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„Wirtschaftswachstum ist nicht das Maß der Dinge – neue Indikatoren für Wohlstand und Lebensqualität“

In Politik, wörtlich!, Welt on 5. Juni 2013 at 18:42

(M)ein(e) paar Argumente für das Grüne Wahlprogramm-Schlüsselprojekt Nr. 5:

„Mein Projekt“: Nr. 05 – „Wirtschaftswachstum ist nicht das Maß der Dinge – neue Indikatoren für Wohlstand und Lebensqualität“

Wirtschaftswachstum ist nicht das Maß aller Dinge und das Maß von Wohlstand – wir wollen neue Indikatoren und Maßstäbe für Wohlstand und für Lebensqualität in die Politik und ins staatliche Tun bringen. Bisher ist der Maßstab dafür das Bruttoinlandsprodukt – das steigt aber auch durch Umweltverschmutzung, Unfälle, Krankheiten und Umweltkatastrophen und deren Beseitigung.

Ich finde, dass Politik noch viel mehr auch immaterielle Werte zum Maßstab von staatlichem Handeln machen muss. Dabei und dazu muss man gesellschaftliche Realitäten anerkennen. Die zu sehen und wertzuschätzen, wären schon ein wichtiger Schritt in Richtung neuer Kriterien für Lebensqualität. Das gilt von der Mehrstaatigkeit bis zur Homoehe, in der Familienpolitik und auch für die Arbeitswelt:

Die Welt ist viel bunter und vielfältiger, als das viele Gesetze und Vorschriften und auch die Besetzung vieler Gremien vorsehen. Individuelle Lebensformen und individuelle Arten, zu arbeiten oder zu wohnen, Aus- und Freizeiten zu nutzen  – Vieles  hat sich in den letzten Jahren und Jahrzehnten verändert im Zusammenleben und in der Zusammensetzung unserer Gesellschaft. Deutschland ist eine Einwanderungsgesellschaft, eine moderne und bunte, vielfältige, kreative Gesellschaft.

Wir müssen raus aus den vielen Parallelwelten , müssen Nachbarschaft und Stadt gemeinsam leben und entwickeln. Freiheit muss nicht immer die Freiheit VON sein – Freiheit ist vor allem auch die Freiheit ZU … – gestaltetem Leben, zu Selbstvertrauen und Selbstbewusstsein, Freiheit zur Gestaltung und Wahrnehmung.

Deshalb ist uns Grünen eine Beteiligungskultur nicht nur im politischen Bereich wichtig, sondern im ganzen Stadtleben, in der sozialen Verantwortung, in der Entwicklung unseres Gemeinwesens, in der wirtschaftlichen Teilhabe. Was und wer „gesellschaftlich relevant“ ist, wie das immer etwas technokratisch heißt, müssen wir neu verhandeln und ständig aktualisieren.

Wenn wir Vielfalt und Indiviualität als Wert verstehen und zur Grundlage von Politik machen, dann ergibt sich daraus ein Mehrwert an Möglichkeiten, an Erfahrungen und Kompetenz für alle Lebensbereiche – und auch andere, weitere Maßstäbe für Wohlstand:

–         Eine lebenswerte Umwelt  – der Stadtraum, der einlädt zum Verweilen und zum Austausch, intakte und gesunde Grünräume, saubere Luft, bezahlbares Wasser: Alles das ist Wohlstand! Und der ökologische Fußabdruck ist so messbar wie das alte Bruttoinlandsprodukt.

–         Zeit muss für die Politik eine wichtigere Rolle spielen: Zeit, die gutes Leben ausmacht: Zeit für die Familie, Zeit für Muße und Innovationen, Zeit für Kultur und Gefühle, Zeit für Nachbarn und Mitmenschen – Zeit für Wahrnehmung. Auch Zeit ist sehr einfach messbar.

–         Vielfalt und Diversität, Austausch und Interaktion sind in der Wirtschaft, im sozialen und kulturellen Bereich genau so wichtig für Entwicklungen und Innovationen, wie sie wichtig für Umwelt und Evolution sind – bunt sind nicht nur Werbung und Konsum.

–         Und Konsum muss nicht nur Shopping und Verbrauch sein – Konsum ist auch der Genuss von gutem Essen, von Musik und Filmen und Literatur: Auch den kann man messen – in Wissen, in Gesundheit, in Zeit.

–         Wissen und Kreativität sind wichtige, unbegrenzte und erweiterbare Ressourcen einer freien und freiheitlichen Gesellschaft – Geld ist dafür nur eine von vielen Maßeinheiten.

In allen diesen Bereichen ist das Wachstumspotential riesig – und der Wohlfühlfaktor, der subjektive und individuelle Wohlstand, effektive Lebensqualität sind gar nicht so schwierig zu erreichen; wenn wir sie wahrnehmen, sie auch politisch und ökonomisch anerkennen – sie möglich machen und wirken lassen.

Deshalb bin ich für eine Nachhaltigkeitsberichterstattung in Wirtschaft und Gesellschaft, für soziale und ökologische Kennzahlen, für soziale und kulturelle Parameter bei der Bemessung wirtschaftlicher und gesellschaftlicher Erfolge und Entwicklungen.

… und dazu gibt es natürlich noch ein paar mehr Projekte, die mir am Herzen liegen:


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Nachahmung erwünscht: Bürgerbeteiligung vervielfältigen!

In Ideenwirtschaft, Politik, Stadt, wörtlich! on 21. Mai 2013 at 15:07

Die Grünen haben eine Kleine Anfrage zur Evaluation und Nutzbarmachung von Erfahrungen in Projekten der Bürgerbeteiligung an den Senat gerichtet. Denn Bremens Vorreiterrolle in differenzierter und frühzeitiger Bürgerbeteiligung sollte ausgebaut, kommuniziert und weiterentwickelt werden: Nachfolgeprojekte können von einer Dokumentation und Weitergabe der Erfahrungen sehr profitieren.

Gerade weil die Methoden und Werkzeuge für die Bremer Beteiligungs-Projekte sehr individuell sind und von den jeweiligen AkteurInnen und deren Erfahrungen geprägt werden, ist das „Festhalten“ der Verfahren, Methoden und Maßnahmen, die teilweise erst im Prozessablauf erprobt und entwickelt werden, eine große Herausforderung. Die Antwort des Senats macht deutlich, wie in Bremen Bürgerbeteiligung praktisch, pragmatisch und individuell unterstützt und immer wieder neu entwickelt wird. „So können Beteiligungsformen gefunden und praktiziert werden, die nah an der Sache und nah an den Bürgerinnen und Bürgern sind“ und direkt „am jeweiligen Projekt entwickelt werden“, schreibt der Senat. Die inzwischen auch vermehrt überregionales Interesse weckenden Bremer „Beteiligungs-Kultur“ sei vermutlich deshalb relativ breit
ausgeprägt und erfolgreich, weil sie immer wieder „graswurzelartig“ wachse und immer wieder neu variiere, um stets lebendige, passgenaue und pragmatische Beteiligungsverfahren zu gewährleisten.

