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Archive for the ‘Stadt’ Category

Nachahmung erwünscht: Bürgerbeteiligung vervielfältigen!

In Ideenwirtschaft, Politik, Stadt, wörtlich! on 21. Mai 2013 at 15:07

Die Grünen haben eine Kleine Anfrage zur Evaluation und Nutzbarmachung von Erfahrungen in Projekten der Bürgerbeteiligung an den Senat gerichtet. Denn Bremens Vorreiterrolle in differenzierter und frühzeitiger Bürgerbeteiligung sollte ausgebaut, kommuniziert und weiterentwickelt werden: Nachfolgeprojekte können von einer Dokumentation und Weitergabe der Erfahrungen sehr profitieren.

Gerade weil die Methoden und Werkzeuge für die Bremer Beteiligungs-Projekte sehr individuell sind und von den jeweiligen AkteurInnen und deren Erfahrungen geprägt werden, ist das „Festhalten“ der Verfahren, Methoden und Maßnahmen, die teilweise erst im Prozessablauf erprobt und entwickelt werden, eine große Herausforderung. Die Antwort des Senats macht deutlich, wie in Bremen Bürgerbeteiligung praktisch, pragmatisch und individuell unterstützt und immer wieder neu entwickelt wird. „So können Beteiligungsformen gefunden und praktiziert werden, die nah an der Sache und nah an den Bürgerinnen und Bürgern sind“ und direkt „am jeweiligen Projekt entwickelt werden“, schreibt der Senat. Die inzwischen auch vermehrt überregionales Interesse weckenden Bremer „Beteiligungs-Kultur“ sei vermutlich deshalb relativ breit
ausgeprägt und erfolgreich, weil sie immer wieder „graswurzelartig“ wachse und immer wieder neu variiere, um stets lebendige, passgenaue und pragmatische Beteiligungsverfahren zu gewährleisten.

Ob Schwimmbad oder Autobahn, Vergabe von Fördergeldern für die Kreativwirtschaft oder Entwicklung neuer Stadtviertel wie im Hulsberg-Quartier, ob Verkehrsentwicklungsplan oder Flächennutzungsplan, ob Jugendbeteiligung oder Business Improvement Districs (BID) – viele für die Stadtentwicklung wichtige und notwendige Projekte werden durch entsprechende Beteiligungsformate erst lebendig. Es lohnt sich, die Kompetenz von BürgerInnen, Betroffenen und Interessenvertretungen zu nutzen und in staatliches Handeln zu integrieren. Dabei sollten wir beachten, dass gut gemachte Bürgerbeteiligung nicht nur eine Form der Problemlösung oder -vermeidung ist – sondern dass es sich für Bremen auch geldwert lohnt, wenn Initiativen und Engagement, Wissen und Ideen von Bürgerinnen und Bürgern wachsen und wirken können: Das gilt für die Stadt- und Quartiersentwicklung ebenso, wie es für die Kulturlandschaft, für soziale Anliegen oder etwa für ein effektives Mund-zu-Mund-Stadtmarketing hilfreich, ideengebend und stilprägend sein kann.

Bürgerengagement, -interesse und -wissen müssen gestärkt und gefördert, genutzt und fruchtbar gemacht werden, wo sie die Gemeinschaft stärken und Erfahrungen für die Gesamtgesellschaft produktiv machen – das wirkt im besten Sinne nachhaltig und damit nicht zuletzt auch kostensparend. Das gilt nicht nur für die politische Teilhabe, sondern durchaus auch für die Beratung zu genossenschaftlichen Wirtschaftsmodellen, für Baugruppen und für viele Träger im Sozial- oder Kulturbereich. – Je individueller die Rahmen und die Regeln dafür geschaffen und angewandt werden, desto größer dürfte der Effekt sein – und desto mehr Ideen können sprudeln und sich verbinden: Wenn die Blicke über den eigenen Tellerrand, die eigene Filterbubble, die eigene Nachbarschaft hinausgehen, wächst neben Wissen und Erfahrung auch das Verstehen und Verständnis für die vielen „Parallelgesellschaften“ und -interessen in unserer Stadt und Gesellschaft – und Bremen wird erneuerbar.

Die Anfrage und die Antwort des Senats finden Sie hier: http://gruenlink.de/iul

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Fähr‘ doch mal rüber !

In Politik, Stadt, wörtlich! on 14. Mai 2013 at 22:21

Meine Rede zum Antrag „Stadtteile am Fluss über den Fluss verbinden“

Im Jahr 1987 sind die Grünen in den Bürgerschaftswahlkampf gezogen mit der Parole „Mit dem Gesicht statt mit dem Arsch zur Weser“.

Nach der Wahl beschrieb der Abgeordnete Fücks damals hier im Parlament eine Vision für das Jahr 1999 mit einer Reise von Hemelingen bis Blumenthal – das liegt in Bremen-Nord ;-) – entlang der Weser, vorbei an Wohnungen, Gründerzentren, alternativer Energieerzeugung, Filmstudios, und einem innerstädtischen Schiffspendelverkehr über die Weser. Laut Herrn Fücks – so erzählt er es jedenfalls heute – soll damals der Abgeordnete Wedemeier dazwischengerufen haben: „Das ist eine Rede gegen Bremen!“ Der damalige Präsident der Bürgerschaft wollte Herrn Fücks das Wort entziehen.

Das Thema war jedoch in der Welt, und mit dem Verein Weserlust, des Bremischen Vereins Hal över und vielen kleinen Projekten auch in Gröpelingen, Walle und Bremen-Nord begann es. Das ist lange her, und es hat etwas länger gedauert, als bis zum Jahr 1999 – als es eigentlich erst richtig begann. Es wurde vorher noch mit Verve dort ein Großmarkt gebaut, der aber auch nichts mehr verhindern konnte. Heute kann man sagen, dass ziemlich viel von dem, was Herr Fücks vor 26 Jahren hier zusammengesponnen hat, so ähnlich eingetreten ist, und darüber sind wir froh, und wir sind stolz darauf: Die „Stadt am Fluss“ lebt, funktioniert und ist ein großer – der wichtigste, wie ich finde – Erfolg der Stadtentwicklung Bremens in den vergangenen Jahrzehnten!

Deshalb haben wir uns sehr über den Antrag von Herrn Pohlmann und der SPD-Fraktion gefreut. Über den Antrag im letzten Jahr zur „Stadt am Fluss“ haben wir uns ja auch schon gefreut. Aus dem Fücks’schen Filmstudio sind das Pier 2 und ein Varietétheater geworden, und manche hoffen im Moment darauf und arbeiten dafür, dass auch noch ein Museum hinzukommt. Die schöne Idee des Schiffspendelverkehrs aber wollen wir mit Herrn Fücks und allen Bremerinnen und Bremern, die davon noch träumen, gern weiterverfolgen, weil es viel mehr als eine schöne Idee ist. Herr Pohlmann hat es soeben sehr ausführlich beschrieben, das alles will ich gar nicht wiederholen. Die Weser ist wieder zum Gesicht, zum Zentrum der Stadt geworden.

Viele Akteure und Initiativen in Gröpelingen, Woltmershausen und Walle haben sich aufgrund der großartigen Entwicklung der Überseestadt und der schönen, erschlossenen Grünanlagen und Wasserlagen in Pusdorf in den letzten Jahren wieder verstärkt für Fährverkehre eingesetzt. Bei allen, die es nicht nur gefordert haben, sondern auch durch ihre oft ehrenamtliche Arbeit in den Stadtteilen, der Kultur, den Beiräten und den Nachbarschaften schon an den Aktionstagen in den vergangenen Jahren immer wieder ermöglicht haben und dieses Jahr zum ersten Mal sogar einen regelmäßigen Fährverkehr an den Sonn- und Feiertagen ermöglichten, möchte ich mich hier sehr herzlich bedanken!

Genau solche Modelle und Erprobungen braucht die Stadtentwicklung auch und immer wieder. Man muss es einfach mal machen, und dann sieht man, dass es auch anders gehen kann, als es immer schon ging! Und in diesem Fall ging es ja sogar ganz früher schon einmal. Wir wollen das Experiment deshalb politisch begleiten und schauen, was die Fähren über die und entlang der Weser neben der Freizeit und der konkreten nachbarschaftlichen Verbindung von Stadtteilen vielleicht auch für den ÖPNV und die Entwicklung der Wohnlagen und der Arbeitsstätten in der Überseestadt, in Gröpelingen und in Woltmershausen bedeuten können und was sie für die Durchmischung der Stadtteile bewirken können, über die wir häufig sprechen und an der wir arbeiten.

