carsten werners

Posts Tagged ‘Umwelt’

Neue Fragen erfordern neue Antworten.

In Politik, Welt on 12. März 2011 at 20:40

Die Frage der Beherrschbarkeit der atomaren Gefahren sei „heute neu gestellt worden“, sagt Bundesumweltminister Norbert Röttgen (CDU) dem WDR-Hörfunk. „Auch Japan ist ja nicht irgendein Land. … Alle KKW waren darauf ausgelegt, was an Erdbeben passieren kann.“ – “ Dieses „Trotzdem“ ist eine gesellschaftspolitische Frage, die nicht abgewehrt werden kann.“

Und die Kanzlerin (CDU): „Unbestritten: Die Geschehnisse in Japan sind ein Einschnitt für die Welt.“ Wenn in einem so hoch wie Japan entwickelten Land mit höchsten Sicherheitsstandards so ein  Unfall passiere, könne „auch Deutschland nicht einfach zur Tagesordnung übergehen“.

Und Außenminister Westerwelle (FDP) will wissen, „ob auch unsere Kühlsysteme solche Anfälligkeiten haben“.

RWE-Technikvorstand  Gerd Jäger dagegen „sieht trotz des Atomunfalls in Japan keinen Grund, die Laufzeitverlängerung für deutsche Meiler bis 2035 zu überdenken. «In Deutschland werden mit gutem Grund höchste Sicherheitsstandards für Kernkraftwerke angesetzt, und sie werden von uns erfüllt», sagte er der «Welt am Sonntag». (…)  Naturkatastrophen in der Größenordnung wie das Erdbeben und der Tsunami in Japan seien in Europa nicht zu erwarten. «Dennoch gibt es natürlich wie in allen Lebensbereichen Restrisiken. Und die gilt es immer weiter zu minimieren.»“

http://www.greenpeace-magazin.de/index.php?id=55&tx_ttnews[tt_news]=102061&tx_ttnews[backPid]=54&cHash=c080a75163

Ansonsten: Brückentechnologie, „für sicher gehalten“ … etc. pp.

Hm.

– Hatte Japan seine Akw NICHT für sicher gehalten, keine Sicherheitsstandards gehabt, sich daran nicht gehalten?

– Alle 20,25 Jahre ein Gau – kann man das aus Technik-Vorstands-Sicht als „Restrisiko“ verstehen?

– Woher weiß der Mann, was „in Europa“ „zu erwarten“ ist an wildem Wetter, irgendwelchen Attacken und all dem … in den nächsten 10 Tagen , Monaten , Jahren, Jahrzehnten, Jahrhunderten?

Wär doch gut, wenn sich hier dann doch wieder ein Unterschied herauskristallisierte zwischen Lobby-„Experten“ und Politik.

Grüner geht noch

In Politik, Stadt on 16. April 2008 at 22:35

Bremen muss wohl doch untergehen – wegen der Umweltzone!

Frühling wirds, der Sperling piept … naja, vielleicht hat das bis zum Erscheinen dieser Ausgabe ja wirklich mal geklappt. Aber ist Ihnen aufgefallen, wie grün es schon geworden ist in den letzten Monaten – auf den Straßen? Und das ist gar nicht gut, glaubt man der umtriebigen Bremer Handelskammer oder den Grün-Spezialisten von Beck’s und Beck’s Mutter Inbev. Denn die Umweltplakette, die – wenn man mal so guckt am zugeparkten Wegesrand – schon jedes zweite oder dritte Auto infiziert hat. Das sind Plaketten des Teufels, vielleicht gar des Todes, des Untergangs. Bremen könnte daran zugrunde gehen, wenn sich nichts anderes findet. Jedenfalls die Bierproduktion. Und die von Schokolade.

Hunderte Mitarbeiter müssten vor den Stadttoren bleiben und kämen nicht an ihre Maschinen, kostbare Rohstoffe kämen nicht hinein, heißt es – wenn auch Bremen eine Umweltzone für die inneren Citybereiche einführen würde. So muss man es glauben und fürchten, wenn man die Nachrichten des Zentralsenders und der Zentralzeitung liest: Fast täglich droht irgendjemand mit Abwanderung, Einstellung, Wahnsinnsfolgen. Man kann die Entwicklung ja auch beobachten: Schon untergegangen sind in den letzten Monaten so schöne Flecken wie: Augsburg, Berlin, Dortmund, Essen, Hannover, Ilsfeld, Köln, Leonberg, Ludwigsburg, Mannheim, Nürnberg, Potsdam, Schwäbisch Gmünd, Stuttgart, Reutlingen und Tübingen. Weil da nach und nach keine Autos mit besonders hohen Schadstoffwerten mehr fahren dürfen.

Nun ist auch aus diesen Städten nicht berichtet worden, dass Fabriken schließen mussten oder Menschen neuerdings zig Kilometer weit mit dem Fahrrad zur Arbeit fahren – bei den inkriminierten Dreckschleudern geht es schließlich um wenige, ziemlich alte Kraftfahrzeuge, meistens um Lastkraft-wagen. Und wer fährt schon mit seinem Lastkraftwagen von 1970 ins Büro? Und wie gesagt: Jeder, der nach Berlin oder Hannover rein will, braucht das grüne (gelbe, rote) Klebchen sowieso.

