carsten werners

Archive for the ‘Medien’ Category

Zahlen statt Kopf

In Kunst, Medien, Politik, Welt on 22. Oktober 2011 at 14:09

Das ist in der Tat unzurechnungsfähig, gaga, peinlich und vielsagend, wie’s die Ableger eines deutschen öffentlich-rechtlichen Senders gemeinsam mit Koryphäen wie Hilary Swank, Jean-Claude van Damme, Kevin Costner, Vanessa Mae (!!) und Heidi-Klum-Mann Seal schaffen, der Welt zu zeigen, was viele eh fürchten: Dass sie so viel Grips und politische Haltung haben wie Lothar Matthäus und Diego Maradona:

Bärendienst fürs Image von Künstlern

Warum auch politisch bewandert sein oder alternativ mal kurz bei Wikipedia nachschlagen, wenn man auf Freundschaft mit kriminellen und nicht nur halbseidenen Präsidenten macht und die Kohle stimmt. Andererseits: Wer würde sonst noch mal erfahren, dass es noch deutsche Fernsehbalette gibt – und wo könnten sie noch auftreten, wenn nicht in Hinterweltlers guter Stube?

Vielleicht wärs zur Vermeidung solcher Deppertheiten mal angesagt, auf solche Nasen im deutschen TV mal eine Zeit lang zu verzichten und stattdessen politische Kultur und Kunst zu finanzieren.

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Planwirtschaftliche Kürzungsideen für Kultur sind nicht so hilfreich

In Medien, Politik on 29. September 2011 at 00:20

Schön, wenn Menschen ihre Irrtümer bemerken und korrigieren:
(Update 29.9.2011 – siehe unten.)

Gestern noch hieß es bei Radio Bremen „Wirtschaft gegen Kultur: Handelskammer sieht Sparpotential bei Kultur“ – heute wurde daraus flugs „Vorschlag der Handelskammer: Mehr Kooperationen in der Kultur“
… und dann weiter im neuen Text: „Die Bremer Handelskammer fordert die Kultur-Einrichtungen auf, nach Möglichkeiten zu suchen, wo sie enger zusammenarbeiten können. Das dadurch eingesparte Geld sollte im Kultur-Etat bleiben und für Aufführungen und Ausstellungen genutzt werden.“ Oder auch, kürzer gefasst: Wer am einen Ende spart, kann am andern etwas mehr ausgeben – und natürlich ist die Theorie schön, mehr für die Kunst und weniger fürs Werben auszugeben. Man muss nur das richtige Verhältnis finden, um diese Binsenweisheiten wirtschaftlich zu nutzen – eine wichtige, unbestrittene Aufgabe aller Geschäftsführer, Produzenten, Öffentlichkeitsarbeiter, Veranstalter, Produzenten.

Was die Handelskammer zu solchen Ratschlägen qualifiziert und motiviert, bleibt aber auch am „Tag danach“ so rätselhaft irrlichternd wie ihre konkreten „Sparvorschläge“ selbst: „So könnten zum Beispiel die Buchführung und die Presse- und Öffentlichkeitsarbeit gemeinsam abgewickelt werden“. Mit solchen Vorschlägen werden Erwartungen in punkto Einsparpotenzialen geweckt, die in der Realität erfahrungsgemäß kaum messbar sind. Gleichzeitig lösen sie Existenzängste in der Szene aus. Das erschwert gemeinsame Lösungen – durchaus mit echter Sparbereitschaft und echten Einsparpotentialen -, die die Kulturverwaltung mit Einrichtungen laufend verhandelt. Dass ausgerechnet die Handelskammer als oberste Interessenvertretung der Wirtschaft die Zusammenlegung der Öffentlichkeitsarbeit vorschlägt, erstaunt mich: Zwei völlig Unternehmen – sagen wir: Beck’s und Kraft, oder: Tütensuppenhersteller und Tierfutterfabrikant, oder: Autohersteller A und Autohersteller B – würden nie auf die Idee kommen, Werbung und Marketing zu fusionieren. Gerade bei Kultureinrichtungen und -projekten sind zudem ja ihre öffentlichen Veranstaltungen und deren (Be)Werbung besonders eng verknüpft.