Lassen Sie es uns konstruktiv und zukunftsgerichtet anschauen und herausfinden. Fahren Sie dazu als Erstes einmal an einem Sonntag einfach mit, und stimmen Sie bitte unserem Antrag zu!

update: Erfolg des Testbetriebs und weitere Pläne – Weser-Kurier v. 27.11.2013

Ein vorauseilender Sommernachtstraum: Bremen 2022

In Ideenwirtschaft, Politik, Stadt, Welt on 3. Dezember 2012 at 10:00

Für die Bremer Grünen verfassen Mitglieder jeden Freitag einen Meinungsbeitrag. Im Sommer haben wir uns Gedanken gemacht, wie die Zukunft unserer Stadt aussehen könnte, für die wir arbeiten – Grüne Denkanstöße zur Diskussion und Verständigung.

 

Hier mein vorauseilender Sommernachtstraum: Bremen 2022 – kreative, soziale Stadt der Ideen!?

Auch viele grüne Kollegen haben sich sommerliche Gedanken gemacht:

Robert Bücking meint: Der Geist der Bürgerbeteiligung ist aus der Flasche. Den bekommt man da auch nicht wieder rein. BürgerInnen wollen mitreden, machen sich schlau, machen Druck, definieren ihre Ziele und Interessen, an allen Ecken und Enden der Stadt. Wie geht es damit weiter?

Hermann Kuhn fällt auf, dass Wünsche und Träume und gute Absichten ziemlich selten durch Politik machbar und beeinflussbar sind. Deshalb: eine Mahnung zur Bescheidenheit – und Ideen für 2020.

Kirsten Kappert-Gonther: Bremen ist reich, Bremen und Bremerhaven sind reich an der Vielfalt der Menschen, ihrer unterschiedlichsten Vorstellungen, Wünsche und Bedürfnisse, ihrer unterschiedlichen Herkunft, ihres unterschiedlichen Glaubens, ihrer unterschiedlichen Fähigkeiten.

Joachim Lohses grüne Visionen und Fakten für Bremen: Klimaschutz, Wohnungsangebote sowie bessere und nachhaltige Verkehrsbedingungen für alle Verkehrsteilnehmer.

Zahra Mohammadzadeh über den Anfang der Menschwerdung, an dem wir noch stehen – ein Augenblick in Millionen Jahren Evolution.

Michael „Pelle“ Pelster über Gesche und Roland im Jahr 2020 – und was bis dahin zu tun ist.

… und jeden Freitag gibt es eine neue grüne „Meinung am Freitag“.

 

Ein vorauseilender Sommernachtstraum: Bremen 2022 – kreative, soziale Stadt der Ideen!?

Bremen hat sich seiner Eigenheiten besonnen und lockt mit seinem Stadtmarketing Besucher, die sich für die Soziale Stadt, eine Stadt diversifizierter Quartiere und Communities interessieren, die im Austausch und Ideenstreit miteinander den Stadtstaat als Experimentier- und vor allem Erkenntnislabor für die überall wachsenden Städte in Deutschland entwickeln: Bremen ist als erste deutsche Großstadt „European Transition Town“ die unter dem Motto „Stadt der Ideen“ Wert auf regionale und lokale Versorgung, eigenständige und sublokale Entwicklung legt. Bremens tradiertes Image und Selbstverständnis als tolerante, soziale und kreative Stadt mit hoher Lebensqualiät und ökologischem Anspruch war dafür eine ebenso wichtige Voraussetzung wie die Erklärung aller Bundesländer und der Bundesregierung zur Eigenständigkeit und Entschuldung Bremens von 2020.

Dafür hat Bremen schon Jahre zuvor die Weichen gestellt und gute Voraussetzungen geschaffen: In der City wird wieder gewohnt und gelebt. Arbeiten und Wohnen gehören wieder zusammen. Eine kleinteilige, konkrete Stadtentwicklung zur sozialen Durchmischung des Wohnens und Arbeitens, aber auch des kulturellen und gesellschaftlichen Lebens wirkt sich auf alle sozialen Bereiche, aber auch auf die Inhalte der wissenschaftlichen, kulturellen und medialen Angebote aus. Teilhabe ist kein fernes politisches Ziel und kein weitgehend undefiniertes politisches Projektionsfeld mehr, sondern gelebte Erfahrung und Verantwortung. So gewinnen Visionäre, WissenschaftlerInnen, KünstlerInnen und kreative UnternehmerInnen zunehmend Einfluss auf Politik und die städtische Entwicklung: Sie bilden neue Träger und übernehmen gesellschaftliche Aufgaben. BürgerInnen und IdeeninvestorInnen entwickeln Quartiere, erkennen und planen Veränderungen für ihre Stadtteile, schaffen Öffentlichkeit, entwickeln ihre Räume und Gebäude, ihre sozialen Einrichtungen und ihre Natur. Brachen sind keine Problemzonen, sondern eröffnen neue Möglichkeiten.

Die Bremische Bürgerschaft hatte dazu 2015 ein umfangreiches Genossenschafts-Förderprogramm beschlossen. Im Bremer Parlament sitzt inzwischen auf jedem 5. Platz ein Mensch mit familiären oder frischen, konkreten Erfahrungen, die wir 2012 noch als „Migrationshintergrund“ bezeichnet haben – auf jedem 10. Sitz haben KünstlerInnen, PhilosophInnen und Kreative Platz und Stimme gefunden. Das Senatsressort für Stadtentwicklung ist längst auch für Kultur, für Stadtmarketing und Tourismus zuständig.

Aus dem ehemaligen Bürgerrundfunk und dem ehemaligen Stadtportal „bremen.de“ war 2015 ein öffentlich-rechtliches Stadtmedium geworden, in dem Kinder, Lehrende und Lernende, Kreative und WissenschaftlerInnen, Bürgerredaktionen und Alltagspezialisten aller Quartiere und Disziplinen Bremens sich gegenseitig informieren, beraten und gemeinsam Bremens Ideenreichtum und Bremens Entwicklungskraft darstellen und im Diskurs weiter entwickeln – 2022 bekam „Bremen Live“ dafür den Grimme-Preis und einen Echo. Die offen und jederzeit sichtbaren Ideen der BremerInnen und Bremer haben auch das lokale Tageszeitungsmonopol radikal verändert: Der Weser-Kurier erreicht weiter fast jeden Haushalt – als populäre Wochenzeitung, die sich mit relevanten Ideen beschäftigt, mit viel journalistischer Energie und Neugier tiefer Analyse, Aufklärung, Teilhabe und Zukunftsideen widmet, mit den Bremern und ihren Gästen Haltungen, Gemeinwesen, Heimat und Zugehörigkeit entwickelt. Nachrichten empfängt man per Internet und Digitalrundfunk.

Die Quartiere und die Bremer City können frei von Autos befahren werden – der Autoverkehr ist aber aufgrund der guten Nahversorgung und der hohen Anschaffungs- und Betriebskosten radikal zurückgegangen und wird immer weniger als Bedrohung für andere Verkehrsteilnehmer und das Stadtbild empfunden. Carsharing ist das Mittel der Wahl, die Bremer Straßenbahnen haben Lasten-Abstellflächen und Leih-Lastenfahrräder gibt es wie alle anderen Fahrradtypen an vielen Stellen der Stadt unkompliziert „to go“ … Rollatoren, Skater und Kinderwagen gehören als Verkehrsteilnehmer zum Stadtbild, Fußgänger und Fahrräder werden immer mehr zum Maßstab der Straßengestaltung.

Die Bebauung des Rembertiviertels hat sich aufgrund der vielfältigen Ansprüche der genossenschaftlich organisierten Baugruppen verzögert und soll jetzt im Sommer nächsten Jahres als autofreies Cityquartier eröffnet werden. Die Hochstraße wird nun doch nicht abgerissen, weil eine Bürgerinitiative sich erfolgreich für den Erhalt der seit ihrer Stilllegung entstehenden und durch Guerillagärtnerei intensivierte Vegetation eingesetzt hat: Der Bürgerparkverein hat sich im Rahmen der Bewerbung als „Transition Town“ bereit erklärt, diesen grünen Park-Streifen in der Bahnhofsvorstadt zu pflegen und ökologisch weiter zu entwickeln. Dazu hat er mit interessierten Bürgern ebenfalls eine Genossenschaft gegründet. Verantwortung entsteht in Bremen zunehmend auch aus Teilhabe – am gesellschaftlichen Wirken, aber auch an Eigentum.

