Ideen!?

Bremen hat sich seiner Eigenheiten besonnen und lockt mit seinem Stadtmarketing Besucher, die sich für die Soziale Stadt, eine Stadt diversifizierter Quartiere und Communities interessieren, die im Austausch und Ideenstreit miteinander den Stadtstaat als Experimentier- und vor allem Erkenntnislabor für die überall wachsenden Städte in Deutschland entwickeln: Bremen ist als erste deutsche Großstadt „European Transition Town“ die unter dem Motto „Stadt der Ideen“ Wert auf regionale und lokale Versorgung, eigenständige und sublokale Entwicklung legt. Bremens tradiertes Image und Selbstverständnis als tolerante, soziale und kreative Stadt mit hoher Lebensqualiät und ökologischem Anspruch war dafür eine ebenso wichtige Voraussetzung wie die Erklärung aller Bundesländer und der Bundesregierung zur Eigenständigkeit und Entschuldung Bremens von 2020.

Dafür hat Bremen schon Jahre zuvor die Weichen gestellt und gute Voraussetzungen geschaffen: In der City wird wieder gewohnt und gelebt. Arbeiten und Wohnen gehören wieder zusammen. Eine kleinteilige, konkrete Stadtentwicklung zur sozialen Durchmischung des Wohnens und Arbeitens, aber auch des kulturellen und gesellschaftlichen Lebens wirkt sich auf alle sozialen Bereiche, aber auch auf die Inhalte der wissenschaftlichen, kulturellen und medialen Angebote aus. Teilhabe ist kein fernes politisches Ziel und kein weitgehend undefiniertes politisches Projektionsfeld mehr, sondern gelebte Erfahrung und Verantwortung. So gewinnen Visionäre, WissenschaftlerInnen, KünstlerInnen und kreative UnternehmerInnen zunehmend Einfluss auf Politik und die städtische Entwicklung: Sie bilden neue Träger und übernehmen gesellschaftliche Aufgaben. BürgerInnen und IdeeninvestorInnen entwickeln Quartiere, erkennen und planen Veränderungen für ihre Stadtteile, schaffen Öffentlichkeit, entwickeln ihre Räume und Gebäude, ihre sozialen Einrichtungen und ihre Natur. Brachen sind keine Problemzonen, sondern eröffnen neue Möglichkeiten.

Die Bremische Bürgerschaft hatte dazu 2015 ein umfangreiches Genossenschafts-Förderprogramm beschlossen. Im Bremer Parlament sitzt inzwischen auf jedem 5. Platz ein Mensch mit familiären oder frischen, konkreten Erfahrungen, die wir 2012 noch als „Migrationshintergrund“ bezeichnet haben – auf jedem 10. Sitz haben KünstlerInnen, PhilosophInnen und Kreative Platz und Stimme gefunden. Das Senatsressort für Stadtentwicklung ist längst auch für Kultur, für Stadtmarketing und Tourismus zuständig.

Aus dem ehemaligen Bürgerrundfunk und dem ehemaligen Stadtportal „bremen.de“ war 2015 ein öffentlich-rechtliches Stadtmedium geworden, in dem Kinder, Lehrende und Lernende, Kreative und WissenschaftlerInnen, Bürgerredaktionen und Alltagspezialisten aller Quartiere und Disziplinen Bremens sich gegenseitig informieren, beraten und gemeinsam Bremens Ideenreichtum und Bremens Entwicklungskraft darstellen und im Diskurs weiter entwickeln – 2022 bekam „Bremen Live“ dafür den Grimme-Preis und einen Echo. Die offen und jederzeit sichtbaren Ideen der BremerInnen und Bremer haben auch das lokale Tageszeitungsmonopol radikal verändert: Der Weser-Kurier erreicht weiter fast jeden Haushalt – als populäre Wochenzeitung, die sich mit relevanten Ideen beschäftigt, mit viel journalistischer Energie und Neugier tiefer Analyse, Aufklärung, Teilhabe und Zukunftsideen widmet, mit den Bremern und ihren Gästen Haltungen, Gemeinwesen, Heimat und Zugehörigkeit entwickelt. Nachrichten empfängt man per Internet und Digitalrundfunk.