Ob Schwimmbad oder Autobahn, Vergabe von Fördergeldern für die Kreativwirtschaft oder Entwicklung neuer Stadtviertel wie im Hulsberg-Quartier, ob Verkehrsentwicklungsplan oder Flächennutzungsplan, ob Jugendbeteiligung oder Business Improvement Districs (BID) – viele für die Stadtentwicklung wichtige und notwendige Projekte werden durch entsprechende Beteiligungsformate erst lebendig. Es lohnt sich, die Kompetenz von BürgerInnen, Betroffenen und Interessenvertretungen zu nutzen und in staatliches Handeln zu integrieren. Dabei sollten wir beachten, dass gut gemachte Bürgerbeteiligung nicht nur eine Form der Problemlösung oder -vermeidung ist – sondern dass es sich für Bremen auch geldwert lohnt, wenn Initiativen und Engagement, Wissen und Ideen von Bürgerinnen und Bürgern wachsen und wirken können: Das gilt für die Stadt- und Quartiersentwicklung ebenso, wie es für die Kulturlandschaft, für soziale Anliegen oder etwa für ein effektives Mund-zu-Mund-Stadtmarketing hilfreich, ideengebend und stilprägend sein kann.

Bürgerengagement, -interesse und -wissen müssen gestärkt und gefördert, genutzt und fruchtbar gemacht werden, wo sie die Gemeinschaft stärken und Erfahrungen für die Gesamtgesellschaft produktiv machen – das wirkt im besten Sinne nachhaltig und damit nicht zuletzt auch kostensparend. Das gilt nicht nur für die politische Teilhabe, sondern durchaus auch für die Beratung zu genossenschaftlichen Wirtschaftsmodellen, für Baugruppen und für viele Träger im Sozial- oder Kulturbereich. – Je individueller die Rahmen und die Regeln dafür geschaffen und angewandt werden, desto größer dürfte der Effekt sein – und desto mehr Ideen können sprudeln und sich verbinden: Wenn die Blicke über den eigenen Tellerrand, die eigene Filterbubble, die eigene Nachbarschaft hinausgehen, wächst neben Wissen und Erfahrung auch das Verstehen und Verständnis für die vielen „Parallelgesellschaften“ und -interessen in unserer Stadt und Gesellschaft – und Bremen wird erneuerbar.

Die Anfrage und die Antwort des Senats finden Sie hier: http://gruenlink.de/iul

Fähr‘ doch mal rüber !

In Politik, Stadt, wörtlich! on 14. Mai 2013 at 22:21

Meine Rede zum Antrag „Stadtteile am Fluss über den Fluss verbinden“

Im Jahr 1987 sind die Grünen in den Bürgerschaftswahlkampf gezogen mit der Parole „Mit dem Gesicht statt mit dem Arsch zur Weser“.

Nach der Wahl beschrieb der Abgeordnete Fücks damals hier im Parlament eine Vision für das Jahr 1999 mit einer Reise von Hemelingen bis Blumenthal – das liegt in Bremen-Nord ;-) – entlang der Weser, vorbei an Wohnungen, Gründerzentren, alternativer Energieerzeugung, Filmstudios, und einem innerstädtischen Schiffspendelverkehr über die Weser. Laut Herrn Fücks – so erzählt er es jedenfalls heute – soll damals der Abgeordnete Wedemeier dazwischengerufen haben: „Das ist eine Rede gegen Bremen!“ Der damalige Präsident der Bürgerschaft wollte Herrn Fücks das Wort entziehen.

Das Thema war jedoch in der Welt, und mit dem Verein Weserlust, des Bremischen Vereins Hal över und vielen kleinen Projekten auch in Gröpelingen, Walle und Bremen-Nord begann es. Das ist lange her, und es hat etwas länger gedauert, als bis zum Jahr 1999 – als es eigentlich erst richtig begann. Es wurde vorher noch mit Verve dort ein Großmarkt gebaut, der aber auch nichts mehr verhindern konnte. Heute kann man sagen, dass ziemlich viel von dem, was Herr Fücks vor 26 Jahren hier zusammengesponnen hat, so ähnlich eingetreten ist, und darüber sind wir froh, und wir sind stolz darauf: Die „Stadt am Fluss“ lebt, funktioniert und ist ein großer – der wichtigste, wie ich finde – Erfolg der Stadtentwicklung Bremens in den vergangenen Jahrzehnten!

Deshalb haben wir uns sehr über den Antrag von Herrn Pohlmann und der SPD-Fraktion gefreut. Über den Antrag im letzten Jahr zur „Stadt am Fluss“ haben wir uns ja auch schon gefreut. Aus dem Fücks’schen Filmstudio sind das Pier 2 und ein Varietétheater geworden, und manche hoffen im Moment darauf und arbeiten dafür, dass auch noch ein Museum hinzukommt. Die schöne Idee des Schiffspendelverkehrs aber wollen wir mit Herrn Fücks und allen Bremerinnen und Bremern, die davon noch träumen, gern weiterverfolgen, weil es viel mehr als eine schöne Idee ist. Herr Pohlmann hat es soeben sehr ausführlich beschrieben, das alles will ich gar nicht wiederholen. Die Weser ist wieder zum Gesicht, zum Zentrum der Stadt geworden.

Viele Akteure und Initiativen in Gröpelingen, Woltmershausen und Walle haben sich aufgrund der großartigen Entwicklung der Überseestadt und der schönen, erschlossenen Grünanlagen und Wasserlagen in Pusdorf in den letzten Jahren wieder verstärkt für Fährverkehre eingesetzt. Bei allen, die es nicht nur gefordert haben, sondern auch durch ihre oft ehrenamtliche Arbeit in den Stadtteilen, der Kultur, den Beiräten und den Nachbarschaften schon an den Aktionstagen in den vergangenen Jahren immer wieder ermöglicht haben und dieses Jahr zum ersten Mal sogar einen regelmäßigen Fährverkehr an den Sonn- und Feiertagen ermöglichten, möchte ich mich hier sehr herzlich bedanken!

Genau solche Modelle und Erprobungen braucht die Stadtentwicklung auch und immer wieder. Man muss es einfach mal machen, und dann sieht man, dass es auch anders gehen kann, als es immer schon ging! Und in diesem Fall ging es ja sogar ganz früher schon einmal. Wir wollen das Experiment deshalb politisch begleiten und schauen, was die Fähren über die und entlang der Weser neben der Freizeit und der konkreten nachbarschaftlichen Verbindung von Stadtteilen vielleicht auch für den ÖPNV und die Entwicklung der Wohnlagen und der Arbeitsstätten in der Überseestadt, in Gröpelingen und in Woltmershausen bedeuten können und was sie für die Durchmischung der Stadtteile bewirken können, über die wir häufig sprechen und an der wir arbeiten.

Lassen Sie es uns konstruktiv und zukunftsgerichtet anschauen und herausfinden. Fahren Sie dazu als Erstes einmal an einem Sonntag einfach mit, und stimmen Sie bitte unserem Antrag zu!

update: Erfolg des Testbetriebs und weitere Pläne – Weser-Kurier v. 27.11.2013

Bremen in Riga in Europa erleben

In Kunst, Politik, wörtlich!, Welt on 18. Dezember 2012 at 12:51

Als Bremen sich – leider vergebens – als Kulturhauptstadt Europas 2010 bewarb, hatte sich unsere Partnerstadt Riga an Projekten im Rahmen der Bewerbung beteiligt. Im Jahr 2014 wird Riga Kulturhauptstadt Europas sein, und nun soll umgekehrt sich Bremen mit unterstützenden kulturellen Projekten und der Beteiligung Bremer Künstlerinnen und Künstler revanchieren. Dies ist das Ziel eines in der Bremischen Bürgerschaft einstimmig beschlossenen Antrags.

Ich finde, dass nicht nur die formalen Beziehungen in der Städtepartnerschaft eine Rolle spielen sollten, sondern auch das, was für die Kulturszenen in Lettland wie in Bremen gegenseitig interessant und herausfordernd ist. Vor allem die Bremer KünstlerInnen, Kultureinrichtungen, Projekte, Initiativen und Stiftungen sollten für 2014 konzentriert nach Lettland schauen und sehen, was uns heute mit Riga verbindet – an gemeinsamen Zukunftsideen, gemeinsamer Erinnerung, an Austauschprojekten, Kooperationen und Stipendien.

 

Meine Rede dazu in der Stadtbürgerschaft:

Sehr geehrter Herr Präsident, liebe Kolleginnen und Kollegen,

die Kulturhauptstädte Europas sind, so hat das der Ausschuss der Regionen der Europäischen Union gerade festgehalten, “eine der ambitioniertesten, weitrei­chendsten und wirksamsten Maßnahmen der EU im Kulturbereich, die den Reichtum, die Viel­falt und die Gemeinsamkeiten lokaler, regionaler, nationaler und europäischer Kulturentwicklung zum Ausdruck bringt“. So ist es. Und das kann jeder bestätigen, der oder die die Entstehung von Programmen der Kulturhauptstädte, die Hauptstadtjahre jeweils selbst, und nicht zuletzt auch den jeweiligen Nachklang, den Effekt erleben konnte:

Ob das nun Linz oder Essen, Liverpool oder Tallinn, Istanbul waren oder nächstes Jahr Marseille. Selbst für die Städte, die gerne Kulturhauptstadt werden wollten, für die das aber nicht geklappt hat – wie zum Beispiel Newcastle oder Bremen – hat die Beschäftigung mit dem europäischen Kulturraum, mit ihrer eigenen kulturellen Identität in diesem Raum und ihrer Zukunft, eine erhellende und mit Blick aufs Kulturelle eine öffnende Wirkung. Wir haben das in Bremen erlebt, und wir erleben den Nachhall dieser Auseinandersetzung sieben Jahre nach der gescheiterten Bewerbung immer noch hier und da: In den offenen Beteiligungen an Entwicklungsprozessen im Kulturbereich – aber auch nicht nur im Kulturbereich; wir haben vorhin gerade über die Entwicklungsagentur West gesprochen; das hat, glaube ich, kulturell sehr viel miteinander zu tun – und in Projekten, die damals hier entstanden sind und die heute weiter bestehen.

In die Bremer Bewerbung waren damals natürlich auch Bremens Partnerstädte einbezogen. Ich erinnere mich an gute Projekte gerade der jüngeren Generationen von Kulturschaffenden, in denen zwischen Danzig und Bremen oder zwischen Riga und Bremen kommuniziert, gereist und hin und her geschaltet wurde, im wahrsten Sinne des Wortes zum Beispiel per Internet-Konferenz-Show.  Ich erinnere mich, wie ganz weit vorne Riga damals in Sachen Video und Lichtkunst war, dass die ersten lettischen Regisseure an deutschen Theatern – erst in den freien und dann in den Stadttheatern – zu der Zeit gastierten; dass Künstler aus Bremen, Weimar und Riga gemeinsame Schiffsreisen auf den historischen Spuren von Johann Gottfried Herder unternommen und künstlerisch dokumentiert haben – und dass diese  Video-Chat-Konferenz-Shows zwischen der Waller Kneipe Hart Backbord und einem Rigaer Club stattgefunden haben. Diesen Geist wünsche ich mir auch für 2014 wieder.

(Beifall beim Bündnis 90/Die Grünen und bei der SPD)

Ich glaube, wir tun gut daran, wenn wir wie auch schon in den Jahren 2004 und 2005 in Bremen nicht allein auf die formalen Beziehungen in der Städtepartnerschaft schauen, sondern auch gucken, was darüber hinaus für die Kulturszene in Lettland und die Kulturszene hier bei uns gemeinsam interessant und herausfordernd ist. Ich kann mir zum Beispiel sehr gut vorstellen, dass sich Künstler von dort und von hier gemeinsam Gedanken machen, wie Erinnerung an die beiden Weltkriege fortleben, fortgesetzt werden kann.

(Beifall beim Bündnis 90/Die Grünen und bei der SPD)

– Zwei im Kern eigentlich europäische Bürgerkriege, die unser Leben bis heute prägen – und die wir gerade auch in den Auseinandersetzungen über und mit Europa in diesen Tagen nicht vergessen dürfen. Wir müssen, glaube ich,  nach dem Ableben der letzten Zeitzeugen, die selbst dabei gewesen sind, Fantasie und Ideen nutzen, um uns zu erinnern.

Ich würde mir wünschen, dass die vielen Austauschprojekte, Kooperationen und Stipendien, die Bremer Kultureinrichtungen durchführen oder mit Initiativen und Stiftungen ausschreiben, für das Jahr 2014 einen konzentrierten Blick nach Lettland werfen – und schauen, was uns heute mit Riga verbindet und was uns in Zukunft gemeinsam sein kann. Wir bitten den Senat, solche Initiativen positiv zu begleiten – und wir bitten die Einrichtungen, nach Riga zu schauen und sich mit Riga zu beschäftigen, wo das möglich und interessant ist.

(Beifall beim Bündnis 90/Die Grünen und bei der SPD)

Die Europäische Kommission bringt gerade die Kulturhauptstadt-Ausschreibungen für die nächste Dekade, für  2020-2033, auf den Weg. Danach wäre Deutschland erst im Jahr 2025 wieder an der Reihe. Aber Europa ist Austausch – und da sollten wir dabei sein, nicht erst wenn Deutschland an der Reihe ist, und wir sollten daran teilhaben, wo und wie es eben geht. Deshalb wäre eine Beteiligung Bremens an der Europäischen Kulturhauptstadt Riga nicht nur eine Geste an unsere Partnerstadt – sondern auch eine schöne Chance, unsere eigene Stadt, Bremen, in Europa zu erleben!

(Beifall beim Bündnis 90/Die Grünen und bei der SPD)

Vielen Dank.

Leviten und Kaffeesatz gelesen: Kultur(politik) braucht Konkurrenz, Konzepte und Kommunikation, Kritik und Kriterien

In Ideenwirtschaft, Kunst, Politik, wörtlich! on 14. Dezember 2012 at 19:00

Liebe Kulturtreibende und KunstgenießerInnen,

„Leviten und Kaffeesatz lesen“ sollten uns Sönke Busch, Jochen Bonz, Christina Vogelsang, Renate Heitmann und Arie Hartog am 5. 12. im Gerhard-Marcks-Haus, Impulse für grüne Kulturpolitik haben wir uns gewünscht und in fünf nachdenklichen, so kritischen wie inspirierenden Reden bekommen.

Nun lässt sich aus 120 Minuten Veranstaltung und individuellen nächtlichen Nachbereitungen schwerlich ein kulturpolitisches Programm ableiten. Wir wollen deshalb weiter arbeiten und die Diskussionen fortsetzen. Dazu werden wir im neuen Jahr ein Blog einrichten, auf dem das geschehen kann – und sicher „viel Kaffee trinken und besprechen“, wie es im Lauf der Debatte hieß.

Zu den drei großen Themenkomplexen Teilhabe und Inklusion, kulturelle Bildung und Kompetenz sowie der gesellschaftlichen Lage vor allem des kulturellen Nachwuchses – die unsere politische Arbeit ja auch jenseits der Kulturpolitik intensiv beschäftigen – haben sich aus meiner Sicht folgende Herausforderungen und Denkansätze aus unserem Treffen herauskristallisiert, die wir weiter diskutieren und entwickeln sollten:

–         Die Nachwuchsförderung beginnt mit der Wahrnehmung und Akzeptanz von Kulturformen und Kulturtechniken auch der nachwachsenden Generationen; das gilt für die kulturelle Bildung, das Leben in Alltags- und Freizeitkulturen sowie für die Märkte der Kulturwirtschaft (wie Kino, TV, Buchmarkt, Spiele und Internet) gleichermaßen.

–         Kultur ist in der Gesellschaft „angekommen“ und ist inzwischen selbstverständlicher Teil auch der Stadtentwicklung, der Bildung, der sozialen Inklusion und des Wirtschaftslebens. Kunst, Kreativität und Kulturpolitik dürfen sich in diesen Bereichen weder verbiegen noch ihre Eigenart verwässern; sie sind nicht die gesellschaftliche Pannenhilfe. Vielmehr müssen sie selbstbewusst um ihre Ansprüche, Identitäts- und Qualitätskriterien ringen, auch für ihren eigenen sozialen Status kämpfen.

–         Lese-, Schreib- und Medienkompetenz sind Voraussetzungen für eine funktionierende Demokratie – kulturelle Bildung ist deshalb ein wesentliches Element zeitgemäßer Bildungspolitik. Künstler und Kreative können dazu ihre Kunstfertigkeiten, ihre Maßstäbe und Ideen beitragen – sie dürfen und können aber nicht Pädagogen ersetzen.

–         Teilhabe bedeutet auch im kulturellen Bereich Anerkennung, Akzeptanz, Kommunikation und Wahrnehmung.

–         Es gilt eine Krise der Kritik, mehr vielleicht noch eine „Krise der Kriterien“ zu überwinden.

Die größte Herausforderung für eine erfolgreiche Kulturentwicklung und Kulturpolitik in diesem umfassenden Sinne scheinen mir die vielfältigen disparaten Scheuklappen- und Tunnelperspektiven, Befindlichkeiten und Interessenslagen (und auch Desinteressenslagen) der einzelnen Sparten- und Institutionen-Ebenen in Kultur und Politik zu sein. Denn Kulturpolitik, Kulturentwicklung zumal, können nicht politische Parteien betreiben: Wir sind angewiesen auf Ideen, Impulse, Forderungen all derer, die sich für Kunst und Kultur interessieren und sie konsumieren – wie und warum auch immer. Kulturverwaltung kann erst verwalten, was ist.

Deshalb brauchen wir neue Diskursfreude und Streitkultur, eine Perspektivendebatte über Kunst und Kultur. Kultur muss sprechfähig sein – wie alle anderen gesellschaftlichen Interessengruppen und –vertretungen auch. Die Frage „Was wollt Ihr denn?“ richtet sich an alle, die Kultur wollen. Zu ihrer Beantwortung braucht es Konkurrenz, Konzepte und Kommunikation, Kritik und Kriterien!

Warum ist aktuelle Kulturpolitik – von der konkreten Förderung künstlerischen Nachwuchses und kultureller Netzwerke über die Erhöhungen und Verbesserungen der Projektförderung oder das Einrichtungs-Contracting bis hin zur Sonntagsöffnung der Bibliotheken oder der Raumsuche für Theaterlabor, Wilde Bühne oder Zuckerwerk, um einige wichtige grüne Anliegen zu benennen – in der Szene so wenig bekannt? Warum wird in Bremens Kunstszene über Bauten und Beraterverträge gestritten – und so wenig über Konzepte? Hat denn wirklich niemand – über die direkt und persönlich Engagierten, Betroffenen und Verantwortlichen hinaus – in Bremen Interesse und Ideen für die Zukunft des Überseemuseums, der Weserburg, der GAK, der Städtischen Galerie oder der Kultur in der Überseestadt? Schon in der Diskussion, allein in einem Wettstreit der Ideen über diese öffentlichen Angelegenheiten liegen unendliche Potentiale der Teilhabe und Erkenntnis, der kreativen Betätigung und Auseinandersetzung, der Kultur- und Stadtentwicklung!

Ist die immer wiederkehrende Klage einzelner Künstler und Kulturschaffender über fehlende Aufmerksamkeit durch die Politik nicht auch eine Klage über fehlende Aufmerksamkeit der Szene selbst, des Publikums und der Medien? Müssen, sollten, können PolitikerInnen dieses Defizit kompensieren? Würde es der Szene, der Kritik, dem Diskurs, den Ideen aufhelfen, wenn sich ein paar PolitikerInnen ein paar mehr Bilder, Konzerte, Inszenierungen ansähen? Ich glaube nicht, dass sie im Kulturpublikum unterrepräsentiert sind – weder KulturpolitikerInnen noch die VertreterInnen der vielen anderen Politikbereiche aller Parteien. Wir müssen und können die Rahmen für Kreativität und Kulturvermittlung verändern – durch verbesserte, transparentere Vergabeverfahren, durch Kommunikation, durch Finanzierungen und die Bereitstellung von Räumen, durch das Erkennen und Stärken von Entwicklungen, natürlich auch durch das Hinterfragen von Etabliertem, das Provozieren von Neuigkeiten, das Stützen von Waghalsigem, Vorsichtigem und Visionärem.

Darüber lasst uns auch 2013 weiter diskutieren und streiten!

let’s talk about … Kunst. Überseestadt. Kunstpolitik. Stadtkunst. Kulturstadt. All das!

In Kunst, Politik, wörtlich! on 27. November 2012 at 00:06

Ein Interview mit der taz zur Sitation des Museum Weserburg, der Gesellschaft für aktuelle Kunst, der Förderung und Präsentation zeitgenössischer Kunst in Bremen und zur Rolle von Kunst und Kreativen in der Überseestadt:

http://www.taz.de/ORTE-DER-GEGENWARTSKUNST/!106179/

„Ich finde sinnvoll, wenn in Bremen öffentlich darüber nachgedacht wird, wie in Zukunft mit zeitgenössischer Kunst umgegangen werden soll. Und ich halte die Auseinandersetzung darüber für notwendig, was in der Überseestadt geschieht, wie sich dieser Stadtteil weiter entwickelt und welche Rolle darin Kultur und Kreativwirtschaft spielen sollen.“

„Da gehören viele Fragen dazu: Wo, wie und von wem und für wen zeitgenössische Kunst entsteht und präsentiert wird. Wie es um die Kunst im öffentlichen Raum steht. Wie bremische und internationale Künstler hier auftreten. Vielleicht auch, ob wir eine staatlich betriebene, geleitete und kuratierte Galerie brauchen.“

Was wir von Bremen erzählen: Kulturstadt-Marketing und Kulturwerbung

In Ideenwirtschaft, Medien, Politik, Stadt, wörtlich! on 22. November 2012 at 23:08

Während Werbung im öffentlichen Raum alltäglich ist, ist die Imagebildung einer Kulturstadt wie Bremen komplizierter und subtiler. Aber beide Themen gehören zusammen: Was immer weniger sichtbar ist, lässt sich immer schwieriger vermitteln. Deshalb brauchen wir nicht nur Sauberkeit und Stadtmöblierung, sondern auch die Möglichkeit, im öffentlichen Raum für Kultur, politische Ideen und gesellschaftliche Anliegen einfach und auch spontan werben zu können – und wir brauchen eine Auffrischung des Bremer Images als Kulturstadt und des entsprechenden Stadtmarktings.

Zu diesem Themenkomplex hat die rot-grüne Koalition mit einer Großen Anfrage „Kulturwerbung sicherstellen und Stadtmarketing mit Kultur ausbauen“ die Auswirkungen bestehender „Stadtmarketingverträge“ hinterfragt und Anregungen für ein kulturelles Stadtmarketing gesammelt. – Hier die Antwort des Senats – und hier meine Rede in der Stadtbürgerschaft  vom 20.11.2012 dazu:

Sehr geehrter Herr Präsident, meine Damen und Herren,

ich möchte mich auf zwei Komplexe der Antwort des Senats zu unserer Anfrage konzentrieren, die stehen beide schon in der Überschrift: Zunächst die Kulturwerbung. Da hat sich in den vergangenen Jahren und Monaten einiges verschoben und verändert. Und es mag ja sein, dass der eine oder andere Bremen schöner findet, weil die Litfasssäulen bei uns jetzt leuchten und sich drehen, oder weil es an irgendeiner Ecker weniger wild geklebte Plakate gibt.

Werbung nervt, wenn sie zu viel wird, wenn halbe Straßenzüge vollgekleistert sind oder man in Flyer-Bergen den einzelnen Veranstaltungshinweis gar nicht mehr finden kann. Insofern: Verständlich und sinnvoll, dass manche Einrichtungen das Handling von Werbemaßnahmen outsourcen.  Und richtig, dass Bremen sich seinen öffentlichen Raum gut bezahlen lässt für Werbezwecke.

Werbung ist ein gutes Geschäft und es ist gut, wenn Bremen daran mit verdienen kann. Aber: Wenn Kultureinrichtungen und kleine politische und soziale Initiativen im Stadtraum kaum noch auftauchen können, dann sind wir einen Schritt zu weit gegangen – und den wollen wir dann bitte auch wieder zurück gehen. Für die Grünen ist ganz klar: Es muss überall in Bremen möglich sein, für kulturelle Angebote zu werben, soziale Anliegen zu artikulieren und politische Aktivität zu zeigen.

– und zwar zu technisch und finanziell leistbaren Bedingungen und zu versteh- und beherrschbaren Konditionen; „gewerblich“ und „nicht-gewerblich“, Frau Garling hat das eben angesprochen – das sind heute nur noch mühsam umsetzbare und abgrenzbare Abgrenzungskriterien im Alltagsgeschäft.

Interessanterweise gibt es ja sowieso Ausnahmeregelungen: Erstens für Zirkusse und zweitens für politische Parteien. Das hat vermutlich was mit Traditionen zu tun – auf eine andere Gemeinsamkeit von Zirkussen und Parteien bin ich nicht gekommen.

Aber diese Ausnahmen reichen vielleicht heute nicht mehr: Wir wollen frei und spontan nutzbare Plakatierflächen in allen Stadtteilen – und die Möglichkeit, dass Kulturangebote an bekannten Orten regelmäßig beworben werden können. Vielleicht – und das ist durchaus ein Appell an die Kultureinrichtungen und an das Kulturressort und das Stadtmarketing gleichermaßen – auch einmal wieder mehr gemeinsam und damit auf weniger Papier.

Ich denke, da verrate ich jetzt sicher kein Geheimnis, dazu werden wir in den nächsten Wochen einen Antrag erarbeiten.

Nebenbei: Über den ästhetischen Mehrwert von Hinweisschildern der Grafikdesigner, Autoschrauber, Hundesalons und Nagelstudios Bremens kann man sich ja streiten – aber ihre Kriminalisierung dafür finde ich auch keinen großartigen stadtkulturellen Gewinn. Man muss im öffentlichen Raum schon noch sehen können, was Bremen ausmacht. Das ist das zweite Thema: Bremens Image. Bremens Image als Kulturstadt.

Was an Events und Festivals und Preisen dazu beiträgt, listet die Senatsantwort ja eindrucksvoll auf zehn eng bedruckten Seiten auf – schade dass Frau Staatsrätin Emigholz die hier nicht noch einmal vortragen will, das wäre eindrucksvoll! – und man könnte die auch noch weiter ergänzen; die Maritime Woche fällt mir noch ein, der autofreie StadTraum, das outnow-Theater-Nachwuchsfestival, oder Fun-Veranstaltungen wie die Badeinselregatta – und auch um Angebote aus der Wissenschaft, dem Sport und der Umweltbildung. – So eine tolle Broschüre „H2B“, wie sie die WFB als Beilage der „Zeit“ für den Wissenschaftsstandort und die Studentenstadt Bremen produziert hat, so etwas würde ich mir auch für die Kulturstadt und den Kreativstandort Bremen wünschen!

– Wir müssen uns fragen, auch vor dem Hintergrund der CityTax übrigens, die hier morgen ja nochmal debattiert werden wird: Wie können wir Wirkungen bündeln, Bilder schaffen und Verlässlichkeit ausstrahlen: Dafür, dass hier künstlerisch, kreativ und kulturell buchstäblich immer was los ist – und dass hier unwahrscheinlich viel zu entdecken und zu erleben ist, vom großen Event bis in die kleinste Galerie, von den Privattheatern über viele Experimente bis zum kompletten Festivalsommer.

Mir ist da in der Senatsantwort zu oft von „Nischen“ die Rede, von zu engen und zu kleinen Zielgruppen. Natürlich müssen nicht jeder Termin und jedes Ticket einzeln millionenfach in die Welt geblasen werden. Aber Stadtmarketing muss mehr sein als Veranstaltungswerbung.

Aber Bremen ist eine Stadt toller Quartiere, kultureller Vielfalt und überregional auffälliger und beachteter Preise, Premieren und Festivals. Das hat sich längst zu einem Image verdichtet, das wir auch kommunizieren müssen: Ich denke, wir brauchen dazu Bündelungen in der Kommunikation und wir brauchen dazu eine Auffrischung des Stadtmarketings mit Hilfe der Kreativen Bremens.

Auch dazu, denke ich, werden wir einen Antrag in den nächsten Wochen erarbeiten und hier einbringen.

Der Wirtschaftssenator Martin Günthner hat im Sommer ja mehrfach darauf hingewiesen: Bremens Image steht und fällt auch mit der Mundpropaganda von uns Bremern – was wir von Bremen erzählen ist ebenso wichtig wie Imagekampagnen. Das glaube ich auch.

Und ich wünsche mir dazu ganz im Sinne von Herrn Senator Güntner, dass wir mit Bremens Bürgern und Interessengruppen gemeinsam über das Image unserer Stadt nachdenken, es gemeinsam schärfen und dann auch nach außen tragen: Warum nicht auch fürs Stadtmarketing Beteiligung und Schwarmintelligenz nutzen, wie wir das für die Stadtgestaltung schon lange und erfolgreich tun?

Ich danke Ihnen.

Schuppen 3 als Chance für kreative Korrekturen bei der Überseestadt-Entwicklung nutzen!

In Ideenwirtschaft, Politik, Stadt, wörtlich! on 22. November 2012 at 23:07

Die derzeit im Schuppen 3 der Bremer Überseestadt ansässigen Unternehmen der Kreativwirtschaft sollen dort auch künftig eine Perspektive haben. Zudem muss das Vorzeigequartier im ehemaligen Hafengebiet um erschwingliche Wohnungen ergänzt werden – auch damit Kreative mit niedrigen Einkommen dort Wohnen und Arbeiten verbinden können. Das fordern die Grünen in der Diskussion um die Vermarktung und künftige Nutzung des Schuppens 3 nach einem Besuch vor Ort und haben für die Fragestunde der Stadtbürgerschaft im Dezember drei Fragen an den Senat dazu formuliert.

„Für die erfolgreiche Entwicklung der Überseestadt waren auch viele Kreative wichtige Pioniere, die sich schon früh etwa im Schuppen 3, in der Stauerei an der Cuxhavener Straße, an der Alten Feuerwache, im Speicher XI und im Gebäude der Anbiethalle angesiedelt haben. Damit haben sie wesentlich zur Belebung des neuen Ortsteils beigetragen. Die Kreativen haben, wie andere Unternehmen, in der Überseestadt Arbeit, Ideen und Geld investiert“, betont der stadtentwicklungspolitische Sprecher Carsten Werner. Die kleineren Unternehmen müssen nach Ansicht der Grünen in der Überseestadt eine Perspektive haben. „Es kann dort nicht nur um immer mehr Neuansiedlungen im großen Stil gehen. Wirtschaftsförderung ist auch Bestandspflege. Auf erfolgreiche Zwischennutzung muss mehr folgen als die Kündigung von Mietverträgen“, so der wirtschaftspolitische Sprecher Ralph Saxe.

Die Grünen erwarten zudem, dass in der Überseestadt auch niedrig- und mittelpreisige Wohnungen entstehen. „Das ist wichtig, damit daraus ein lebendiger, sozial gemischter Stadtteil wird und keine Schlafstadt für Gutbetuchte“, erläutert Carsten Werner. Auch das betreffe die Kreativen ganz direkt. „Kultur- und Kreativwirtschaft ist nicht nur Hollywood und Freizeitpark. Der Großteil der Kreativen hierzulande lebt von niedrigen bis sehr niedrigen Einkommen. Auch sie brauchen günstigen Wohnraum. Die Kreativen verbinden gerne Wohnen und Arbeiten, auch damit sind sie Pioniere einer modernen Stadtentwicklung“, unterstreicht Carsten Werner.

Der Schuppen 3 biete Gelegenheiten, so die beiden Bürgerschaftsabgeordneten, diesen Ansprüchen gerecht zu werden. „Es gibt so viel urbremisches Interesse, so viele bremische Ideen zur Überseestadt, dass es fahrlässig wäre, die nicht aufzunehmen und öffentlich zu diskutieren“, freut sich Carsten Werner über das rege Interesse am Schuppen 3. „Wir erwarten, dass die Ideen in einem offenen Prozess entwickelt werden – kreativ im besten Sinne“, ergänzt Ralph Saxe.

Zeitgenössisch zeitgenössisch bleiben

In Kunst, Politik, Stadt, wörtlich! on 22. November 2012 at 20:45

Die Diskussionen um einen möglichen Umzug des Museum Weserburg und die möglichen Folgen für die Gesellschaft für aktuelle Lust (GAK) kommentiert der kultur- und stadtentwicklungspolitische Sprecher der grünen Bürgerschafts-Fraktion, Carsten Werner:

„Die Ideen und die Fragestellungen von Stiftungsrat und Direktor der Weserburg, einen Umzug in die Überseestadt zu prüfen, sind gut – weil sie unter dem Eindruck und Einfluss von Veränderungen in der Stadtgestaltung, in der Kulturlandschaft und im Freizeitverhalten Bestehendes hinterfragen und neue Wege suchen; weil sie das Profil ihres Museums überprüfen und entwickeln, verändern wollen. Geichzeitig gerät mit diesen Gedankenspielen das etablierte Panorama der zeitgenössischen Kunst in Bremen – zunächst gedanklich – in Bewegung. Es kann nur gut sein, die bestehenden Angebote für Bremer Künstlerinnen und Künstler, für das Bremer Publikum und für Gäste Bremens immer wieder einmal zu überdenken und wenn nötig aufzufrischen oder zu verändern. Wie sonst sollten neue Formate, neue Förderformen, neue Präsentationsformen und nicht zuletzt der künstlerische und kuratorische Nachwuchs und das Nachwuchspublikum, ihre Wahrnehmung und Vorstellung von Welt und Kunst ihren Platz in der Kulturlandschaft und der Stadtgesellschaft finden? Nur so bleibt zeitgenössische Kunst zeitgenössisch.

Je offener und ausführlicher diese Auseinandersetzung stattfindet, desto besser und ertragreicher: Allein dafür lohnen sich die Ideen aus der Weserburg – und genauso die Reaktionen aus der GAK. Und hoffentlich mischen sich noch mehr Kunstinterressierte und -schaffende in die Debatten dazu ein! Es wäre toll und wichtig, dass sich jetzt nicht Einrichtungsvertreter in den jeweils eigenen Mauern verschanzen, sondern wir über die besten Konstellationen, Orte und Programme für internationale und lokale Kunst in Bremen streiten – und sie gemeinsam definieren.

Dazu gehört ganz sicher auch die offene Diskussion über die Kunst im öffentlichen Raum in unserer Stadt, die Rolle des dafür zuständigen Landesbeirats, die Höhe und Herkunft der dafür zur Verfügung stehenden Mittel – und ganz konkret und aktuell auch die Aufstellung, Ausschreibung und Ausgestaltung eines Sonderprogamms für Kunst im öffentlichen Raum in der Überseestadt: (siehe dazu im 4. Entwicklungsbericht zur Überseestadt S. 18f. bzw. 23f. im PDF) Das darf weder kein Geheimprojekt werden und nicht bloße Dekoration von Flächen- und Immobilienvermarktung werden. Überregionale und internationale Ausstrahlung ist dafür genau so wichtig wie die lokale Verankerung und Diskursqualität. Bremen erhält bundesweit sehr viel Anerkennung für seine stadtentwicklerischen Beteiligungsformate – von der Sanierung Osterholz-Tenevers über die Aufstellung des Leitbilds Bremen 2020 und des Innenstadt-, des Verkehrs-, des Flächennutzungsplans bis zur Quartiersentwicklung etwa am Hulsberg, in Huckelriede oder im Bremer Westen. Dabei spielt Kultur eine zunehmend wichtige Rolle – und da sollte sich die zeitgenössische Kunst nicht heraushalten oder in bestehende Nischen oder Traumwelten verkriechen.

Aus Sicht der Stadtentwicklung ist die Idee eines neuen Museums in der Überseestadt natürlich interessant und reizvoll. Für die Kulturentwicklung sind Diskussionen und Entwicklungen ohnehin ein Gewinn, der die Akteure insgesamt stärkt. Bevor aber Entscheidungen zu all dem fallen, braucht es einen offenen Diskurs – und nicht zuletzt überzeugende, zu Teilen neue Konzepte: Denn was würde, was sollte stattfinden an neuen (oder alten) Standorten, unter neuen oder neu entdeckten Nachbarn und KollegInnen, gemeinsam auch mit der nächsten Generation von Kreativen und Kulturfreunden? Das liegt vor allem in der Verantwortung der Akteure: Auf ihre Ideen und Impulse kommt es an – und darauf bin ich gespannt!“

Die Überseestadt ressortübergeifend weiter entwickeln

In Politik, Stadt, wörtlich! on 22. November 2012 at 20:42

Die sehr erfolgreiche Vermarktung und Entwicklung von Flächen und Immobilien in der Überseestadt soll selbstverständlich weitergeführt werden. Es ist nun aber an der Zeit, sich auch der sozialen, ökologischen und kulturellen Entwicklung der Überseestadt wie auch dem Verkehr und der Stadtentwicklung im Zusammenhang benachbarter Quartiere zu widmen.

Die Große Anfrage von SPD und Grünen vom 10. Juli 2012, Drucksache 18/199 S, und dazu die Antwort des Senats vom 16. Oktober 2012, Drucksache 18/228 S – und hier meine Rede vom 20.11.2012 dazu:

Sehr geehrter Herr Präsident, meine Damen und Herren, liebe Kolleginnen und Kollegen,

Ich möchte mich bedanken für die ausführliche Antwort des Senats auf unsere Große Anfrage zur ressortübergreifenden Weiterentwicklung der Überseestadt und den 4. Entwicklungsbericht zur Überseestadt. Beide führen – wieder, muss man ja inzwischen sagen – eindrucksvoll vor Augen, was für ein großer Vermarktungserfolg und Entwicklungserfolg die Schaffung dieses neuen Ortsteils von Walle ist. Da sind wir uns glaube ich hier im Haus alle einig.

Ich will aber auch nicht verhehlen, dass es mich ein bisschen irritiert hat, dass es für den Gesamtsenat drei Monate dauert, ressortübergreifend gemeinsam aufzuschreiben, wie toll es in der Überseestadt läuft.

Wir haben ja natürlich ganz bewusst nach der ressortübergreifenden Weiter-Entwicklung der Überseestadt gefragt. Denn so unstrittig erfolgreich die bisherige Entwicklung ist – so offenkundig liegt auch jetzt vor uns, dass die Entwicklung jetzt einen zusätzlichen, anderen Dreh kriegen muss: Seit zehn Jahren siedeln sich dort Menschen an – mit kleinen oder großen Investitionen, mit ganz verschiedenen Erwartungen ans Arbeiten dort als Kreativer, für Handel und Gastronomie, für Industrie, Handwerk oder Unterhaltung – und mit ganz verschiedenen Erwartungen ans Leben in der Überseestadt; als Bewohner oder Besucher oder Arbeitende.

Unterschiedliche Erwartungen, Hoffnungen und Anforderungen bergen auch Konflikte. So fühlen sich gerade die Pioniere der Kreativwirtschaft in der Überseestadt aktuell bedroht durch steigende Preise und rar werdende Nischen und Zwischennutzungsmöglichkeiten. Wie eine Verstetigung für die derzeitigen Nutzer dort z.B. im Schuppen 3 und im Gebäude der Anbiethalle realisiert werden kann, ist ja noch nicht so klar, wenn deren Mietverträge auslaufen. Gleichzeitig schimpfen die ersten Bewohner schon über Baulärm, die Bestandsindustrie sorgt sich um ihre langfristigen Entwicklungsmöglichkeiten– und erste Unternehmungen erweisen sich auch mal als nicht so erfolgreich und müssen wieder schließen. Das ist alles kein Drama und diese Sorgen lassen sich alle erklären, hoffentlich und bestimmt auch ausräumen. Das heißt: Es geht nicht mehr nur um Vermarktung, es geht in der Überseestadt jetzt auch um soziale, gesellschaftliche Fragen, es geht dort um Lebensumfeld und um Arbeits- und Wirtschaftsbedingungen, um Freizeitgestaltung: Die Überseestadt kommt im Leben an und das ist gut so.

Damit verschieben sich die Aufgaben und unserer Ansicht nach auch die Kompetenzen und Zuständigkeiten für das Gebiet: Dort muss jetzt neben der weiteren Flächenvermarktung auch ins Leben, in Lebendigkeit und Öffentlichkeit  investiert werden. Da ist es mit einem Beirat aus Bestands-Wirtschaft und Politik nicht mehr getan – der bezeichnenderweise auch nicht ein einziges Mal mehr getagt hat, seit dieses Parlament hier gewählt wurde. Das geht so nicht!

Bremen gilt als vorbildlich bei der Beteiligung von Beiräten, betroffenen und interessierten Bürgern in der Quartiersentwicklung. Wir haben mit immensem Aufwand – und ich finde auch Erfolg – das Leitbild Bremen 2020 und das Innenstadtkonzept Bremen 2020 entwickelt; gestern gerade wurde die Internet-Beteiligung zum Verkehrsentwicklungsplan gestartet und in wenigen Tagen beginnt die öffentliche Beteiligung zum neuen Flächennutzungsplan Bremens. – Und mir fällt überhaupt kein guter Grund ein, warum wir diese Qualitäten nicht auch für die Überseestadt nutzen und sie auch der Überseestadt angedeihen lassen sollten!

Und ein weiterer Punkt ist mir wichtig: Damit die Überseestadt lebendig wird und bleibt, müssen dort erschwingliche Wohnungen – noch erschwinglicher, als es bis heute der Fall ist – angeboten werden. Ich bin unserem Bürgermeister sehr dankbar, dass er darauf immer wieder hinweist! Und das ist nicht nur eine Frage des Preises, auch eine der Lebensart und Lebensqualität dort: Wir wollen nicht, dass die Überseestadt eine Schlafstadt wird, wie das vor ein paar Jahrzehnten mit dem Teerhof mitten in der Stadt passiert ist.  Die Überseestadt braucht deshalb Infrastrukturen für sozial gemischte Anwohner – für Familien und Singles, für Ältere und Jüngere, für Studenten. Die Akteure der Kultur- und Kreativwirtschaft sind übrigens – das wurde ja gestern Abend gerade auf einer sehr guten Veranstaltung der SPD-Fraktion sehr deutlich – vielfach Geringverdiener , und deshalb auch sehr auf günstigen Wohnraum angewiesen, der sich vielleicht mit Arbeitsraum kombiniert. Deshalb ist uns Grünen wichtig, dass das Blauhaus realisiert werden kann, dass der Skaterpark gebaut und auch betrieben werden kann und dass Studentenwohnungen, Kita und auch Kultur endlich wirklich dort angesiedelt werden. …

… Kultur auch im Sinne von Auseinandersetzung, Intervention und Impulsen für das städtische Leben – und nicht als Geheimoperation in Großprojekten. Und ich sage ganz klar: Das alles – Wohnen, Leben, öffentliche Räume, und das alles attraktiv und bezahlbar – ist uns wichtiger als das Sinnieren über Skianlagen, Legoländer und sowas! Und das muss hier und da auch Vorrang haben vor der Höchstpreisvermarktung von Flächen!

Wenn es für den Schuppen 3 die Möglichkeit gibt, hier ein wenig Hafenambiente, Wasserlage, Durchlässigkeit, Wandel und Lebendigkeit zu erhalten, zu signalisieren und auch für Menschen verfügbar zu halten – die da schon seit Jahren sind aus der Kultur- und Kreativwirtschaft; arbeitende, konsumierende Menschen – dann sollten wir diese Chance ergreifen!

Es gibt so viel urbremisches Interesse, so viel lokale Sympathie, so viele bremische Ideen zur Überseestadt, dass es Zeit wird, die aufzunehmen, anzunehmen, auch mal zu kanalisieren, öffentlich zu diskutieren und weiter zu treiben. Wir können es doch nicht dem Weser-Kurier überlassen, jede Woche eine neue, in Wirklichkeit Jahre alte, Nutzungsidee von Bremer Entwicklern für den Schuppen 3 zu diskutieren?!

Liebe Senatoren und Senatorinnen, tun Sie das bitte ressortübergreifend, sich in den Kompetenzen und Talenten Ihrer Ressorts ergänzend. Wir erwarten viel von einem neuen Beirat Überseestadt – und dessen Neuaufstellung sagen Sie in Ihrer Antwort ja für Anfang 2013 auch zu. Nehmen Sie diese Neuaufstellung bitte auch zum Anlass, auch die Zuständigkeiten und Aufgaben für die Überseestadt innerhalb Ihrer Ressorts weiter zu justieren.

Herzlichen Dank für Ihre Aufmerksamkeit.

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Liebe Frau Bernhard: Sie haben jetzt noch mal kräftig die Klischees gemixt und aufgerührt, die wir eben gerne vermeiden und abbauen möchten. Sie ja auch. Lassen Sie doch den Klassenkampf weg und wir sind uns einfach einig?! Alle Redner haben hier angemahnt, dass es bezahlbares Wohnen in der Überseestadt geben muss.

Herr Senator Günthner, Sie haben Einiges – viel Positives – zur Kultur- und Kreativwirtschaft gesagt. Bitte achten Sie darauf, das die Kreativen da auch bleiben, auch leben und wohnen können! Die Netzwerke der Kreativwirtschaft sind das eine, die sind wirklich vorbildlich und erfolgreich in Bremen – aber die kleinen, einzelnen Kreativen, die Klein- und Kleinstunternehmen, sind auf günstigen Wohn- und Arbeitsraum angewiesen und die können auch nicht 8 Euro pro Quadratmeter bezahlen. Und Co-Working-Spaces, liebe Frau Bernhard, sind keine Glitzerpaläste: Co-Working heißt Zusammenarbeit! Da geht es um Bürogemeinschaften, um 15, 20 Quadratmeter für ein Tonstudio oder ein Fotostudio. Ich habe mit dem Kollegen Ralph Saxe die Kreativen dort heute morgen besucht: Da geht es um Künstlerateliers, 1,2 Filmschnittplätze, ein bisschen Platz für Computerarbeitsplätze, um eine handwerkliche Handtaschenproduktion oder eine kleine Tischlerei.

Noch einmal kurz zu Kunst und Kultur:
Sich mit der Weserburg ein zeitgenössisches Museum in der Überseestadt vorzustellen, gefällt mir prinzipiell erst einmal nicht schlecht – ob sich das realisieren lässt, da kommt es natürlich noch auf die Finanzierung an und auch auf das Konzept, dass mit so einem Umzug verbunden wäre. Und wenn es mit dem Motorschiff Stubnitz die Chance gibt, die Weser und den Hafen – die ja jetzt sozusagen endlich in der City angekommen sind – auch heute wieder, neu aufgeladen, für internationalen Austausch zu nutzen, dann sollten wir diese Möglichkeit schaffen! Auch wenn und gerade weil das Projekte sind, die nicht an vorderster Front der Freizeitindustrie glitzern. Kunst im öffentlichen Raum wäre auch toll. Aber lassen Sie uns das alles öffentlich und offen diskutieren. – Kulturentwicklung geht, genau wie Stadtentwicklung, nicht als Geheimoperation.

Herzlichen Dank.

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