Oberneuland hat sich zur angesagten Künstler- und Familienkolonie im Grünen entwickelt, die 2015 aus der „Entwicklungsagentur West“ hervorgegangene Investitionsgesellschaft für den Bremer Westen feiert unter dem Label „Reicher Westen“ den erfolgreichen Abschluss der städtebaulichen Sanierung – neben anderem mit einem „Theater der Kulturen und Religionen“ im ehemaligen Waldau-Theater, mit konfessionell und sprachlich, kreativ und sportlich spezialisierten Ganztagsschul-Profilen. Die Überseestadt ist durch einen Rückbau der Nordstraße an Walle herangerückt. Architektonisch macht Bremen seit einigen Jahren durch eine kleinteilige und flexibel nutzbare, einfache Architektur auf sich aufmerksam, in familiäre Wohneinheiten und Single-Wohnen, generationengerechtes und -übergreifendes Wohnen und Arbeiten miteinander vielfältig und variabel kombiniert werden können – der Senat hatte dazu unter international renommierten Architekten Wettbewerb zur Neuerfindung des Typus „Bremer Haus“ ausgeschrieben und zehn Modelle prämiert sowie Bauinteressenten zur Nachahmung empfohlen und freigegeben.

Die Mobilität des Reisens ist deutlich teurer geworden – insofern gilt es für touristisch geprägte Städte und Regionen, sich für längere, mehrwöchige Aufenthalte interessant und erlebenswert zu machen. Am 1. Januar hat das erste sozialwissenschaftliche Science Center mit Lern-, Spiel- und Experimentierangeboten zu Toleranz, Nachbarschaft und Streitkulturen eröffnet, ebenfalls noch in diesem Jahr soll in einem zweiten Modul ein populärwissenschaftliches Institut Programmangebote zu den Themen Angst und Sorge, Mut und Courage machen. Das Universum widmet sich in einer komplett neuen Sonderausstellung den international ausgerichteten Themenkomplexen Mobilität, Migration und Kulturen des Teilens – in einer Public Private Partnership mit dem aus Übersee- und Fockemuseum fusionierten Historischen Museum Bremen. Dessen Museen werden sukzessive um zahlreiche Außenstellen erweitert: Das Konzept „Erinnerung im Leben“ sieht den Erhalt und die Bespielung oder wirtschaftliche Nutzung von denkmalgeschützten Gebäuden und Inneneinrichtungen vor. Der Bunker Valentin entwickelt als zentrale Gedenk- und Erinnerungsstätte mit einer innovativen multimedialen Bespielung und Stipendienprogrammen für junge AutorInnen und BildkünstlerInnen Kriterien und Formate für Erinnerung und Gedenken der Generationen nach dem Ableben der letzten Zeitzeugen.

2030 soll die 222. Weltmeisterschaft in Bremen stattfinden – nach bis dahin 221 Randsportarten die 1. Weltmeisterschaft der nun boomenden Funsportarten. Ebenfalls für 2030 wird mit Botanica, Bürgerpark, der Wümmeniederung, Hollerland, Hemelinger Marsch und dem neuen Naturschutzgebiet Unisee sowie einigen kleineren, sublokalen Naturerlebnisräumen eine Bundesgartenschau als Großstadt der regionalen und städtischen Artenvielfalt von Pflanzen und Tieren geplant. Denn gesundes, regionales Essen und gesundes (Stadt)leben sind längst ein touristisch relevanter Faktor geworden.

Die Kreativwirtschaft ist zum wesentlichen Standortmerkmal des produzierenden Gewerbes, Handwerks und auch des Handels geworden: Fahrradwirtschaft, Mode, Souvenirs, Kunsthandwerk sind inzwischen Reiseanlässe für Bremen-Besucher. Die Kreativwirtschaftsförderung hat Bremen mit offenen Werkstätten für alte und neue Produktionstechniken in Kunst und Handwerk – hervorgegangen aus der Neuaufstellung von Fockemuseum, Städtischer Galerie, Designzentrum, Güterbahnhof und Schwankhalle – zu einem Hotspot auch reisender Kreativer im nationalen und internationalen Kulturaustausch gemacht, die als Gäste neben deren technischen Möglichkeiten auch temporäre Ateliers nutzen können. Die ehemalige „Hochschule für Künste“ wird gerade zur „Schule der Improvisation“, hat einen neuen Lehrstuhl für Zeitpolitik und bietet auch Aus-, Fort- und Weiterbildungen außerhalb der Hochschul-Studiengänge für verschiedene Branchen der Kreativwirtschaft an. Das Klaus-Kuhncke-Archiv, das Studienzentrum für Künstlerpublikationen und das Tanzfilminstitut sind unter dem Dach der Hochschule zum Institut für kulturelle Dokumentation fusioniert, das für acht Jahre vom Google-Konzern aus dessen Gewinnen aus der Facebook-Übernahme finanziert wird. Radio Bremen hat von der ARD den Auftrag und die Finanzierung zugesagt bekommen, als Modell- und Referenzprojekt des Senderverbundes gemeinsam mit der Stadtbibliothek sowie Partner aus der Verlags- und der Filmbranche ein öffentlich-rechtliches On-Demand-Portal für Wissen und Kultur zu entwickeln. Open Airs und Festivals bespielen schon seit einigen Jahren die Stadträume nicht nur der City alljährlich von Juli bis September durchgehend mit Kultur „umsonst und draußen“ – der Bremer Kultursommer lockt immer mehr Touristen in die Stadt, die Hotels sind in dieser Zeit oft ausgebucht und temporäres Wohnen im Grünen, auf dem Wasser und in Zwischennutzungen werden auch von Touristen immer stärker nachgefragt. Das ehemalige DDR-Fischfang-Motorschiff „Stubnitz“ pendelt immer noch einmal jährlich zwischen London und Bremen im Dienste des kreativen Ex- und Imports und als Schaufenster der kreativen Branche. Die Bremische Landesvertretung in Berlin veranstaltet schon seit 2015 jährlich im Frühling ein Kulturfestival „made in Bremen“ in der deutschen Hauptstadt.

Alle Zuwendungsempfänger Bremens sind aufgefordert, Bildungs- und Freizeitangebote für Kinder und Jugendliche in ihren Betrieb zu integrieren – jede Grünanlage, jede Kultureinrichtung, jeder Sozialträger bieten Beschäftigung und Bildung für junge Menschen. Denn die Übergänge zwischen Kindergarten, Schulen und weiterer Ausbildung werden fließender. Die demografischen Veränderungen prägen die Bildungslandschaft transkulturell und generationenübergreifend: Gruppenstärken schrumpfen, Betreuungsquoten steigen, Alte und Junge lernen und arbeiten zunehmend voneinander und gemeinsam. Berufliche Bildung wird sich im Schnitt alle 10-12 Jahre grundsätzlich erneuern müssen. Die durchschnittliche Wochenarbeitszeit sinkt deutlich unter 30 Stunden. Grüne Bundesministerinnen fordern vehement die inführung eines bedingungslosen Grundeinkommens.

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Zur Orientierung: Ein Blick zurück von vorn, 2012:

In den vergangenen 5 Jahren
– ist Radio Bremen in die City gezogen und hat sich als trimediales Funkhaus neu erfunden.
– ist Bremen nicht Kulturhauptstadt Europas geworden, sich aber seiner Kraft als Kulturstadt bewusst geworden.
– ist Bremen bei jungen Menschen eines der beliebtesten deutschen Reiseziele geworden.
– ist Osterholz-Tenever vom prekärsten Stadtteil Bremens zu einer sehr gefragten, lebenswerten Hochhaussiedlung mit einer der besten Schulen Deutschlands geworden.

In den vergangenen 10 Jahren
– ist die neue Überseestadt entstanden
– der Spacepark entstanden, gescheitert und von der „Waterfront“ beerbt worden.
– hat Radio Bremen einen Großteil seiner bis Ende der 90er zur Verfügung stehenden Mittel verloren.
– hatte Bremen das erste deutsche Science-Center
In den vergangenen 20 Jahren
– hat Bremen die Werftenpleiten erlebt.
– hat sich Bremen als „Stadt am Fluss“ entwickelt, die Schlachte etabliert und das Stadtleben wieder dem Fluss zugewandt.
– sind in Bremen ca. 20 Kultureinrichtungen und alle Kulturfestivals entstanden.
– haben Computer und Internet Einzug ins alltägliche und kulturelle Leben gehalten.
– war Radio Bremen die wichtigste deutsche Ideen- und Talentschmiede der Fernsehunterhaltung und des Lokalfernsehens.
– ist Bremen zum wichtigen Ziel des klassischen Städtetourismus v.a. für ältere Menschen geworden.

Ein bisschen was geht immer!

Was wir dazu brauchen?
– Eine gerechte Steuerverteilung und einen guten Länderfinanzausgleich.
– klare soziale Ansprüche.
– Partner ohne Angst vor Veränderungen, Ideen und auch mal Experimenten.
– Vertrauen in die nachwachsenden Generationen und ihr Innovationspotential – auch als Träger gesellschaftlicher Aufgaben.
– Vertrauen in Wissenschaft und Kunst.
– Verständnis für Veränderungsängste, Respekt, Akzeptanz und Realismus: Zeitgenossenschaft.
– Neugier.
– Glück.