Die Quartiere und die Bremer City können frei von Autos befahren werden – der Autoverkehr ist aber aufgrund der guten Nahversorgung und der hohen Anschaffungs- und Betriebskosten radikal zurückgegangen und wird immer weniger als Bedrohung für andere Verkehrsteilnehmer und das Stadtbild empfunden. Carsharing ist das Mittel der Wahl, die Bremer Straßenbahnen haben Lasten-Abstellflächen und Leih-Lastenfahrräder gibt es wie alle anderen Fahrradtypen an vielen Stellen der Stadt unkompliziert „to go“ … Rollatoren, Skater und Kinderwagen gehören als Verkehrsteilnehmer zum Stadtbild, Fußgänger und Fahrräder werden immer mehr zum Maßstab der Straßengestaltung.

Die Bebauung des Rembertiviertels hat sich aufgrund der vielfältigen Ansprüche der genossenschaftlich organisierten Baugruppen verzögert und soll jetzt im Sommer nächsten Jahres als autofreies Cityquartier eröffnet werden. Die Hochstraße wird nun doch nicht abgerissen, weil eine Bürgerinitiative sich erfolgreich für den Erhalt der seit ihrer Stilllegung entstehenden und durch Guerillagärtnerei intensivierte Vegetation eingesetzt hat: Der Bürgerparkverein hat sich im Rahmen der Bewerbung als „Transition Town“ bereit erklärt, diesen grünen Park-Streifen in der Bahnhofsvorstadt zu pflegen und ökologisch weiter zu entwickeln. Dazu hat er mit interessierten Bürgern ebenfalls eine Genossenschaft gegründet. Verantwortung entsteht in Bremen zunehmend auch aus Teilhabe – am gesellschaftlichen Wirken, aber auch an Eigentum.

Oberneuland hat sich zur angesagten Künstler- und Familienkolonie im Grünen entwickelt, die 2015 aus der „Entwicklungsagentur West“ hervorgegangene Investitionsgesellschaft für den Bremer Westen feiert unter dem Label „Reicher Westen“ den erfolgreichen Abschluss der städtebaulichen Sanierung – neben anderem mit einem „Theater der Kulturen und Religionen“ im ehemaligen Waldau-Theater, mit konfessionell und sprachlich, kreativ und sportlich spezialisierten Ganztagsschul-Profilen. Die Überseestadt ist durch einen Rückbau der Nordstraße an Walle herangerückt. Architektonisch macht Bremen seit einigen Jahren durch eine kleinteilige und flexibel nutzbare, einfache Architektur auf sich aufmerksam, in familiäre Wohneinheiten und Single-Wohnen, generationengerechtes und -übergreifendes Wohnen und Arbeiten miteinander vielfältig und variabel kombiniert werden können – der Senat hatte dazu unter international renommierten Architekten Wettbewerb zur Neuerfindung des Typus „Bremer Haus“ ausgeschrieben und zehn Modelle prämiert sowie Bauinteressenten zur Nachahmung empfohlen und freigegeben.

Die Mobilität des Reisens ist deutlich teurer geworden – insofern gilt es für touristisch geprägte Städte und Regionen, sich für längere, mehrwöchige Aufenthalte interessant und erlebenswert zu machen. Am 1. Januar hat das erste sozialwissenschaftliche Science Center mit Lern-, Spiel- und Experimentierangeboten zu Toleranz, Nachbarschaft und Streitkulturen eröffnet, ebenfalls noch in diesem Jahr soll in einem zweiten Modul ein populärwissenschaftliches Institut Programmangebote zu den Themen Angst und Sorge, Mut und Courage machen. Das Universum widmet sich in einer komplett neuen Sonderausstellung den international ausgerichteten Themenkomplexen Mobilität, Migration und Kulturen des Teilens – in einer Public Private Partnership mit dem aus Übersee- und Fockemuseum fusionierten Historischen Museum Bremen. Dessen Museen werden sukzessive um zahlreiche Außenstellen erweitert: Das Konzept „Erinnerung im Leben“ sieht den Erhalt und die Bespielung oder wirtschaftliche Nutzung von denkmalgeschützten Gebäuden und Inneneinrichtungen vor. Der Bunker Valentin entwickelt als zentrale Gedenk- und Erinnerungsstätte mit einer innovativen multimedialen Bespielung und Stipendienprogrammen für junge AutorInnen und BildkünstlerInnen Kriterien und Formate für Erinnerung und Gedenken der Generationen nach dem Ableben der letzten Zeitzeugen.