Aber man wird sich ja nochmal aufregen dürfen, es geht ja sicher auch ums Prinzip: Freie Fahrt für freie Bürger ist ja eh schon lange klar: Unterneh-men sind sowieso, quasi von Natur aus, die besseren Bürger – und warum sollen gerade die für ein paar Euro ihre Autos modernisieren? Wäre auch schön, wenn die Wirtschaft die Wiedereinführung traditionell heimeliger Brikettöfen oder das Heizen mit offenem Feuer fordern würde. Obwohl: Bei Vorschriften für umweltschonende Innovationen, die der Endverbraucher zahlt, ist man da ja gern dabei.

Kein Bier mehr, keine Schokolade aus Bremen?

„Die Wirtschaft“ ist aber auch in Sachen Umweltplakette nicht einig: Droht ein Schokoladenfabrikant mit Ab-wanderung, hört man vom anderen nichts. Bier ist in einer Umweltzone nicht herstellbar, Kaffee aber doch. Warum gerade Teile der Nahrungsmittelbranche zwingend schadstoffreichere Autos brauchen als Unternehmen anderer Bereiche, das bleibt ein bisschen rätselhaft in der aufgeregten Debatte mitten im schönen, lebenswerten, kreativen, weltoffenen und -läufigen Bremen.

Schwankungen Print #25 (PDF)

Kunden, die diesen Artikel gekauft haben: Von Bienen und Blumen und Schwänzeltänzen und Schwarmintelligenzen

In Ideenwirtschaft, Konsumempfehlung, Medien, Welt, Werner on 11. Februar 2008 at 23:07

Über die Honigbiene konnte der legendäre Bienendompteur und Nobelpreisträger Karl von Frisch Bände füllen. Und auf einer tunesischen Ferieninsel lernt ein junger Schriftsteller den Jesuiten Joseph Kuklinsky kennen, der sich als Mitglied einer Ethikkommission vorstellt und den jungen Mann in philosophische, teils seltsam indiskrete Gespräche verwickelt.
<< Der letzte Satz gehört zum Klappentext von Matthias Hirths schönem Roman „Angenehm“, gerade im schönen Blumenbar-Verlag erschienen: „Nach kurzer Zeit bietet er ihm an, für einen hohen Geldbetrag Geschichten zu schreiben, über deren Inhalt er frei entscheiden kann, aber: Erklären Sie jemandem den Menschen, der den Menschen nicht kennt.“ Der Wirtschafts- und Wisschenschaftkrimi dreht sich um künstliche Intelligenz, Bewusstsein und Poesie.
<< Der erste Satz dieser Kolumne hingegen stammt aus der FAZ-Besprechung eines Hörbuchs von Jürgen Tautz, Verhaltensforscher der weltweit bekannten BeeGroup der Universität Würzburg: „Der Bien“ aus dem supposé-Verlag.

Zusammengebracht haben diese Produkte „Kunden, die diesen Artikel gekauft haben“, denn die „… kauften auch …“ – bei Amazon im Internet.

Man kann so Entdeckungen machen, von denen man nie zu träumen wagte: „Das dritt- wichtigste Haustier des Menschen nach Rind und Schwein“ begeistert mit Gelée- Royal-Designfood und „wabenbauenden Handwerkern, die ihre Ziegel selber ausschwitzen“. Ihr „Superorganismus“, „der Bien“ eben, arbeitet höchst ökonomisch und vorbildlich für uns Menschenkinder an Wärmetechnik, Arbeitsteilung, komplexen Kommunikationstechniken und Schwänzeltänzen. Womit wir bei deren Entdecker und Übersetzer, besagtem Karl von Frisch, wären: Auch fünf seiner Tonband- und Radiovorträge aus den Jahren 1953 bis 1962 haben den Weg vom Deutschen Rundfunkarchiv in ein Hörbuch des supposé-Verlags gefunden: „Die Tanzsprache der Bienen“.

„Kunden, die diesen Artikel gekauft haben, kauften …“ übrigens auch das Werk „Ökologisch Imkern“ oder den Kalender „Phänomen Honigbiene 2008“. Nunja, der Weg zur Biena Maja und ihrem Freund Willi ist sicher auch nicht weit. Aber bei aller Liebe zu Tanzkunst und Poesie – ein eigeninitiativer Klick zurück zu den Kunden von Matthias Hirths Erziehungsroman „Angenehm“ katapultiert ins Verlagsprogramm von Blumenbar – das aktuell „K1 – das Bilderbuch der Kommune“ präsentiert: Uschi Obermaier, Rainer Langhans … Moment: Hat uns hierher jetzt die künstliche Intelligenz der Amazonrechner gelockt, der schlichte Zeitgeist – oder haben uns an diese Blumenbar standesgemäß instinktsichere Bienen geführt?

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