Bremen ist erneuerbar.

Was wir von Bremen erzählen: Kulturstadt-Marketing und Kulturwerbung

In Ideenwirtschaft, Medien, Politik, Stadt, wörtlich! on 22. November 2012 at 23:08

Während Werbung im öffentlichen Raum alltäglich ist, ist die Imagebildung einer Kulturstadt wie Bremen komplizierter und subtiler. Aber beide Themen gehören zusammen: Was immer weniger sichtbar ist, lässt sich immer schwieriger vermitteln. Deshalb brauchen wir nicht nur Sauberkeit und Stadtmöblierung, sondern auch die Möglichkeit, im öffentlichen Raum für Kultur, politische Ideen und gesellschaftliche Anliegen einfach und auch spontan werben zu können – und wir brauchen eine Auffrischung des Bremer Images als Kulturstadt und des entsprechenden Stadtmarktings.

Zu diesem Themenkomplex hat die rot-grüne Koalition mit einer Großen Anfrage „Kulturwerbung sicherstellen und Stadtmarketing mit Kultur ausbauen“ die Auswirkungen bestehender „Stadtmarketingverträge“ hinterfragt und Anregungen für ein kulturelles Stadtmarketing gesammelt. – Hier die Antwort des Senats – und hier meine Rede in der Stadtbürgerschaft  vom 20.11.2012 dazu:

Sehr geehrter Herr Präsident, meine Damen und Herren,

ich möchte mich auf zwei Komplexe der Antwort des Senats zu unserer Anfrage konzentrieren, die stehen beide schon in der Überschrift: Zunächst die Kulturwerbung. Da hat sich in den vergangenen Jahren und Monaten einiges verschoben und verändert. Und es mag ja sein, dass der eine oder andere Bremen schöner findet, weil die Litfasssäulen bei uns jetzt leuchten und sich drehen, oder weil es an irgendeiner Ecker weniger wild geklebte Plakate gibt.

Werbung nervt, wenn sie zu viel wird, wenn halbe Straßenzüge vollgekleistert sind oder man in Flyer-Bergen den einzelnen Veranstaltungshinweis gar nicht mehr finden kann. Insofern: Verständlich und sinnvoll, dass manche Einrichtungen das Handling von Werbemaßnahmen outsourcen.  Und richtig, dass Bremen sich seinen öffentlichen Raum gut bezahlen lässt für Werbezwecke.

Werbung ist ein gutes Geschäft und es ist gut, wenn Bremen daran mit verdienen kann. Aber: Wenn Kultureinrichtungen und kleine politische und soziale Initiativen im Stadtraum kaum noch auftauchen können, dann sind wir einen Schritt zu weit gegangen – und den wollen wir dann bitte auch wieder zurück gehen. Für die Grünen ist ganz klar: Es muss überall in Bremen möglich sein, für kulturelle Angebote zu werben, soziale Anliegen zu artikulieren und politische Aktivität zu zeigen.

– und zwar zu technisch und finanziell leistbaren Bedingungen und zu versteh- und beherrschbaren Konditionen; „gewerblich“ und „nicht-gewerblich“, Frau Garling hat das eben angesprochen – das sind heute nur noch mühsam umsetzbare und abgrenzbare Abgrenzungskriterien im Alltagsgeschäft.

Interessanterweise gibt es ja sowieso Ausnahmeregelungen: Erstens für Zirkusse und zweitens für politische Parteien. Das hat vermutlich was mit Traditionen zu tun – auf eine andere Gemeinsamkeit von Zirkussen und Parteien bin ich nicht gekommen.

Aber diese Ausnahmen reichen vielleicht heute nicht mehr: Wir wollen frei und spontan nutzbare Plakatierflächen in allen Stadtteilen – und die Möglichkeit, dass Kulturangebote an bekannten Orten regelmäßig beworben werden können. Vielleicht – und das ist durchaus ein Appell an die Kultureinrichtungen und an das Kulturressort und das Stadtmarketing gleichermaßen – auch einmal wieder mehr gemeinsam und damit auf weniger Papier.

Ich denke, da verrate ich jetzt sicher kein Geheimnis, dazu werden wir in den nächsten Wochen einen Antrag erarbeiten.

Nebenbei: Über den ästhetischen Mehrwert von Hinweisschildern der Grafikdesigner, Autoschrauber, Hundesalons und Nagelstudios Bremens kann man sich ja streiten – aber ihre Kriminalisierung dafür finde ich auch keinen großartigen stadtkulturellen Gewinn. Man muss im öffentlichen Raum schon noch sehen können, was Bremen ausmacht. Das ist das zweite Thema: Bremens Image. Bremens Image als Kulturstadt.

Was an Events und Festivals und Preisen dazu beiträgt, listet die Senatsantwort ja eindrucksvoll auf zehn eng bedruckten Seiten auf – schade dass Frau Staatsrätin Emigholz die hier nicht noch einmal vortragen will, das wäre eindrucksvoll! – und man könnte die auch noch weiter ergänzen; die Maritime Woche fällt mir noch ein, der autofreie StadTraum, das outnow-Theater-Nachwuchsfestival, oder Fun-Veranstaltungen wie die Badeinselregatta – und auch um Angebote aus der Wissenschaft, dem Sport und der Umweltbildung. – So eine tolle Broschüre „H2B“, wie sie die WFB als Beilage der „Zeit“ für den Wissenschaftsstandort und die Studentenstadt Bremen produziert hat, so etwas würde ich mir auch für die Kulturstadt und den Kreativstandort Bremen wünschen!

– Wir müssen uns fragen, auch vor dem Hintergrund der CityTax übrigens, die hier morgen ja nochmal debattiert werden wird: Wie können wir Wirkungen bündeln, Bilder schaffen und Verlässlichkeit ausstrahlen: Dafür, dass hier künstlerisch, kreativ und kulturell buchstäblich immer was los ist – und dass hier unwahrscheinlich viel zu entdecken und zu erleben ist, vom großen Event bis in die kleinste Galerie, von den Privattheatern über viele Experimente bis zum kompletten Festivalsommer.

Mir ist da in der Senatsantwort zu oft von „Nischen“ die Rede, von zu engen und zu kleinen Zielgruppen. Natürlich müssen nicht jeder Termin und jedes Ticket einzeln millionenfach in die Welt geblasen werden. Aber Stadtmarketing muss mehr sein als Veranstaltungswerbung.

Aber Bremen ist eine Stadt toller Quartiere, kultureller Vielfalt und überregional auffälliger und beachteter Preise, Premieren und Festivals. Das hat sich längst zu einem Image verdichtet, das wir auch kommunizieren müssen: Ich denke, wir brauchen dazu Bündelungen in der Kommunikation und wir brauchen dazu eine Auffrischung des Stadtmarketings mit Hilfe der Kreativen Bremens.

Auch dazu, denke ich, werden wir einen Antrag in den nächsten Wochen erarbeiten und hier einbringen.

Der Wirtschaftssenator Martin Günthner hat im Sommer ja mehrfach darauf hingewiesen: Bremens Image steht und fällt auch mit der Mundpropaganda von uns Bremern – was wir von Bremen erzählen ist ebenso wichtig wie Imagekampagnen. Das glaube ich auch.

Und ich wünsche mir dazu ganz im Sinne von Herrn Senator Güntner, dass wir mit Bremens Bürgern und Interessengruppen gemeinsam über das Image unserer Stadt nachdenken, es gemeinsam schärfen und dann auch nach außen tragen: Warum nicht auch fürs Stadtmarketing Beteiligung und Schwarmintelligenz nutzen, wie wir das für die Stadtgestaltung schon lange und erfolgreich tun?

Ich danke Ihnen.

Schuppen 3 als Chance für kreative Korrekturen bei der Überseestadt-Entwicklung nutzen!

In Ideenwirtschaft, Politik, Stadt, wörtlich! on 22. November 2012 at 23:07

Die derzeit im Schuppen 3 der Bremer Überseestadt ansässigen Unternehmen der Kreativwirtschaft sollen dort auch künftig eine Perspektive haben. Zudem muss das Vorzeigequartier im ehemaligen Hafengebiet um erschwingliche Wohnungen ergänzt werden – auch damit Kreative mit niedrigen Einkommen dort Wohnen und Arbeiten verbinden können. Das fordern die Grünen in der Diskussion um die Vermarktung und künftige Nutzung des Schuppens 3 nach einem Besuch vor Ort und haben für die Fragestunde der Stadtbürgerschaft im Dezember drei Fragen an den Senat dazu formuliert.