2030 soll die 222. Weltmeisterschaft in Bremen stattfinden – nach bis dahin 221 Randsportarten die 1. Weltmeisterschaft der nun boomenden Funsportarten. Ebenfalls für 2030 wird mit Botanica, Bürgerpark, der Wümmeniederung, Hollerland, Hemelinger Marsch und dem neuen Naturschutzgebiet Unisee sowie einigen kleineren, sublokalen Naturerlebnisräumen eine Bundesgartenschau als Großstadt der regionalen und städtischen Artenvielfalt von Pflanzen und Tieren geplant. Denn gesundes, regionales Essen und gesundes (Stadt)leben sind längst ein touristisch relevanter Faktor geworden.

Die Kreativwirtschaft ist zum wesentlichen Standortmerkmal des produzierenden Gewerbes, Handwerks und auch des Handels geworden: Fahrradwirtschaft, Mode, Souvenirs, Kunsthandwerk sind inzwischen Reiseanlässe für Bremen-Besucher. Die Kreativwirtschaftsförderung hat Bremen mit offenen Werkstätten für alte und neue Produktionstechniken in Kunst und Handwerk – hervorgegangen aus der Neuaufstellung von Fockemuseum, Städtischer Galerie, Designzentrum, Güterbahnhof und Schwankhalle – zu einem Hotspot auch reisender Kreativer im nationalen und internationalen Kulturaustausch gemacht, die als Gäste neben deren technischen Möglichkeiten auch temporäre Ateliers nutzen können. Die ehemalige „Hochschule für Künste“ wird gerade zur „Schule der Improvisation“, hat einen neuen Lehrstuhl für Zeitpolitik und bietet auch Aus-, Fort- und Weiterbildungen außerhalb der Hochschul-Studiengänge für verschiedene Branchen der Kreativwirtschaft an. Das Klaus-Kuhncke-Archiv, das Studienzentrum für Künstlerpublikationen und das Tanzfilminstitut sind unter dem Dach der Hochschule zum Institut für kulturelle Dokumentation fusioniert, das für acht Jahre vom Google-Konzern aus dessen Gewinnen aus der Facebook-Übernahme finanziert wird. Radio Bremen hat von der ARD den Auftrag und die Finanzierung zugesagt bekommen, als Modell- und Referenzprojekt des Senderverbundes gemeinsam mit der Stadtbibliothek sowie Partner aus der Verlags- und der Filmbranche ein öffentlich-rechtliches On-Demand-Portal für Wissen und Kultur zu entwickeln. Open Airs und Festivals bespielen schon seit einigen Jahren die Stadträume nicht nur der City alljährlich von Juli bis September durchgehend mit Kultur „umsonst und draußen“ – der Bremer Kultursommer lockt immer mehr Touristen in die Stadt, die Hotels sind in dieser Zeit oft ausgebucht und temporäres Wohnen im Grünen, auf dem Wasser und in Zwischennutzungen werden auch von Touristen immer stärker nachgefragt. Das ehemalige DDR-Fischfang-Motorschiff „Stubnitz“ pendelt immer noch einmal jährlich zwischen London und Bremen im Dienste des kreativen Ex- und Imports und als Schaufenster der kreativen Branche. Die Bremische Landesvertretung in Berlin veranstaltet schon seit 2015 jährlich im Frühling ein Kulturfestival „made in Bremen“ in der deutschen Hauptstadt.