Die meisten Kultureinrichtungen und Unternehmen der Kulturwirtschaft sind (Zwangs-)Mitglieder der Handelskammer. Dem sollte die Kammer durch substanzielle Unterstützung und Beratung bei ihrer Entwicklung gerecht werden, statt öffentlich planwirtschaftliche Kürzungsideen für den Kulturbereich zu diskutieren und unausgegorene pseudowirtschaftliche Ratschläge zu erteilen.

Wo das sachlich möglich, betrieblich machbar und künstlerisch sinnvoll oder/und wirtschaftlich vielversprechend ist, spricht nichts gegen Kooperationen von Kultureinrichtungen oder sogar deren Zusammenschluss – personell, räumlich, strukturell oder sogar konzeptionell. Das geht aber nur im Dialog – und mit gemeinsamen Zielen, von denen alle Beteiligten profitieren. Kaum irgendwo wird schon in und aus den Einrichtungen heraus so viel kommuniziert, geplant und verhandelt wie im Kulturbereich – um Verbesserungsbedarfe zu erkennen, Aufgaben und Förderkriterien zu überprüfen und zeitgemäß anzupassen (oder auch mal etwas zu beenden). Dazu ist der Dialog zwischen Kulturverwaltung und Einrichtungen wichtig – und zwischen Kreativen, ihren Beratern und Verwaltern, Kulturpolitik und -verwaltung lang geübte Praxis und auf einem guten Weg. Die Handelskammer sollte überlegen, ihre kommunikativen Angebote – die sich wesentlich in Willensbekundungen, Pressemitteilungen und Talkveranstaltungen zu CSR, Stadtimage, Kreativwirtschaft und Eventmanagement niederschlagen – besser konkreten Angeboten realer Beratung und Fortbildung zu verbinden und mit ihren davon betroffenen Mitgliedern abzustimmen.

>> Nachtrag am 29.9.2011:
Morgen darf sich dann die kulturpolitische Sprecherin der  CDU, Dr. Rita Mohr-Lüllmann korrigieren, die heute anlässlich des vom Senat vorgeschlagenen Kontraktes mit dem Bremer Theater behauptete, dass „andere Kultureinrichtungen oder freie Träger nicht auch Planungssicherheit durch vergleichbare Vereinbarungen erhalten“ und dass die Zuschüsse „nur gewährt werden, wenn sie auch an Verpflichtungen geknüpft sind. Dies ist derzeit nicht der Fall“. Beides ist Quatsch: Natürlich sind mit mehrjährigen Förderverträgen Verpflichtungen verbunden – auch zu nicht unerheblichen Einsparungen. Mein Fraktionskollege Hermann Kuhn, finanzpolitischer Sprecher der Grünen, bestätigt: „Der Kontrakt fürs Theater führt die Konsolidierung der letzten Jahre fort und bettet sie realistisch in den Sanierungspfad der Stadt ein. Die Zusicherungen sind verbunden mit der vertraglichen Verpflichtung zu Eigenanstrengungen.“ Im Gegenzug schaffen die Kontrakte für die Einrichtungen mehrjährige Planungssicherheit, damit sie sich auf ihre künstlerische Arbeit konzentrieren können, statt sich in Insolvenz(be)drohungen aufzureiben. Ähnliche Kontrakte wurden bereits mit der Kammerphilharmonie Bremen und den Bremer Philharmonikern geschlossen, die demnächst verlängert werden sollen. Und auch für das Gerhard-Marcks-Haus, das Paula Modersohn-Becker Museum und die Schwankhalle sind bereits Kontrakte vorbereitet, die hoffentlich bald abgeschlossen werden. Sie sind wegweisend für die verlässliche Förderung und Planungssicherheit auch anderer Kultureinrichtungen.

[ … und diese um sich greifende unjournalistische Unart, möglicherweise verunglückte Formulierungen, Formate, Zitate oder Behauptungen online nach ein paar Stunden einfach kommentarlos zu ändern oder zu tilgen, ohne diese Änderungen kenntlich zu machen, könnte man AUCH mal gesondert thematisieren …!? ]

Lokal(wahl)berichterstattung

In Ideenwirtschaft, Medien, Politik, Stadt on 22. Mai 2011 at 13:11

Überraschend und ein bisschen enttäuschend, wie wenig sich der Heimatsender Radio Bremen mit den vielen, vielen KANDIDATEN UND KANDIDATINNEN der Parteien beschäftigt hat – stattdessen am laufenden Meter Interviewstunden mit Kompetenzen für Bremer Politik wie Hannelore Kraft, Hermann Gröhe, Angela Merkel, Sabine Leutheusser-Schnarrenberger, Philipp Rösler usw. und deren Grundsatzerklärungen – rätselhaft. Ausschließlich Spitzenkandidaten – und ein schnöder Link zum Abgeordnetenwatch. Ob hab ich on air Großartiges verpasst, was es online nicht gab? Aber schimpfen über „langweiligen Wahlkampf“!

Da liegt der WK weit, weit, weit vorne mit seiner Berichterstattung z.B. über Migranten, Wirtschaftsvertreter, hintere Listenplätze Junge und Alte, Beiräte, lokale Themen , Erwartungen von Bürgern und Wahlprüfsteinen der Interessengruppen – plus ALLE Kandidatenporträts mit Statement im SMS-Format.

Meinen persönlichen Sonderpreis für feine Blogs würden aber die beiden RB-Blogger Teja Adams und Jochen Grabler kriegen: Jeder einen!

Vorbei. Verpasst.

In Ideenwirtschaft, Konsumempfehlung, Kunst, Medien, Werner on 8. Mai 2011 at 09:08

Nachwort zum Verschwinden einer Homepage.
Vorwort zu Schnipseln und einem Buch, die sie retten.
(ungekürzte Fassung)

Vorbei. Verpasst. Das kann man sich ja kaum noch vorstellen. Haben wir zu viele Worte oder Bilder geschrieben, mögen wir uns im schönen Materialwust nicht entscheiden, gibt’s „den ganzen Text“, „alle Bilder, alle Infos“ oder „das Projekt komplett“ eben „online“. Da steht es dann rum – man kann sich noch mal wehmütig erinnern, wie schön das alles beim Machen war, wie lebendig beim ersten Zeigen, wie wichtig für diese geschäftliche Entscheidung neulich oder jenen persönlichen Schritt damals.
Aus dem eben noch wild visionierenden, utopisierenden und streitenden Blog wird mit drei Klicks ein „Archiv“.

Kommen unsere Eltern mit Tüten voll Zeitungsartikeln, Flyern, Fahr- und Eintrittskarten, schmunzeln wir leicht genervt.
Beim Kind lächle ich gerührt, dass die Werbekarte mit Lenis Mama drauf, die Muschel aus Rantum, zwei mal 5 Cent und ein kaputtes Blümchenportemonnaie auf ewig zusammengehören und bleiben.

Früher haben wir Postkarten gesammelt und Aufkleber und Buttons und Fotos und Artikel und Flyer, erst in Kisten, dann in Schränken, dann in Räumen und dann alles dem Staatsarchiv in verantwortungsvolle Hände übergeben. Heute speichern wirs ab in einem merkwürdigen Zwiespalt: Wo „alles“ gesichert ist, soll „nichts“ vergessen werden. Aber wo nichts vergessen wird, bleibt wenig Raum für Erinnerung.

Im Datenraum rutscht nichts nach unten oder hinten, vergilbt oder verstaubt nichts. Aber es wird/bleibt auch nichts wichtiger als das andere. Neulich war meine erste Homepage noch da, dann entfernte sie sich aus dem HTML-Leben und war nur noch Code – immerhin. Eben gerade habe ich nachgeguckt: weg, ganz. Glaube ich.

Während das Festhalten, persönliches Markieren und intuitives Sortieren schon schwierig sind, geht die Verknüpfung mit Gefühlen gleich ganz schief. Datenträgerarchive sind ja noch noch viel toter, unsichtbarer und unwirtlicher als muffige-kühle, abgelegene und mies beleuchtete Staats- und Unternehmensarchive oder private Lager.
Meine Projekte-CD-Sammlung sieht nur scheiße aus, schrabbelig, und ob die Daten noch lesbar sind, will ich lieber gar nicht so genau wissen, da sitzt man sonst wieder tagelang frustriert und übernächtigt am Rechner und ärgert sich.
Meine kindliche Postkartensammlung riecht heute noch nach burti-Waschmittel, wegen eines dämlichen Experiments. Aber sitze ich mit Rückenschmerzen da mittendrin, spüre ich die Wichtigkeit, den Anlass, die Aufregung zu jeder einzelnen Karte – von Opa im Skiurlaub bis zu meiner ersten Freundin, auf dem anderen Kontinent. Das Pixi-Entenbuch hilft mit dem Zoo-Ticket zusammen der Erinnerung auf die Sprünge – auch an meine blöde Schwester, die die vorletzte Seite zerfetzt hat, worauf ich sie auf den Balkon … und so weiter. Alles noch da und verknüpft in Hirn und Herz. Aber Vieles ist und bleibt weg und das ist auch gut so.

Wenn Giraffentoast seine Homepage – das öffentliche digitale Gedächtnis der Firma – jetzt zurück in die Wirklichkeit rettet, ist das konsequent und steht für Eure Liebe in den Produkten, soziale Haltung zu den Projekten. Für das Primat der Inhalte und Gedanken und Gefühle, aus denen sie gemacht sind. Jetzt leben sie weiter an Pinnwänden und in Schubladen, in Mappen und Schachteln, hinter den Spiegeln in den Hinterhöfen, Hinterzimmern und Hinterköpfen – haben Platz und Raum geschaffen für Neues und Nachfolger auf www.giraffentoast.de. Und sie sind als Geschenke unterwegs zurück ins wirklich wahre Leben: Als Ideendünger und Impulsgeber, als Bastelelemente und Erinnerungen an schöne Momente, gute Arbeit. Welcome back!
Es lebe die Wiederverwertung! Und es lebe die Unvollständigkeit!

Hoffentlich scheitert dieses Buch also auch ein bisschen: Weil man nicht alles festhalten kann, weil das auch nicht gut wäre. Es soll mindestens so viel Anstöße. Wie es festhält im Hier und Jetzt. Wir brauchen ja viel mehr Platz und Zeit und Hirn für Neues!

Zum deconstruct–Buchprojekt von Giraffentoast

Katastrophenradio!

In Medien, Werner on 15. März 2011 at 20:53

cwerg war gestern nach 2 Wochen Berlin recht betrübt über den Zustand der norddeutschen Radiotiefebene mit ihren in der aktuellen Weltlage – Umbruch in Arabien, Gau in Japan – besonders abstrusen Infohäppchen, Gesprächlein und Nah-Beim-Menschen-„Ideen“ – und über die Unfähigkeit oder den Unwillen, die Stimmungslage in Tonfall, Inhalt und Musik zu erfassen, was anderes zu „machen“ als die übliche vorgeschützte „Geschäftigkeit“, Standard-Aktualitäts-Floskelei und höchstens Betroffenheits-Getue. Das ist alles so alt und so verbraucht und untauglich.

– Aber allein die drei Deutschlandradios sind in diesen Tagen die GEZ mehr als wert; jedes für sich, on air oder im Internet: Interessierte Experten und Redakteure aller Fächer am Studiotisch, Bezüge herstellend, sich ergänzend und gemeinsam informierend und fragend, einordnend, denkend, fürchtend sogar – sendend eben. Das will ich hören und bezahlen. (Nicht bloß „irgendwie dabei“.)

die alten mit den „neuen“ Medien

In Medien on 12. Februar 2011 at 18:13

„Donnerstagabend in der ARD: Tom Buhrow befragte eine Mitarbeiterin in Köln, die dort „das Internet beobachtet“. Warum sie das von Köln aus machen muss, wurde nicht erklärt. Die Internetbeobachterin beobachtete jedenfalls Dinge im Internet, die man zuvor auch im Fernsehen sah. Und Tom Buhrow bat sie, damit unbedingt weiterzumachen.“

(Matthias Kalle im Tagesspiegel)

sonntags wund

In Medien on 10. Oktober 2010 at 14:12

Und genau an dieser Stelle liegt der Problemhase im Pfeffer“ – puh, da hat sich der Weser-Report aber wieder wund kommentiert: „Verdrießlich ist das Gebahren“ – „Jeder einzelne von uns ist der Staat und auch die Parteien. Aber damit wollen wir dann doch lieber nichts zu tun haben, man will ja nicht zu den Idioten gehören. Kein Wunder, dass bei aller Häme und allem Desinteresse Politiker ihrerseits bürgerverdrossen sind.“ Naja. Na dann. Das erklärt ja fast alles! – „denn einen guten Staat …, den machen wir alle zusammen.“ Wir alle. Von der Schülerzeitung bis in die hohe Politik. Gut, dass es uns sonntags mal einer sagt!

Bahntugenden

In Medien, Welt on 25. September 2010 at 02:47

Ich durfte mich heute zwischen Berlin und Bremen sechs Stunden darüber freuen,

 – dass die Deutsche Bahn es schafft, in ihren automatischen Ansagen und Bahnsteiganzeigen für ein und denselben Zug GLEICHZEITIG, im selben Laufband und abwechselnden Durchsagen, 10-20-45-60 Minuten „wegen Bauarbeiten“ und 40-75-80 Minuten „wegen eines Notarzteinsatzes“ Verspätungen zu verkünden; wobei die letzten Scheibchen dieser scheibchenweisen Verkündigung auch noch liefen, als schon 95 Minuten rum waren.

– wie old Helmut Schmidt dem Bahnchef DOKTOR (!) Rüdiger Grube und seinem blonden Beiböötchen DOKTOR  Antje Lüssenhoop, Leiterin PR und Interne Kommunikation der DB, in einem „Interview“ über Moral und Anstand und Tugenden und Werre im DB-Magazin „mobil“ einschenkt: „Ich heiße Schmidt, schon seit über 30 Jahren, da bleiben wir bei.“ – um sodann die servilen Fragen des Vorstandschefs DOKTOR (!) Grube abzuledern: Nach Werten „wie Glaubwürdigkeit, Respekt, Loyalität, Fleiß und Begeisterungsfähigkeit“ („die lernt man auch nicht auf der Harvard Business School, in St. Gallen auch nicht und in Oestrich-Winkel auch nicht“). Nach des DOKTORS (!) Befürchtung, „die Nutzung der neuen Medien könnte dazu führen, dass Kommunikation oberflächlicher wird“ („Ob der Medienkonsum aber auch notwendigerweise einen Verlust an Moralität unterstützen muss, da würde ich zögern mit der Antwort. Denn es hat ja auch im alten Griechenland, im alten Rom, in Mittelitalien, in Venedig, in Gent, in Siena (!) nicht immer nur den ehrbaren Kaufmann gegeben, sondern auch ganz üble Geschäftemacher. Es hat auch immer Mörder, es hat auch immer Diebe, es hat auch immer Betrüger gegeben.“) Nach „Werten wie Respekt, Anständigkeit und Offenheit“ in Freundschaften („es müssen nicht unbedingt Freundschaften sein“) und nach dem Grundgesetz, das inzwischen besagt, dass die Bahn „ein Wirtschaftsunternehmen in privatrechtlicher Form ist“ („Das steht neuerdings im Grundgesetz? Das wusste ich auch nicht.“). Nach famosen Exkursen in die Wirtschaftspolitik gehts dann noch mal um Sekundärtugenden: Pünktlichkeit und Zuverlässigkeit. „Die Eisenbahn möchte bitte pünktlich sein“, schließt Schmidt. Insgesamt ein schönes Beispiel für die Kraft des guten Arguments, echten Lebens und wahren Denkens gegenüber windelweichem PR-Gesäusel!

– dass ich erleben durfte, wie es Dr. (!)  Grubes Bahnpesonal in concreto „mit Werten wie“ Glaubwürdigkeit, Respekt, Anständigkeit und Offenheit und Pünktlichkeit und Zuverlässigkeit hält. – Sagen wir mal: Loyal mit dem Arbeitgeber;  in Hamburg „gibts Freitagabend um Mitternacht doch keine Hotelzimmer“, Taxifahrten gibts nur zu sechst – auch wenn man dafür noch mal 35 Minuten auf ein Großraumtaxi warten muss. Und das 1 Meter lange Formular für die Erstattung eines überschaubaren Fahrpreisanteils „füllnsedasdochselbstaus!“.

– dass ich dann noch 90 Minuten im Taxi sinnieren durfte: „mit dem Auto über die A1 oder mit der Bahn einfach mal losfahren – was ist denn jetzt wirklich besser?“ Bin noch unentschieden.

– dass man auch mal nachgeben muss, dass man auch mal offline muss: Laptop im Taxi klappt nicht.

KulturKopf Hans Jessen, ARD-Hauptstadtstudio

In Radio on 28. August 2010 at 00:21

Hans Jessen, geboren 1949 in Barsinghausen, hat in Bremen von 1986 – 99 und von 2006 – 2009 als Reporter, Moderator und Chef vom Dienst des regionalen Fernsehmagazins „ buten un binnen“ gearbeitet. Von 1999 – 2006 und seit Januar 2010 wieder war/ist er von Radio Bremen als Fernsehkorrespondent in die Gemeinschaftsredaktion des ARD – Hauptstadtstudios in Berlin abgeordnet. Er arbeitet als Reporter für die Nachrichtensendungen der ARD und als Chef vom Dienst für den „ Bericht aus Berlin“ .
Seine Arbeitsschwerpunkte in Berlin sind: Außenpolitik, Entwicklungszusammenarbeit, Bildungs- und Umweltpolitik.
Als Mitglied eines Internationalen Trainerteams hat er in den vergangenen Jahren zahlreiche Trainingskurse für Fernsehjournalisten in West- und Osteuropa geleitet, seit 2004 moderiert er vielfältige Veranstaltungen zur Entwicklungszusammenarbeit und Globalisierung.
Hans Jessen lebt in Berlin.

KulturKöpfe HÖREN: Hans Jessen & Carsten Werner

ARD-Journalismus am Dienstag 21.7.2009

In Medien on 21. Juli 2009 at 23:19

ARD-Journalismus am Dienstag 21.7.2009:

1.
Sonnenbaden, Schorletrinken, Entenfüttern am Weserstrand. Vorfahrt eines Radio-Bremen-Kamerateam-Busses im Naherholungsgebiet, 3 Leute filmen matschigen Sand. Dann stört der Redakteur kurz beim Entenfüttern, verjagt die Küken:
– „Sie haben sicher gehört, dass der niedersächsische SPD-Chef das Bundesland Bremen abschaffen will.“
– „Ja.“
– „Könnten Sie uns bitte in die Kamera sagen: ‚Der Herr Duin soll sich mal darum kümmern, dass das Watt bei Cuxhaven nicht so verschlickt!‘ “
– „Nein.“
– „Warum denn nicht?“

2.
Abends die Zusammenhänge verstehen:
– das Bremer Lokalfernsehen hat einen anderen kostenlosen Sprecher gefunden – in irgendeiner Einkaufszonen sagt er: “ ‚Der Herr Duin soll sich mal darum kümmern, dass das Watt bei Cuxhaven nicht so verschlickt!‘ “
– Im www gesucht und gefunden: das Watt ist gerade Weltkulturerbe der Unesco geworden und Cushavener Hoteliers erregen sich drüber, dass man jetzt nichts mehr gegen die zeitweise Verschlickung tun kann.
– auf www.tagesschau.de bloggt Chefredakteur Gniffke: „Wenn wir ehrlich sind, hätte man jedes, ja wirklich jedes unserer heutigen Themen auch lassen können.“
– auf der Homepage des niedersächsischen SPD-Chefs Garrelt Duin steht: „Einen Sitz im NDR-Rundfunkrat habe ich seit Mai 2007 inne.“
Aha. Naja. Na dann.

Sommerloch schluckt Sommerloch.

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