„Für die erfolgreiche Entwicklung der Überseestadt waren auch viele Kreative wichtige Pioniere, die sich schon früh etwa im Schuppen 3, in der Stauerei an der Cuxhavener Straße, an der Alten Feuerwache, im Speicher XI und im Gebäude der Anbiethalle angesiedelt haben. Damit haben sie wesentlich zur Belebung des neuen Ortsteils beigetragen. Die Kreativen haben, wie andere Unternehmen, in der Überseestadt Arbeit, Ideen und Geld investiert“, betont der stadtentwicklungspolitische Sprecher Carsten Werner. Die kleineren Unternehmen müssen nach Ansicht der Grünen in der Überseestadt eine Perspektive haben. „Es kann dort nicht nur um immer mehr Neuansiedlungen im großen Stil gehen. Wirtschaftsförderung ist auch Bestandspflege. Auf erfolgreiche Zwischennutzung muss mehr folgen als die Kündigung von Mietverträgen“, so der wirtschaftspolitische Sprecher Ralph Saxe.

Die Grünen erwarten zudem, dass in der Überseestadt auch niedrig- und mittelpreisige Wohnungen entstehen. „Das ist wichtig, damit daraus ein lebendiger, sozial gemischter Stadtteil wird und keine Schlafstadt für Gutbetuchte“, erläutert Carsten Werner. Auch das betreffe die Kreativen ganz direkt. „Kultur- und Kreativwirtschaft ist nicht nur Hollywood und Freizeitpark. Der Großteil der Kreativen hierzulande lebt von niedrigen bis sehr niedrigen Einkommen. Auch sie brauchen günstigen Wohnraum. Die Kreativen verbinden gerne Wohnen und Arbeiten, auch damit sind sie Pioniere einer modernen Stadtentwicklung“, unterstreicht Carsten Werner.

Der Schuppen 3 biete Gelegenheiten, so die beiden Bürgerschaftsabgeordneten, diesen Ansprüchen gerecht zu werden. „Es gibt so viel urbremisches Interesse, so viele bremische Ideen zur Überseestadt, dass es fahrlässig wäre, die nicht aufzunehmen und öffentlich zu diskutieren“, freut sich Carsten Werner über das rege Interesse am Schuppen 3. „Wir erwarten, dass die Ideen in einem offenen Prozess entwickelt werden – kreativ im besten Sinne“, ergänzt Ralph Saxe.

Zeitgenössisch zeitgenössisch bleiben

In Kunst, Politik, Stadt, wörtlich! on 22. November 2012 at 20:45

Die Diskussionen um einen möglichen Umzug des Museum Weserburg und die möglichen Folgen für die Gesellschaft für aktuelle Lust (GAK) kommentiert der kultur- und stadtentwicklungspolitische Sprecher der grünen Bürgerschafts-Fraktion, Carsten Werner:

„Die Ideen und die Fragestellungen von Stiftungsrat und Direktor der Weserburg, einen Umzug in die Überseestadt zu prüfen, sind gut – weil sie unter dem Eindruck und Einfluss von Veränderungen in der Stadtgestaltung, in der Kulturlandschaft und im Freizeitverhalten Bestehendes hinterfragen und neue Wege suchen; weil sie das Profil ihres Museums überprüfen und entwickeln, verändern wollen. Geichzeitig gerät mit diesen Gedankenspielen das etablierte Panorama der zeitgenössischen Kunst in Bremen – zunächst gedanklich – in Bewegung. Es kann nur gut sein, die bestehenden Angebote für Bremer Künstlerinnen und Künstler, für das Bremer Publikum und für Gäste Bremens immer wieder einmal zu überdenken und wenn nötig aufzufrischen oder zu verändern. Wie sonst sollten neue Formate, neue Förderformen, neue Präsentationsformen und nicht zuletzt der künstlerische und kuratorische Nachwuchs und das Nachwuchspublikum, ihre Wahrnehmung und Vorstellung von Welt und Kunst ihren Platz in der Kulturlandschaft und der Stadtgesellschaft finden? Nur so bleibt zeitgenössische Kunst zeitgenössisch.

Je offener und ausführlicher diese Auseinandersetzung stattfindet, desto besser und ertragreicher: Allein dafür lohnen sich die Ideen aus der Weserburg – und genauso die Reaktionen aus der GAK. Und hoffentlich mischen sich noch mehr Kunstinterressierte und -schaffende in die Debatten dazu ein! Es wäre toll und wichtig, dass sich jetzt nicht Einrichtungsvertreter in den jeweils eigenen Mauern verschanzen, sondern wir über die besten Konstellationen, Orte und Programme für internationale und lokale Kunst in Bremen streiten – und sie gemeinsam definieren.

Dazu gehört ganz sicher auch die offene Diskussion über die Kunst im öffentlichen Raum in unserer Stadt, die Rolle des dafür zuständigen Landesbeirats, die Höhe und Herkunft der dafür zur Verfügung stehenden Mittel – und ganz konkret und aktuell auch die Aufstellung, Ausschreibung und Ausgestaltung eines Sonderprogamms für Kunst im öffentlichen Raum in der Überseestadt: (siehe dazu im 4. Entwicklungsbericht zur Überseestadt S. 18f. bzw. 23f. im PDF) Das darf weder kein Geheimprojekt werden und nicht bloße Dekoration von Flächen- und Immobilienvermarktung werden. Überregionale und internationale Ausstrahlung ist dafür genau so wichtig wie die lokale Verankerung und Diskursqualität. Bremen erhält bundesweit sehr viel Anerkennung für seine stadtentwicklerischen Beteiligungsformate – von der Sanierung Osterholz-Tenevers über die Aufstellung des Leitbilds Bremen 2020 und des Innenstadt-, des Verkehrs-, des Flächennutzungsplans bis zur Quartiersentwicklung etwa am Hulsberg, in Huckelriede oder im Bremer Westen. Dabei spielt Kultur eine zunehmend wichtige Rolle – und da sollte sich die zeitgenössische Kunst nicht heraushalten oder in bestehende Nischen oder Traumwelten verkriechen.

Aus Sicht der Stadtentwicklung ist die Idee eines neuen Museums in der Überseestadt natürlich interessant und reizvoll. Für die Kulturentwicklung sind Diskussionen und Entwicklungen ohnehin ein Gewinn, der die Akteure insgesamt stärkt. Bevor aber Entscheidungen zu all dem fallen, braucht es einen offenen Diskurs – und nicht zuletzt überzeugende, zu Teilen neue Konzepte: Denn was würde, was sollte stattfinden an neuen (oder alten) Standorten, unter neuen oder neu entdeckten Nachbarn und KollegInnen, gemeinsam auch mit der nächsten Generation von Kreativen und Kulturfreunden? Das liegt vor allem in der Verantwortung der Akteure: Auf ihre Ideen und Impulse kommt es an – und darauf bin ich gespannt!“

Die Überseestadt ressortübergeifend weiter entwickeln

In Politik, Stadt, wörtlich! on 22. November 2012 at 20:42

Die sehr erfolgreiche Vermarktung und Entwicklung von Flächen und Immobilien in der Überseestadt soll selbstverständlich weitergeführt werden. Es ist nun aber an der Zeit, sich auch der sozialen, ökologischen und kulturellen Entwicklung der Überseestadt wie auch dem Verkehr und der Stadtentwicklung im Zusammenhang benachbarter Quartiere zu widmen.

Die Große Anfrage von SPD und Grünen vom 10. Juli 2012, Drucksache 18/199 S, und dazu die Antwort des Senats vom 16. Oktober 2012, Drucksache 18/228 S – und hier meine Rede vom 20.11.2012 dazu:

Sehr geehrter Herr Präsident, meine Damen und Herren, liebe Kolleginnen und Kollegen,

Ich möchte mich bedanken für die ausführliche Antwort des Senats auf unsere Große Anfrage zur ressortübergreifenden Weiterentwicklung der Überseestadt und den 4. Entwicklungsbericht zur Überseestadt. Beide führen – wieder, muss man ja inzwischen sagen – eindrucksvoll vor Augen, was für ein großer Vermarktungserfolg und Entwicklungserfolg die Schaffung dieses neuen Ortsteils von Walle ist. Da sind wir uns glaube ich hier im Haus alle einig.

Ich will aber auch nicht verhehlen, dass es mich ein bisschen irritiert hat, dass es für den Gesamtsenat drei Monate dauert, ressortübergreifend gemeinsam aufzuschreiben, wie toll es in der Überseestadt läuft.

Wir haben ja natürlich ganz bewusst nach der ressortübergreifenden Weiter-Entwicklung der Überseestadt gefragt. Denn so unstrittig erfolgreich die bisherige Entwicklung ist – so offenkundig liegt auch jetzt vor uns, dass die Entwicklung jetzt einen zusätzlichen, anderen Dreh kriegen muss: Seit zehn Jahren siedeln sich dort Menschen an – mit kleinen oder großen Investitionen, mit ganz verschiedenen Erwartungen ans Arbeiten dort als Kreativer, für Handel und Gastronomie, für Industrie, Handwerk oder Unterhaltung – und mit ganz verschiedenen Erwartungen ans Leben in der Überseestadt; als Bewohner oder Besucher oder Arbeitende.

Unterschiedliche Erwartungen, Hoffnungen und Anforderungen bergen auch Konflikte. So fühlen sich gerade die Pioniere der Kreativwirtschaft in der Überseestadt aktuell bedroht durch steigende Preise und rar werdende Nischen und Zwischennutzungsmöglichkeiten. Wie eine Verstetigung für die derzeitigen Nutzer dort z.B. im Schuppen 3 und im Gebäude der Anbiethalle realisiert werden kann, ist ja noch nicht so klar, wenn deren Mietverträge auslaufen. Gleichzeitig schimpfen die ersten Bewohner schon über Baulärm, die Bestandsindustrie sorgt sich um ihre langfristigen Entwicklungsmöglichkeiten– und erste Unternehmungen erweisen sich auch mal als nicht so erfolgreich und müssen wieder schließen. Das ist alles kein Drama und diese Sorgen lassen sich alle erklären, hoffentlich und bestimmt auch ausräumen. Das heißt: Es geht nicht mehr nur um Vermarktung, es geht in der Überseestadt jetzt auch um soziale, gesellschaftliche Fragen, es geht dort um Lebensumfeld und um Arbeits- und Wirtschaftsbedingungen, um Freizeitgestaltung: Die Überseestadt kommt im Leben an und das ist gut so.

Damit verschieben sich die Aufgaben und unserer Ansicht nach auch die Kompetenzen und Zuständigkeiten für das Gebiet: Dort muss jetzt neben der weiteren Flächenvermarktung auch ins Leben, in Lebendigkeit und Öffentlichkeit  investiert werden. Da ist es mit einem Beirat aus Bestands-Wirtschaft und Politik nicht mehr getan – der bezeichnenderweise auch nicht ein einziges Mal mehr getagt hat, seit dieses Parlament hier gewählt wurde. Das geht so nicht!

Bremen gilt als vorbildlich bei der Beteiligung von Beiräten, betroffenen und interessierten Bürgern in der Quartiersentwicklung. Wir haben mit immensem Aufwand – und ich finde auch Erfolg – das Leitbild Bremen 2020 und das Innenstadtkonzept Bremen 2020 entwickelt; gestern gerade wurde die Internet-Beteiligung zum Verkehrsentwicklungsplan gestartet und in wenigen Tagen beginnt die öffentliche Beteiligung zum neuen Flächennutzungsplan Bremens. – Und mir fällt überhaupt kein guter Grund ein, warum wir diese Qualitäten nicht auch für die Überseestadt nutzen und sie auch der Überseestadt angedeihen lassen sollten!

Und ein weiterer Punkt ist mir wichtig: Damit die Überseestadt lebendig wird und bleibt, müssen dort erschwingliche Wohnungen – noch erschwinglicher, als es bis heute der Fall ist – angeboten werden. Ich bin unserem Bürgermeister sehr dankbar, dass er darauf immer wieder hinweist! Und das ist nicht nur eine Frage des Preises, auch eine der Lebensart und Lebensqualität dort: Wir wollen nicht, dass die Überseestadt eine Schlafstadt wird, wie das vor ein paar Jahrzehnten mit dem Teerhof mitten in der Stadt passiert ist.  Die Überseestadt braucht deshalb Infrastrukturen für sozial gemischte Anwohner – für Familien und Singles, für Ältere und Jüngere, für Studenten. Die Akteure der Kultur- und Kreativwirtschaft sind übrigens – das wurde ja gestern Abend gerade auf einer sehr guten Veranstaltung der SPD-Fraktion sehr deutlich – vielfach Geringverdiener , und deshalb auch sehr auf günstigen Wohnraum angewiesen, der sich vielleicht mit Arbeitsraum kombiniert. Deshalb ist uns Grünen wichtig, dass das Blauhaus realisiert werden kann, dass der Skaterpark gebaut und auch betrieben werden kann und dass Studentenwohnungen, Kita und auch Kultur endlich wirklich dort angesiedelt werden. …

… Kultur auch im Sinne von Auseinandersetzung, Intervention und Impulsen für das städtische Leben – und nicht als Geheimoperation in Großprojekten. Und ich sage ganz klar: Das alles – Wohnen, Leben, öffentliche Räume, und das alles attraktiv und bezahlbar – ist uns wichtiger als das Sinnieren über Skianlagen, Legoländer und sowas! Und das muss hier und da auch Vorrang haben vor der Höchstpreisvermarktung von Flächen!

Wenn es für den Schuppen 3 die Möglichkeit gibt, hier ein wenig Hafenambiente, Wasserlage, Durchlässigkeit, Wandel und Lebendigkeit zu erhalten, zu signalisieren und auch für Menschen verfügbar zu halten – die da schon seit Jahren sind aus der Kultur- und Kreativwirtschaft; arbeitende, konsumierende Menschen – dann sollten wir diese Chance ergreifen!

Es gibt so viel urbremisches Interesse, so viel lokale Sympathie, so viele bremische Ideen zur Überseestadt, dass es Zeit wird, die aufzunehmen, anzunehmen, auch mal zu kanalisieren, öffentlich zu diskutieren und weiter zu treiben. Wir können es doch nicht dem Weser-Kurier überlassen, jede Woche eine neue, in Wirklichkeit Jahre alte, Nutzungsidee von Bremer Entwicklern für den Schuppen 3 zu diskutieren?!

Liebe Senatoren und Senatorinnen, tun Sie das bitte ressortübergreifend, sich in den Kompetenzen und Talenten Ihrer Ressorts ergänzend. Wir erwarten viel von einem neuen Beirat Überseestadt – und dessen Neuaufstellung sagen Sie in Ihrer Antwort ja für Anfang 2013 auch zu. Nehmen Sie diese Neuaufstellung bitte auch zum Anlass, auch die Zuständigkeiten und Aufgaben für die Überseestadt innerhalb Ihrer Ressorts weiter zu justieren.

Herzlichen Dank für Ihre Aufmerksamkeit.

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Liebe Frau Bernhard: Sie haben jetzt noch mal kräftig die Klischees gemixt und aufgerührt, die wir eben gerne vermeiden und abbauen möchten. Sie ja auch. Lassen Sie doch den Klassenkampf weg und wir sind uns einfach einig?! Alle Redner haben hier angemahnt, dass es bezahlbares Wohnen in der Überseestadt geben muss.

Herr Senator Günthner, Sie haben Einiges – viel Positives – zur Kultur- und Kreativwirtschaft gesagt. Bitte achten Sie darauf, das die Kreativen da auch bleiben, auch leben und wohnen können! Die Netzwerke der Kreativwirtschaft sind das eine, die sind wirklich vorbildlich und erfolgreich in Bremen – aber die kleinen, einzelnen Kreativen, die Klein- und Kleinstunternehmen, sind auf günstigen Wohn- und Arbeitsraum angewiesen und die können auch nicht 8 Euro pro Quadratmeter bezahlen. Und Co-Working-Spaces, liebe Frau Bernhard, sind keine Glitzerpaläste: Co-Working heißt Zusammenarbeit! Da geht es um Bürogemeinschaften, um 15, 20 Quadratmeter für ein Tonstudio oder ein Fotostudio. Ich habe mit dem Kollegen Ralph Saxe die Kreativen dort heute morgen besucht: Da geht es um Künstlerateliers, 1,2 Filmschnittplätze, ein bisschen Platz für Computerarbeitsplätze, um eine handwerkliche Handtaschenproduktion oder eine kleine Tischlerei.

Noch einmal kurz zu Kunst und Kultur:
Sich mit der Weserburg ein zeitgenössisches Museum in der Überseestadt vorzustellen, gefällt mir prinzipiell erst einmal nicht schlecht – ob sich das realisieren lässt, da kommt es natürlich noch auf die Finanzierung an und auch auf das Konzept, dass mit so einem Umzug verbunden wäre. Und wenn es mit dem Motorschiff Stubnitz die Chance gibt, die Weser und den Hafen – die ja jetzt sozusagen endlich in der City angekommen sind – auch heute wieder, neu aufgeladen, für internationalen Austausch zu nutzen, dann sollten wir diese Möglichkeit schaffen! Auch wenn und gerade weil das Projekte sind, die nicht an vorderster Front der Freizeitindustrie glitzern. Kunst im öffentlichen Raum wäre auch toll. Aber lassen Sie uns das alles öffentlich und offen diskutieren. – Kulturentwicklung geht, genau wie Stadtentwicklung, nicht als Geheimoperation.

Herzlichen Dank.

„Stadt am Fluss“ weiter entwickeln!

In Politik, Stadt, wörtlich! on 19. Oktober 2012 at 12:10

Die Weser ist die historische Lebensader des Landes Bremen – für die Wirtschaft, für Touristinnen und Touristen, für Bremerinnen und Bremer bis heute. Die Nutzung des Flusses und seiner Ufer hat sich in den vergangenen Jahren deutlich erweitert: Dominierten lange Hafenumschlag, Industrie und Verkehr die Uferregionen, hat sich inzwischen eine Vielfalt weiterer urbaner Nutzungen entwickelt und die Weser wurde auch als Naturraum wiederbelebt. In den vergangenen 25 Jahren fand ein grundlegender Wandel an der Bremer Weser statt: Die Stadt ist näher an den Fluss „herangerückt“, wobei in Bremen neben der Weser noch weitere, die Stadtlandschaft prägenden Flüsse wie beispielsweise die Lesum und die Ochtum als Potenziale im Sinne von „Stadt am Fluss land- und wasserseitig weiterentwickeln“ einbezogen werden können. Wir haben den Senat gebeten, zu erläutern, wie diese Entwicklung gestärkt und fortgesetzt werden kann.

Der Antrag von SPD und Grünen „Stadt am Fluss land- und wasserseitig weiterentwickeln“ aus dem Januar 2012,  dazu die Antwort des Senats vom 4. September 2012 – und hier meine Rede dazu:

Sehr geehrter Herr Präsident, sehr geehrte Damen und Herren, werte Kolleginnen und Kollegen!

An der Weser wird gebaut, gelebt, die Freizeit und Natur genossen – und an der Weser entstehen Bilder von Bremen, die dem Image der Stadt zuträglich sind: Wir freuen uns über die eindrucksvolle Vielzahl der Facetten und Projekte entlang der Weser.

An den in den vergangenen fünf Jahren entstandenen Stränden und Renaturierungsmaßnahmen gehen Ökologie und Naherholung Hand in Hand perfekt zusammen: Das Wasser ist für die Menschen sichtbar und auch erreichbar und weitgehend ungestörte Natur wechselt sich am Ufer mit sportlichen und wirtschaftlichen Nutzungen ab. Dazu begrüßen wir auch, dass bei Naturschutz-Kompensationsmaßnahmen in Zukunft noch verstärkt auch auf die Zugänglichkeit und Erlebbarkeit der Natur geachtet werden soll.

Bis nächstes Jahr werden die EU und Bremen für die Entwicklung der „Lebensader Weser“ über 5 Millionen Euro investiert haben – die sich für die Natur, für die Lebensqualität, für das Image Bremens nach unserer Überzeugung mehr als lohnen. – Und wir hoffen, dass das Programm auch ab 2014 weiter fortgesetzt werden kann.

Auch am Segelhafen am Weserstadion und rund um das Weserwehr werden wir dieses Zusammenspiel von Natur und Freizeit wahrscheinlich schon im nächsten Jahr erleben können. Und wir wollen auch, dass das BWK-Gelände sich zur Weser öffnet und dass der Weserradweg zügig vervollständigt wird.

Und zur Mobilität am Wasser gehört dann natürlich auch die auf dem Wasser, übers Wasser: Die Verbindung von Stadtteilen links und rechts der Weser und entlang der Weser per Schiff sollen ausgebaut werden und dass dafür sogar Verknüpfungen mit dem ÖPNV getestet und geprüft werden, finde ich für die Bevölkerung an der Weser wie für Besucher aus dem Umland und Touristen gleichermaßen interessant.

Wenn wir, meine Damen und Herren, diese Entwicklungen alle haben und hier loben – dann finde ich allerdings, dass wir uns zum Marketing noch ein paar weitergehende Gedanken machen müssen: Es ist vieles da, ist ist viel selbst für uns Bremer noch zu entdecken – das listet die Antwort des Senats ganz eindrucksvoll auf. Es fehlt aber, finde ich, noch ein bisschen der rote, oder sagen wir hier: der wasserblaue Faden, an dem wir und vor allem Bremen-Besucher erkennen können, was an und mit der Weser alles zu erleben ist.

Ich finde deshalb, wir sollten uns überlegen, wie sich die Orte und Angebote gebündelt kommunizieren lassen, noch eindrucksvoller zu einem Image verbinden lassen,  statt sie nur einzeln und „zielgruppenorientiert“ zu vermarkten, wie es in der Antwort heißt.

Ließen sich nicht etwa das Festival Maritim und die Breminale und andere Aktivitäten am Wasser zumindest kommunikativ enger verknüpfen? Ließen sich nicht die alten und neuen Zugänge zur Weser, die Erlebnisräume, die Gastro- und Kulturschiffe und Fähren und die Bauten am Fluss gemeinsam darstellen? Schaffen wir vielleicht, mittelfristig alle Aktivitäten – die kulturellen, die ökologischen, die verkehrlichen – zu einem großen, langen, Weser-Festivalsommer zusammenzubinden?

Ich war ein bisschen erstaunt, dass der vom Stadtmarketing kreierte Begriff „Weserwelten“ in der ganzen Senatsantwort nicht einmal vorkommt. Wobei ich auch das jetzt 25 Jahre lang schon entwickelte und gehegte Label „Stadt am Fluss“ vielleicht fast noch eingängiger und sympathischer finde.

Gespannt bin ich auf das „über mehrere Jahre hinweg kontinuierlich stattfindende Kunstprojekt im öffentlichen Raum auf der Schlachte-Verlängerung in die Überseestadt“ – das ist ja jetzt schon in mehreren Vorlagen und Antworten des Senats angekündigt worden. Die Grünen würden es sehr begrüßen, wenn auch die Kulturszene, Bremens Künstler und die Kreativwirtschaft schon an dessen Entwicklung beteiligt würden!

So entstehen ja die nachhaltigsten Ideen im kreativen Bereich und auch lukrative Synergien zwischen den Guten, die wir in der Stadt schon haben und dem Guten, das dazu noch neu entstehen soll!

Und lassen Sie uns dabei bitte auch über die Schlachte hinaus gucken: Der Weser-Kurier ja gerade eine schöne Serie über das „Kulturufer Neustadt“ gemacht, über die vielen Kultureinrichtungen, die da direkt an der Weser und an der Kleinen Weser liegen. Und wir sollten auch die großartigen kreativen Ideen für die Gedenkstätte Bunker Valentin weiter verfolgen – und realisieren.

Die Insel Harriersand eignet sich hervorragend  für Sommerprojekte der Kultur und der Kreativwirtschaft. Gerade in diesem Sommer sind mit der „Golden City“-Stadtrundfahrt, der kreativen und auch sozialpolitisch interessanten Zwischennutzung des BWK-Geländes in Blumenthal durch die ZwischenZeitZentrale und dem Gastspiel des Motorschiff Stubnitz, das aus Rostock kam und dann nach London weiter gefahren ist, sind an der Überseestadt Formate entstanden, die wir Grünen gerne weiter entwickelt sehen wollen und die für Leben und Kultur am und auf dem Wasser stehen.

Und warum sollten gerade die temporären und die mobilen Projekte sich nicht auch einmal entlang der Weser bewegen und wandern?

Ich würde mich freuen, wenn es uns gelingt, die vielen Einzelaspekte der Senatsantwort – dazu gehören auch die Entwicklungen  zum Wohnen am und auf dem Wasser,  und auch alle nicht in der Antwort auftauchenden Ideen und Projekte –  zu einem Bild von der „Stadt am Fluss“ zu verdichten: Das finde ich eine lohnenswerte, zentrale Aufgabe fürs Stadtmarketing.

Und die Weser zugänglich zu machen für alle – bei frei zugänglichen Ufern, aber auch eintrittsfreien Kulturangeboten – das ist selbstverständlich eine soziale Frage, eie Aufgabe sozialer Stadtentwicklung.

Herzlichen Dank.

Bremen kann mehr für Genossenschaften tun – und mehr von Genossenschaften haben

In Ideenwirtschaft, Politik, Stadt, Welt on 6. Juli 2012 at 10:22

Bremen kann, Bremen sollte mehr für das Genossenschaftswesen tun: Die Genossenschaften sind eine Wirtschaftsform, die Solidarität und Teilhabe, gemeinsame Verantwortung für Wohlfahrt und Daseinsvorsorge sozial und wirtschaftlich konkret leben.