Alle Zuwendungsempfänger Bremens sind aufgefordert, Bildungs- und Freizeitangebote für Kinder und Jugendliche in ihren Betrieb zu integrieren – jede Grünanlage, jede Kultureinrichtung, jeder Sozialträger bieten Beschäftigung und Bildung für junge Menschen. Denn die Übergänge zwischen Kindergarten, Schulen und weiterer Ausbildung werden fließender. Die demografischen Veränderungen prägen die Bildungslandschaft transkulturell und generationenübergreifend: Gruppenstärken schrumpfen, Betreuungsquoten steigen, Alte und Junge lernen und arbeiten zunehmend voneinander und gemeinsam. Berufliche Bildung wird sich im Schnitt alle 10-12 Jahre grundsätzlich erneuern müssen. Die durchschnittliche Wochenarbeitszeit sinkt deutlich unter 30 Stunden. Grüne Bundesministerinnen fordern vehement die inführung eines bedingungslosen Grundeinkommens.

;

Zur Orientierung: Ein Blick zurück von vorn, 2012:

In den vergangenen 5 Jahren
– ist Radio Bremen in die City gezogen und hat sich als trimediales Funkhaus neu erfunden.
– ist Bremen nicht Kulturhauptstadt Europas geworden, sich aber seiner Kraft als Kulturstadt bewusst geworden.
– ist Bremen bei jungen Menschen eines der beliebtesten deutschen Reiseziele geworden.
– ist Osterholz-Tenever vom prekärsten Stadtteil Bremens zu einer sehr gefragten, lebenswerten Hochhaussiedlung mit einer der besten Schulen Deutschlands geworden.

In den vergangenen 10 Jahren
– ist die neue Überseestadt entstanden
– der Spacepark entstanden, gescheitert und von der „Waterfront“ beerbt worden.
– hat Radio Bremen einen Großteil seiner bis Ende der 90er zur Verfügung stehenden Mittel verloren.
– hatte Bremen das erste deutsche Science-Center
In den vergangenen 20 Jahren
– hat Bremen die Werftenpleiten erlebt.
– hat sich Bremen als „Stadt am Fluss“ entwickelt, die Schlachte etabliert und das Stadtleben wieder dem Fluss zugewandt.
– sind in Bremen ca. 20 Kultureinrichtungen und alle Kulturfestivals entstanden.
– haben Computer und Internet Einzug ins alltägliche und kulturelle Leben gehalten.
– war Radio Bremen die wichtigste deutsche Ideen- und Talentschmiede der Fernsehunterhaltung und des Lokalfernsehens.
– ist Bremen zum wichtigen Ziel des klassischen Städtetourismus v.a. für ältere Menschen geworden.

Ein bisschen was geht immer!

Was wir dazu brauchen?
– Eine gerechte Steuerverteilung und einen guten Länderfinanzausgleich.
– klare soziale Ansprüche.
– Partner ohne Angst vor Veränderungen, Ideen und auch mal Experimenten.
– Vertrauen in die nachwachsenden Generationen und ihr Innovationspotential – auch als Träger gesellschaftlicher Aufgaben.
– Vertrauen in Wissenschaft und Kunst.
– Verständnis für Veränderungsängste, Respekt, Akzeptanz und Realismus: Zeitgenossenschaft.
– Neugier.
– Glück.

Bremen ist erneuerbar.

let’s talk about … Kunst. Überseestadt. Kunstpolitik. Stadtkunst. Kulturstadt. All das!

