carsten werners

Theater oben mit

In Uncategorized on 28. August 2002 at 10:07

Neues Boulevard-Theater geht baden / Ein Public Private Partner-Ship wird am 30. November an der Schlachte festmachen / Als Schauspieler stehen parat: Ingrid Steeger und Günther Mack

Die Politiker wünschen sich sowas ja immer lauthals: „Public private partnership!“ Es hat also geradezu Vorbildcharakter, was Knut Schakinnis da plant. Er will Bremen ein neues Theater bescheren. Nicht in leer stehenden Gemäuern am Rand der City, sondern in 1-A-Lage. Gleich auf dem Wasser der „Stadt am Fluss“ soll sein Theaterschiff anlegen und mit „leichter Kost“ von allerdings „hoher Qualität“ die Massen locken.

Das muss es allerdings auch. Denn von der Stadt gibt es nicht allzuviel „partnership“: Kulturverwaltungschef Reinhardt Strömer bat vor einem Gespräch erst einmal um die Zusendung eines Lebenslaufes des 47-jährigen Existenzgründers, wie Schakinnis etwas belustigt erzählt: „Dabei kenne ich den doch auch nicht!“ Danach hat Strömer sich nie wieder gemeldet – und die Wirtschaftsbehörde abgewunken. Schakinnis: „Weil sie im Kulturbereich keinen Präzedenzfall schaffen wollte.“ Aber tut sie das nicht laufend?

Die Sponsorensuche erweist sich in Zeiten wirtschaftlicher Flauten und Pleiten als schwierig. Zeit für Ideen. So bietet Schakinnis dem geneigten Theaterfan für eine Spende von 2.300 Euro an, für drei Jahre sein Engagement dokumentieren zu lassen. Die Künstler Hartmut Knell und Gerhard Bär stellen dafür Stühle nach den Designwünschen des Sponsors her. Nach drei Jahren bekommt der Spender seinen Stuhl mit nach Hause, auf dem Theaterschiff ziehen dann neue Sponsoren samt Mobiliar ein.

„Die Stücke müssen laufen“, sagt er und trommelt drei Mal auf den Holztisch seines kleinen Büros in der Weberstraße. Denn noch liegt sein Schiff nicht an der Schlachte, sondern wird im Hafen mit 300.000 privat von Spendern und Sponsoren finanzierten Euro für seinen Spezialeinsatz hergerichtet. Zwei Spielstätten entstehen im Bauch des 77 Meter langen und acht Meter breiten alten Schleppkahns (Baujahr 1925). An Deck soll es gastronomisch zugehen. Dazu kommen eine Künstlerwohnung, ein kleines Büro und die entsprechende Technik. Der laufende Betrieb muss sich später aus dem Kartenverkauf finanzieren.

In Bremen sieht Schakinnis ein „ausbaufähiges Potenzial als Theaterstadt“. Er muss es wissen: Seit zwölf Jahren lebt er in der Hansestadt.

Eröffnung des Theaters soll am 30. November an der Schlachte sein. Bis dahin kann sich der Selfmade-Mann auf Erfahrungen mit dem Theaterschiff Heilbronn stützen und will seine umfangreichen Kontakte in der Unterhaltungstheater-Szene nutzen. Von Siegfried Lowitz und Günther Mack bis zu Ingrid Steeger, mit allen hat er auf der Bühne gestanden. Jetzt will er die Kollegen nach Bremen locken. Für Ingrid Steeger wird zur Eröffnung der zweiten Spielzeit im nächsten Sommer eigens ein Stück geschrieben – von einem Bremer Autor.

Zuvor gibt’s ab dem 4. Dezember „No(n)nsen“, ein kleines Comedy-Musical von Dan Goggin. Die Komödie „Vom Umtausch ausgeschlossen“ steht ebenso auf dem Programm wie drei Einakter von Anton Tschechow, gespielt von Günter Mack, Ulrike Luderer und Knut Schakinnis. Auf die Erfolgskomödie „Cash“ folgt im nächsten Sommer die 70er-Jahre Revue „Hossa oder Als Robert Lemke nicht kam“.

Zudem will Schakinnis auch mit der Bremer Theaterszene zusammenarbeiten. Das Union-Theater wechselt im März mit einem einmonatigen Gastspiel vom Packhaustheater auf die Weser. Weitere Kooperationen sollen folgen.

Warum aber ein Theater auf dem Wasser? Neben den atmosphärischen hat es auch monetäre Gründe. Ein Schiff, wenn es nicht mehr fährt, gilt als „schwimmender Gegenstand“. Die Liegegebühr dafür beträgt im Jahr nur ein paar tausend Euro. Auch das Schiff selbst hat in der Anschaffung nur etwa 30.000 Euro gekostet.

Trotzdem will und muss Schakinnis darauf achten, das wirtschaftliche Risiko klein zu halten. Boulevard-Komödien sollen Boulevard-Komödien bleiben. Die Kunden schätzten das: ,,Schon jetzt fragen die Hotels nach Karten.“

Zur Zeit castet Schakinnis sein Team. Und wünscht sich auch noch einen Manager-Partner. Denn er wolle ja in Bremen sesshaft werden, um auch mehr mit der Familie zusammen zu sein. Seine Frau Bettina erwartet Zwillinge. „Vielleicht hat sich der liebe Gott gedacht: Mal gucken, was die alles auf einmal schaffen“, freut sich der Vater, Schauspieler und jetzt auch noch Theaterdirektor auf seine neuen Herausforderungen – toi toi toi!

Carsten Werner

Das Theaterschiff im Internet: www.theaterschiff-bremen.de, Infos unter 0421 / 7908600.

28.8.2002 taz Bremen Nr. 6838 Kultur 163 Zeilen, Carsten Werner S. 23

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