1000 Neugründungen von Genossenschaften gab es in den letzten Jahren in Deutschland – im Energiesektor boomt diese Wirtschaftsform. Aber auch im Sozialen, in Medien und Kultur, in Landwirtschaft und Einzelhandel ist sie erfolgreich. „Die internationale Finanz- und Wirtschaftskrise hat gezeigt, wie abrupt nicht nachhaltige Formen des Wirtschaftens uns in existenzielle Krisen stürzen können. Man muss schon sagen, dass die Genossenschaften nicht dadurch aufgefallen sind, dass sie besonders schlecht durch die Krise gekommen sind.“ Wer hats gesagt? Die Bundeskanzlerin. Und sie liegt richtig mit diesem Lob: In einer Zeit des vor allem von den Banken verursachten Misstrauens in Marktwirtschaft und Kapitalismus sollten uns unternehmerisch denkende und verantwortungsvoll handelnde, im Alltag sichtbare, nahbare, erlebbare Unternehmens- und Arbeitsformen wichtig und wertvoll sein.

Dass deren Akteure sich gesellschaftlich und politisch einmischen wollen, innovative Impulse setzen können, neugierig und gestaltungswillig sind, Zukunftsideen verfolgen, kann Genossenschaften auch zu Mutiplikatoren und Motoren gesellschaftlicher Veränderungen machen, an denen auch junge und alte Menschen, Selbständige und Inhaber von Klein- und Kleinstgewerbe beteiligen sein können. Sie könnten sich selbst als Genossen in die Lage versetzen, in gemeinsamer und gegenseitiger Verantwortung ökonomische Projekte zu finanzieren und zu realisieren.

Teilhabe und Finanzierungen im Bereich ökologischer, kultureller, sozialer oder kreativwirtschaftlicher Vorhaben zu ermöglichen, sie für die Energieversorgung, im Wohnungsbau, in der Nahversorgung oder der Gebäudebewirtschaftung zu nutzen, ist eine wichtige politische Aufgabe.

Die Antwort des Bremer Senats auf unsere Kleine Anfrage zum Genossenschaftswesen in Bremen, zeigt leider mehr als deutlich, dass hier in Bremen noch einiges zu tun ist: Sie beschränkt sich weitestgehend auf eine lexikalische Definition des Themas. (siehe http://www.gruene-fraktion-bremen.de/cms/default/dokbin/410/410531.kleine_anfrage_genossenschaftswesen_foer.pdf ) – Die Lektüre der aktuellen Genossenschafts-Serie des Weser Kuriers ist da schon viel aufschlussreicher und inspirierender. Ein weiterer Hör- und Lesetipp zum morgigen Tag der Genossenschaften: „Die Genossenschaften kehren zurück“ – http://www.dradio.de/dkultur/sendungen/zeitfragen/1800217

Eine Tradition des Genossenschaftswesens gibt es in Bremen kaum – eine Vision offenbar auch nicht. Dabei wäre gerade im Wohnungsbau ein Zusammenführen öffentlicher Interessen und privater, echter Verantwortung dringlich und wichtig. Im Energiebereich sind Genossenschaften oft schon Treiber des Marktes und seiner Entwicklung. Weil Genossenschaftsmitglieder traditionell auf Werte wie Ehrlichkeit, Sozialverantwortlichkeit und gegenseitiges Interesse setzen, kann ihr Wirken besonders nachhaltig sein. Auch das Weitergeben von Erfahrung, der generationenübergreifende Austausch in Genossenschaften wirkt nachhaltig. Ihre spezialisierte lokale Kompetenz, ihr teilhabendes Agieren und Wirken kann eine integrierte, soziale, ganzheitliche Stadtentwicklung vielfältig befördern.

Gründungshilfen, Entbürokratisierung, Qualifizierung und Beratung für Genossenschaften, Wertschätzung und Werbung für dieses Wirtschaftsmodell wären deshalb in Bremen besonders wichtig. Die seit 2008 geltenden Vorteile bei der Gründung von GmbHs könnten auch die Gründung von Genossenschaften attraktiver machen. Im Alltag niedersächsischer und nordrhein-westfälischer Schulen gibt es bereits Schüler-Genossenschaften: Bremen kann mehr für Genossenschaften tun – und mehr von Genossenschaften haben. Schade, dass der Wirtschaftssenator diese Chancen nicht sehen will.

Für eine belebte, einladende Bremer City statt Zeltstädten und Wagenburgen

In Politik, Stadt, wörtlich! on 21. Juni 2012 at 20:40

Bürgerschaftspräsident Christian Weber (SPD) und Anrainer des Marktplatzes fordern eine Begrenzung der Nutzung des Marktplatzes für öffentliche Veranstaltungen. Der Sprecher für Stadtentwicklung und Kultur, Carsten Werner, regt an, „über eine Gestaltungssatzung für Veranstaltungen und Werbung in der City nachzudenken. Sie könnte auch in der weiteren Innenstadt, etwa am Liebfrauen- und am Ansgarikirchhof, bei der Genehmigung von Events, Werbung und Beschallung helfen.“ So behinderten übermäßig viele und große Werbemaßnahmen neben dem freien Blick und der zwischenmenschlichen Kommunikation auch immer öfter den wachsenden Fuß- und Radverkehr in der Stadt.

Carsten Werner betont die Bedeutung der Innenstadt und besonders des Marktplatzes für das Image Bremens: „Rathaus und Roland sind Teil des international beworbenen UNESCO-Welterbes – wenn sie von Plastikplanen, Lieferwagen und Veranstaltungstechnik umstellt sind, ist das mehr als irritierend. Deshalb ist es nicht zuletzt eine Aufgabe auch des Stadtmarketings, bei der Gestaltung und Nutzung auf deren Ästhetik, Angemessenheit und Offenheit zu achten. Auch von den City-Geschäftsleuten würde ich mir wünschen, dass sie sich für eine Entrümpelung im Sinne einer lebendigen Aufenthaltsqualität in Bremens Mitte mindestens ebenso engagieren wie gegen zusätzliche Einzelhandelsflächen andernorts. An Beratungen über Kriterien dafür sollte auch der Landesbeirat Kunst im öffentlichen Raum beteiligt werden.“ Carsten Werner kritisiert: „Viele Veranstalter kreisen buchstäblich um sich selbst und sind offenkundig gefangen in subjektiven technischen und organisatorischen Zwängen. Wer aber in die Stadt, auf die Straße, auf prominente Plätze drängt, muss auch mit dem Charakter der Stadt und der Plätze umgehen und darf sich da nicht in Zeltstädten und Wagenburgen einigeln: Mehr Kommunikation, weniger frontale Präsentation. Wenn die City spielerisch belebt wird, mit Unterhaltung lockt und zum Verweilen einlädt, wäre das gut so – wenn es aber um billige Verkaufe, geschlossene Gesellschaften oder Selbstdarstellung geht, gibt es dafür bessere Formate als den öffentlichen Raum.“

Der innenpolitische Sprecher Björn Fecker warnt in der Debatte um die Marktplatz- Nutzung davor, übers Ziel hinauszuschießen, und fordert einen verbindlichen Kriterien-Katalog für die Nutzung. Dazu erklärt Björn Fecker: „Der Marktplatz ist kein Friedhof. Die Vielzahl an Veranstaltungen und die Lautstärke zu begrenzen, ist zwar richtig. Aber der Marktplatz muss als zentraler Ort der Stadt belebt bleiben. Für die Nutzung muss es einen klaren und verbindlichen Kriterienkatalog geben. Der kann bei diesem zentralen Platz, der den Menschen dieser Stadt gehört, nur von den zuständigen Gremien verabschiedet werden. Die Kriterien müssen transparent und auf Dauer tragfähig sein. Dazu ist zunächst eine Bewertung der bisherigen Veranstaltungen nötig. Das Stadtamt braucht klare Vorgaben wie z.B. Qualitätsstandards, zulässige Größe der Veranstaltung, Dauer der Proben oder auch Abstand zum Roland. Das Weinfest z.B. wirkt wie eine Wagenburg im Wilden Westen und verstellt den Blick auf das schöne Marktplatz-Ensemble. Das muss sicherlich nicht sein. Aber was ist dann mit der Eröffnung der Matjes-Saison, die auch eine kommerzielle und laute Veranstaltung ist? Was auf dem Marktplatz zulässig ist, darf nicht vom persönlichen Geschmack abhängen. Kulturveranstaltungen wie La Strada oder auch der Bremer Karneval sollten dort weiterhin möglich sein. Solche Attraktionen tragen zum guten Image der Stadt bei. Für uns ist ebenso klar, dass StraßenkünstlerInnen in der Stadt der Stadtmusikanten dazugehören. Die Polizei hat in Bremen wesentlich wichtigere Aufgaben, als Musikanten zu kontrollieren.“

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