In Kunst, Politik, wörtlich! on 27. November 2012 at 00:06

Ein Interview mit der taz zur Sitation des Museum Weserburg, der Gesellschaft für aktuelle Kunst, der Förderung und Präsentation zeitgenössischer Kunst in Bremen und zur Rolle von Kunst und Kreativen in der Überseestadt:

http://www.taz.de/ORTE-DER-GEGENWARTSKUNST/!106179/

„Ich finde sinnvoll, wenn in Bremen öffentlich darüber nachgedacht wird, wie in Zukunft mit zeitgenössischer Kunst umgegangen werden soll. Und ich halte die Auseinandersetzung darüber für notwendig, was in der Überseestadt geschieht, wie sich dieser Stadtteil weiter entwickelt und welche Rolle darin Kultur und Kreativwirtschaft spielen sollen.“

„Da gehören viele Fragen dazu: Wo, wie und von wem und für wen zeitgenössische Kunst entsteht und präsentiert wird. Wie es um die Kunst im öffentlichen Raum steht. Wie bremische und internationale Künstler hier auftreten. Vielleicht auch, ob wir eine staatlich betriebene, geleitete und kuratierte Galerie brauchen.“

Schuppen 3 als Chance für kreative Korrekturen bei der Überseestadt-Entwicklung nutzen!

In Ideenwirtschaft, Politik, Stadt, wörtlich! on 22. November 2012 at 23:07

Die derzeit im Schuppen 3 der Bremer Überseestadt ansässigen Unternehmen der Kreativwirtschaft sollen dort auch künftig eine Perspektive haben. Zudem muss das Vorzeigequartier im ehemaligen Hafengebiet um erschwingliche Wohnungen ergänzt werden – auch damit Kreative mit niedrigen Einkommen dort Wohnen und Arbeiten verbinden können. Das fordern die Grünen in der Diskussion um die Vermarktung und künftige Nutzung des Schuppens 3 nach einem Besuch vor Ort und haben für die Fragestunde der Stadtbürgerschaft im Dezember drei Fragen an den Senat dazu formuliert.

„Für die erfolgreiche Entwicklung der Überseestadt waren auch viele Kreative wichtige Pioniere, die sich schon früh etwa im Schuppen 3, in der Stauerei an der Cuxhavener Straße, an der Alten Feuerwache, im Speicher XI und im Gebäude der Anbiethalle angesiedelt haben. Damit haben sie wesentlich zur Belebung des neuen Ortsteils beigetragen. Die Kreativen haben, wie andere Unternehmen, in der Überseestadt Arbeit, Ideen und Geld investiert“, betont der stadtentwicklungspolitische Sprecher Carsten Werner. Die kleineren Unternehmen müssen nach Ansicht der Grünen in der Überseestadt eine Perspektive haben. „Es kann dort nicht nur um immer mehr Neuansiedlungen im großen Stil gehen. Wirtschaftsförderung ist auch Bestandspflege. Auf erfolgreiche Zwischennutzung muss mehr folgen als die Kündigung von Mietverträgen“, so der wirtschaftspolitische Sprecher Ralph Saxe.

Die Grünen erwarten zudem, dass in der Überseestadt auch niedrig- und mittelpreisige Wohnungen entstehen. „Das ist wichtig, damit daraus ein lebendiger, sozial gemischter Stadtteil wird und keine Schlafstadt für Gutbetuchte“, erläutert Carsten Werner. Auch das betreffe die Kreativen ganz direkt. „Kultur- und Kreativwirtschaft ist nicht nur Hollywood und Freizeitpark. Der Großteil der Kreativen hierzulande lebt von niedrigen bis sehr niedrigen Einkommen. Auch sie brauchen günstigen Wohnraum. Die Kreativen verbinden gerne Wohnen und Arbeiten, auch damit sind sie Pioniere einer modernen Stadtentwicklung“, unterstreicht Carsten Werner.

Der Schuppen 3 biete Gelegenheiten, so die beiden Bürgerschaftsabgeordneten, diesen Ansprüchen gerecht zu werden. „Es gibt so viel urbremisches Interesse, so viele bremische Ideen zur Überseestadt, dass es fahrlässig wäre, die nicht aufzunehmen und öffentlich zu diskutieren“, freut sich Carsten Werner über das rege Interesse am Schuppen 3. „Wir erwarten, dass die Ideen in einem offenen Prozess entwickelt werden – kreativ im besten Sinne“, ergänzt Ralph Saxe.

%d Bloggern gefällt das: